Die Kohlen von Holger Baldauf auf dem Reukersdorfer Lagerplatz sind angesichts eisiger Temperaturen ein begehrtes Gut.  
Die Kohlen von Holger Baldauf auf dem Reukersdorfer Lagerplatz sind angesichts eisiger Temperaturen ein begehrtes Gut.

Foto: Jan Görner

Sparsamkeit steigert Brikett-Nachfrage

Wer Kohle sparen will, greift zur Kohle

Olbernhau. Kohle gebündelt oder lose, Holz im Sack, Pellets, Holzbriketts und Scheitholz - Holger Baldauf in Olbernhau verkauft feste Brennstoffe. In den vergangenen Jahren ist der Absatz gestiegen. "Wer die Möglichkeit hat, Kohle in den Ofen zu stecken, der nutzt das", sagt der Händler. Der Grund ist für ihn klar: Die gestiegenen Preise bei Öl und Gas.

Vor allem in ländlichen Gebieten, etwa in den Olbernhauer Ortsteilen sowie in Pockau und Zöblitz, und weniger in der Stadt Olbernhau verkauft er die Brennstoffe. Die Kohle sei auch besser als ihr Ruf. "Die Qualität ist besser als früher, da ist kaum noch Dreck drin." Allerdings verkaufe er auch das qualitativ schlechtere Bruchholz: "Das ist halt alles eine Frage des Geldes", weiß er. Holger Baldauf selbst hat sich 1998 eine Gas-Brennwertheizung einbauen lassen. "Aber schon nach ein paar Jahren habe ich angefangen, mithilfe eines Kessels sowie Kohle und Holz zuzuheizen."

Dass seit einigen Jahren auch der Verkauf von Brennholz zugenommen hat, bestätigt Thomas Köhler, beim Sachsenforst in Marienberg zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. "Die Nachfrage ist rapide gestiegen. Sind wir beispielsweise im Wald und schlagen Holz ein, gibt es kurz darauf Anfragen von Bürgern, ob die Reste eingesammelt werden dürfen." Der richtige Ansprechpartner, um sich Holz aus dem Wald zu besorgen, sei der zuständige Revierförster. "Er weiß, wo Bäume gefällt werden dürfen und wo sich Restholz befindet." Köhler verweist jedoch auf bestimmte Bäume, die zwar Totholz darstellten, aber trotzdem nicht gefällt werden dürfen, etwa wenn seltene Vögel in den Wipfeln brüteten. "Diese Bäume sind meist markiert." Köhler selbst heizt nicht mit Holz, sondern profitiert von der bequemen Fernwärme. Doch auch das sei mit Tücken verbunden. "Wenn ein Bagger wie kürzlich in Leipzig das falsche Loch aufbuddelt, kann die Wärme auch plötzlich weg sein."

Auch um solche Notfälle zu vermeiden, lassen sich immer mehr Hausbesitzer einen Kamin einbauen. Bezirksschornsteinfegermeister Mario Lindemann berichtet, dass er in den vergangenen drei, vier Jahren mehr Kamine abnehme als früher. "Sobald die Energielieferanten ihre Preise erhöhen, werden mehr Kamine gebaut, habe ich festgestellt", sagt er. Jede feste Feuerstelle müsse von einem Schornsteinfeger abgenommen werden. "Das ist in der Bauverordnung so geregelt. Auch zur Sicherheit des Betreibers", erläutert Lindemann. Die Kamine würden vor allem mit Holz befeuert, in letzter Zeit gebe es jedoch auch öfter Fragen zum Heizen mit Kohle. Der Grund ist für ihn der Preis. "Lässt man sich den Öltank füllen, wird alles sofort fällig. Bei Kohle oder Holz kann man die benötigte Menge besser bemessen. Das tut finanziell nicht so weh", meint der Fachmann. Lindemann, der etwa in Amtsberg und Gornau tätig ist, sieht aber noch einen anderen Grund für die Vorliebe vieler Menschen für offenes Feuer wie eben beim Kamin. "Evolutionstechnisch gesehen, sind die Menschen am Feuer groß geworden."

Dass diese dann für ein warmes Feuerchen Kohle benötigen, stellt auch Brennstoffhändler Lutz Winkler gerade in diesen kalten Tagen verstärkt fest. Vollgepackt mit Kohle beliefert er mit Lkw von Wilischthal bei Zschopau aus Kunden in einem Umkreis von 30 Kilometern. Erst am Freitag waren es 20 Tonnen und damit dreimal so viel wie sonst. "Die Nachfrage ist in den kalten Tagen sprunghaft gestiegen. Früher haben sich die Menschen auf den Winter vorbereitet. Das ist heute nicht mehr so üblich", sagt er. Seit etwa 2007 werde Kohle wieder häufiger gekauft. Auch er sieht im Preis den Grund und macht eine Rechnung auf: "Eine Familie benötigt etwa 300o Liter Öl pro Jahr. Das sind rund 2600 Euro. Für das Heizen mit Kohle werden um die fünf Tonnen benötigt, das sind bei hochwertigen Briketts etwa 900 Euro."

 
erschienen am 05.02.2012 ( Von Sandra Häfner )
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