Strompreis bleibt bis Jahresende stabil
Die Grundversorger in Marienberg, Olbernhau und Zschopau haben die staatlichen Umlagen ausgleichen können
Marienberg/Zschopau. Der für April und Mai bundesweit befürchtete Anstieg der Strompreise ist im mittleren Erzgebirge so gut wie ausgeblieben. Stromkunden der drei Grundversorger in Marienberg, Olbernhau und Zschopau müssen deshalb kaum mehr an Kosten berappen. Das hat eine Umfrage ergeben.
Übereinstimmend hieß es aus den Unternehmen: Trotz der Mehrkosten für Strom aufgrund gesetzlicher Umlagen konnten diese aufgrund günstiger Einkäufe fast oder gänzlich ausgeglichen werden. Dass es im Internet Portale zum Preisvergleich gibt, wird von den Versorgern mit Blick auf die eigene Geschäftstätigkeit nicht überbewertet und als eine Möglichkeit von vielen angesehen, bei denen Verbraucher einen günstigeren oder den günstigsten Anbieter finden können.
Bei der Energieversorgung Marienberg (EVM) gelten seit dem 1. März 2012 neue Preise, die rund ein Prozent über den bisherigen liegen. "Wir konnten den Strom günstig einkaufen, die staatlichen Abgaben dadurch abfedern und mussten nicht alles an die Kunden durchreichen", sagt Frank Deutschmann, bei EVM für den Vertrieb zuständig. "Ohne die höheren staatlichen Umlagen hätten wir den Strompreis sogar senken können."
Die Stadtwerke Olbernhau haben den Strompreis seit 1. Januar 2011 nicht verändert. "Auswirkungen aufgrund der Wirtschaftskrise sind kaum noch spürbar, die Einkaufsbedingungen günstig und der Einkaufspreis marktgerecht", begründet Geschäftsführer Wolfgang Dobrzynski. "Wir wollen nicht allzu oft an der Schraube drehen und den Strompreis möglichst stabil halten." Bei der Mitteldeutschen Energie AG (EnviaM), dem Grundversorger in Zschopau, wurde der Strompreis zuletzt zum 1. Mai 2011 erhöht. Obwohl seit dem Jahreswechsel 2011/12 im Unternehmen aufgrund der gesetzlichen Umlagen ebenfalls Mehrkosten anfallen, konnten diese mit gesunkenen Beschaffungskosten ausgeglichen werden. Pressesprecher Stefan Buscher: "Dadurch ist es uns möglich, die Strompreise in der Grundversorgung bis mindestens zum Jahresende 2012 stabil zu halten."
Bei der Suche im Internet nach dem günstigsten Stromanbieter ergeben sich, gemessen an den drei Versorgern aus der Region, Sparmöglichkeiten in unterschiedlichen Höhen. Angenommen wird eine Familie mit 4000 Kilowattstunden Verbrauch im Jahr. Beim Klick auf das unabhängige Verbraucherportal Verivox werden für Marienberg 190 Tarife aufgelistet. Im Vergleich mit dem Komplettpreis der EVM ergibt sich an Sparmöglichkeit ein Höchstbetrag von rund 360 Euro im Jahr. Beim Vergleich des EnviaM-Angebotes für Zschopau mit auch 190 Tarifen können ebenfalls rund 360 Euro gespart werden. In Olbernhau ergibt das gegenüber dem Komplettpreis der Stadtwerke bei 156 Tarifen anderer Anbieter rund 395 Euro und Jahr. Der Komplettpreis, den Stromversorger ihren Kunden berechnen, setzt sich aus Arbeitspreis und Grundpreis zusammen.
"Grundversorger wie wir sind beim Strompreis wegen des größeren betrieblichen Aufwandes etwas im Nachteil", räumt Frank Deutschmann ein. Die Anbietersuche birgt nach seinen Worten jedoch auch Risiken. Als Beispiel nennt er die Pleite des Stromversorgers Deltafax. "Dadurch sind auch Kunden zu uns zurückgekommen", so der Vertriebsverantwortliche. "Wir sagen den Kunden so transparent wie möglich, woraus sich der Strompreis zusammensetzt."
Die Stadtwerke Olbernhau verweisen auf ähnliche Erfahrungen wegen der Insolvenz des Stromversorgers Energen Süd und übernahmen für Kunden die Ersatz- beziehungsweise Grundversorgung. "Nach den schlechten Erfahrungen mit derartigen Anbietern ist die Mehrzahl der Betroffenen bei uns geblieben. Sie sind an einer sicheren Versorgung mit Strom interessiert", so Stefan Buscher von EnviaM.

