Genau 92 Beton- und 39 Stahlgittermasten, die zum Teil bis zu 18 Meter hoch sind, werden derzeit zwischen Marienberg und Pockau abgebaut. Im Bild zerlegt Volker Glöckner die Eisenbewehrung in den Masten mit dem Schweißgerät.
Foto: Jan Görner
Pockau erneuert Stromnetz - 131 Strommasten verschwinden aus der Landschaft
Mehrere Millionen Euro in Stromnetzausbau investiert
Pockau. Statt neun Kilometer Freileitung zwischen Marienberg und Pockau verbindet nun ein 14,6 Kilometer langes Kabel in der Erde die beiden Umspannwerke in den Ortschaften sowie das Federnwerk Marienberg miteinander. Nach knapp einem Jahr Bauzeit sind die Arbeiten an dem 30-Kilovolt-Kabel abgeschlossen worden. Doch damit ist die Arbeit für die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH, kurz Mitnetz, in Pockau nicht beendet.
"Wir haben im Frühjahr begonnen, die Freileitung abzubauen", sagt Uwe Kramer, Leiter der Netzregion Süd-Sachsen bei der Mitnetz. "Bisher haben wir etwa 45 Prozent geschafft." Bis Ende September sollen 92 Beton- und 39 Stahlgittermasten zwischen Pockau und Marienberg abgebaut und die Fundamente entfernt sein. Nur im Hüttengrund bleibt die Freileitung erhalten, weil das Gelände dort eine Verlegung in die Erde nicht möglich machte.
Allein das Verlegen des Kabels kostet Mitnetz 2,2 Millionen Euro. Da ist der Abbau der Masten mit etwa 450.000 Euro noch nicht eingerechnet. Für die Tochterfirma der Envia ist es eines der größten Projekte im Erzgebirgskreis der vergangenen Jahre. Fördermittel erhält sie nach eigenen Angaben dafür nicht.
Für das Unternehmen ist das die wirtschaftlichste Variante. Die Freileitung, deren Masten bis zu 18 Meter hoch sind, ist Ende der 1960er- Jahre errichtet und seitdem zweimal saniert worden. "Die Leitung hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Und jetzt stand wieder eine Sanierung an", erläutert Uwe Kramer. Zudem sei eine Freileitung bei Sturm und Schnee anfälliger. Kramer schätzt, dass es in den vergangenen Jahren pro Winter etwa dreimal zu Störungen an der Mittelspannungsleitung gekommen sei, die sich daraufhin automatisch abgeschaltet habe. "Das merkt der Kunde in der Regel zwar nicht." Doch kommt es in der Zeit zu einem weiteren Problem, fehlt die wichtige Trasse als Art Rückversicherung.
Die Verlegung des Kabels verlief laut Kramer "relativ reibungslos". Jedoch wurden Hohlräume gefunden, mit denen die Mitnetz nicht gerechnet hatte. "Und bei der Demontage der Freileitung stimmen wir uns natürlich mit den Grundstückseigentümern ab." Vor allem zwei Agrargenossenschaften sind darauf bedacht, dass nach der Aussaat kein schweres Gerät auf den Feldern unterwegs ist.
Dies ist aber nicht das einzige Projekt der Mitnetz in Pockau in den nächsten Jahren. Damit die Landestalsperrenverwaltung das Hochwasserschutzkonzept an der Flöha umsetzen kann, muss Mitnetz im Bereich des Fischereiweges auf rund 600 Metern Länge eine 10-KV-Leitung verlagern. Zudem soll voraussichtlich 2015 die 4,5 Kilometer lange Freileitung zwischen Pockau, Sorgau und Zöblitz durch ein Kabel ersetzt werden. Dabei verschwinden noch einmal rund 60Masten aus der Landschaft. Kosten: knapp eine halbe Million Euro.
Außerdem wird im nächsten Jahr die Trafostation Kirche an der Kreuzung Feldstraße/Siedlungsstraße durch einen kleineren Bau ersetzt. Pockaus Bürgermeister Heiko Friedemann (CDU) freut sich, dass in den neuen Leitungen bei der Leistung eine Reserve eingeplant ist: "Ich hoffe auf den Industrieflächen auf mehr Ansiedlung. Da kann der Netzausbau positiv wirken."
Noch diesen Monat abgeschlossen werden soll die Erneuerung von 4,6 Kilometern Mittelspannungs- und einem Kilometer Niedrigspannungsleitungen im und rund um das Umspannwerk Pockau. Zusammen mit dem Versetzen der Trafostation "Marterbüschel" näher an die B 101 heran hat Mitnetz dafür nochmal 336.000 Euro ausgegeben.

