Zwischen Olbernhau und Chemnitz fahren laut sächsischem Verkehrsministerium zu wenige mit dem Zug. Doch die Linie ist bei Ausflüglern beliebt, wie sich am Donnerstag auf dem Bahnhof Pockau-Lengefeld zeigte.
Foto: Jan Görner
Ministerium: Bahn wird zu wenig genutzt
Freistaat will die Finanzierung des Personennahverkehrs neu regeln
Olbernhau/Chemnitz. Der sächsische Verkehrsminister Sven Morlok (FDP) hat vor Kurzem sein neues Modell für die Finanzierung des öffentlichen Personennahverkehrs ab 2015 vorgelegt. Laut den Plänen wird vor allem die Auslastung ausschlaggebend sein. Hat eine Verbindung nicht genügend Fahrgäste, wird sie als Zusatzangebot eingestuft. Das heißt, deren Erhalt wird nicht als zwingend notwendig betrachtet.
Laut der Landtagsfraktion Die Linke gilt ein Großteil der Strecke Chemnitz - Olbernhau als gefährdet. Denn statistisch gesehen fahren auf dem Teilstück zwischen Flöha und Olbernhau maximal 800 Personen pro Tag die gesamte Strecke. Auf Teilstücken sind es sogar weniger als 400. Damit zählt die Linie ab 2015 zu den Zusatzangeboten - finanzielle Einbußen drohen. Derzeit läuft das Anhörungsverfahren zum Finanzierungsmodell. Auch der Erzgebirgskreis gibt eine Stellungnahme ab. "Eine weitere Ausdünnung des Bahnverkehrs führt zur Schwächung des ländlichen Raumes", sagt Landrat Frank Vogel (CDU).
Für den Olbernhauer Bürgermeister sind das noch Schreckgespenster. "Ich gehe davon aus, dass die Strecke bleibt", sagt Steffen Laub (CDU). Nichtsdestotrotz macht er sich Sorgen. Für die Stadt sei die Verbindung eine wichtige Anbindung. Dass an der Finanzierung gerüttelt werden soll, hält er für das falsche Signal. "Sachsen besteht nicht nur aus Dresden, Leipzig und Chemnitz. Auch im ländlichen Raum muss die Daseinsfürsorge erhalten bleiben."
Für den Streckenerhalt sprechen die hohen Investitionen, so Laub. "Ich gebe doch nicht so viel Geld aus, um eine Verbindung herzustellen, um sie dann nach einigen Jahren wieder stillzulegen", sagt er. Allein im Stadtgebiet Olbernhau seien zwischen 2002 und 2005 rund 5,9 Millionen Euro investiert worden. Ähnlich argumentiert auch die Deutsche Bahn, zu deren Regional-Netz die Erzgebirgsbahn gehört. "Die Infrastruktur wurde von 2002 bis 2007 auf der Basis eines mit dem Freistaat Sachsen abgeschlossenen Bau- und Finanzierungsvertrages grundhaft erneuert", erklärt Sprecher Jörg Bönisch. Dieser Vertrag habe eine Laufzeit bis Ende 2022. "Wenn mit Bundes- oder Landesmitteln finanzierte Anlagen vorzeitig nicht mehr benötigt werden, wäre die finanzielle Nutzungsdauer nicht erreicht, und es würde zu erheblichen Rückforderungen kommen", erklärt Bönisch. Allein in die Strecke Flöha - Pockau-Lengefeld - Olbernhau-Grünthal flossen 48 Millionen Euro. Außerdem sei die Fahrgastentwicklung positiv und sogar leicht steigend. Vor allem Schüler, Pendler und Touristen nutzen die Bahnverbindung.
Für den Tourismus in der Region spielt die Erzgebirgsbahn eine wichtige Rolle. Der Tourismusverband wirbt sogar mit der Anreise per Bahn. Der Einsatz von Bussen, laut Verkehrsministerium eine kostengünstigere Variante, wäre nur ein schlechter Ersatz. "Aus touristischer Sicht sind die Bahnlinien attraktiv für unsere Gäste", sagt Verbandssprecherin Jana Vierig. Das kann Volker Börner bestätigen. "Immer mehr Gäste kommen mit dem Zug", sagt der Hotelier aus Pockau. Für sein Hotel wäre ein Wegfall der Strecke problematisch.


14:53 Uhr
kassbergwade: @EisenbahnerausdemErzgebirge: Und die Chemnitzer fahren dann erstmal nach Olbernhau um in einen Fernzug umzusteigen, oder wie?
13:46 Uhr
EisenbahnerausdemErzgebirge: Die Stadt Olbernhau benötigt eine Fernzugverbindung um dem Tourismus zu fördern! Das Erzgebirge gehört zu den Verlierern der Wiedervereinigung. Wenn das Land Sachsen jeglichen SPNV einstellt im Erzgebirge, schädigt sich der Freistaat nur selbst. Vielleicht durchkreuzt ein neuer Bundesverkehrsminister die Pläne seines sächsischen Kollegen. Die 5% Prozent-FDP sollte nicht zu laut sprechen, wenn sie Wahlen gewinnen möchte!