Der Kühnhaider Peter Weiße vor seiner Wetterstation, die in zwei Metern Höhe meteorologische Daten misst.
Foto: Jan Görner
Nur die Zugspitze soll noch frostiger sein als Kühnhaide
Peter Weiße dokumentiert seit 1980 das Wetter in seiner Heimat
Kühnhaide. Geht es nach Peter Weiße, dann hat Kühnhaide bald einen einzigartigen Werbeslogan: "Höher, schneller, weiter - darum dreht sich heute so viel. Warum sollen die Kühnhaider also nicht sagen können, dass sie im frostigsten bewohnten Ort der Republik wohnen", fragt der Hobby-Meteorologe.
Auf sein Ergebnis ist der Mann, der am Mittwoch seinen 50. Geburtstag feiert, nach der Auswertung der Daten seiner professionellen Wetterstation gekommen. Produziert von Davis Instruments in Texas hat sie, wie der Kühnhaider betont, unter Kollegen einen ausgezeichneten Leumund. Ihr Standort ist mitten im Ort und nicht etwa abgelegen in einer Senke. 2011 registrierte die Station jeden Monat Frosttage. So hatte der Mai 2011 zehn Tage mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, der Juni, Juli und August jeweils einen und der September fünf. "Ich habe das mit einer Vielzahl von Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes verglichen.
Lediglich die Zugspitze verzeichnete ebenfalls in jedem Monat des vergangenen Jahres Minustemperaturen", versichert der Kühnhaider. Allerdings ist die Zugspitze nicht wie sein Heimatort von Menschen bewohnt. Im November 2011 lag sogar das Temperaturminimum mit minus 9,4 Grad Celsius in Kühnhaide tiefer als auf Deutschlands höchstem Berg, wo nur minus 9,0 Grad Celsius registriert worden sind. Die tiefsten Tagestemperaturen, resultierend aus dem Durchschnitt der täglichen Minima im gesamten Jahr 2011, lag in Kühnhaide bei minus 0,7 Grad Celsius. Nur auf der Zugspitze lag dieser Wert mit minus 5,2 Grad Celsius ebenfalls im frostigen Bereich.
Die Temperaturwerte der aktuellen Kälteperiode sprechen ebenfalls für sich. In drei Nächten zwischen dem 3. und dem 6. Februar registrierte Peter Weiße Frost unter minus 30 Grad Celsius: minus 31,4 am Freitag, minus 32,1 am Sonntag und rekordverdächtige minus 34,4 Grad Celsius am Montag.
Wie in den Stationen des Deutschen Wetterdienstes misst er die Werte in zwei Metern Höhe. Dabei kann sich der Kühnhaider durchaus vorstellen, dass es Stellen in seinem Heimatort gibt, die noch kälter sind. Sibirische Temperaturen wie die während der aktuellen Frostperiode sind für Kühnhaide, wie der Fachmann nachweisen kann, keine Seltenheit. Insgesamt elfmal tauchen in den 1980 begonnenen Aufzeichnungen Frosttage mit unter minus 30 Grad Celsius auf.
Das Wetter hat Peter Weiße schon in seiner Kindheit interessiert. Zahlen und Statistiken mochte er ebenfalls schon früh in seinem Leben. "So kam eins zum anderen und ich begann 1980 gemeinsam mit meinem Vater Wolfgang, jeden Tag das Wetter aufzuzeichnen", erklärt der Kühnhaider. 1992 kaufte er sich einen Thermohygrograf. 2007 suchte er nach einer Wetterstation, mit der er Luftdruck, Innen- und Außentemperaturen, Luftfeuchtigkeit, Niederschläge, Sonnenintensität, Windrichtung und Windgeschwindigkeit sowie die Bodentemperatur noch professioneller messen könnte. Nach intensiver Recherche stieß er auf die entsprechende Technik aus den USA.
Derzeit ist Peter Weiße auf der Suche nach jemanden, der ihm behilflich sein könnte, seine Ergebnisse online zu stellen. Gegen einen Besuch von Wetterspezialisten des Deutschen Wetterdienstes hätte er nichts einzuwenden. "Dann könnten sie sich von der Richtigkeit meiner Werte überzeugen", so der Mann aus dem wahrscheinlich frostigsten bewohnten Ort Deutschlands.


