Florian Beck zeigt das Paraffin, das sich im Dieselfilter des Traktors abgesetzt hat. Solange es nicht stärker schneit, lässt das Unternehmen aus Lauterbach dieses Fahrzeug stehen und nutzt für die Winterdiensttour durch Marienberg und dessen Ortsteile die drei Unimogs.
Foto: Jan Görner
Wenn der Diesel zu Marmelade geliert
Selbst die Winterdienste lässt der andauernde Frost nicht mehr kalt
Marienberg. Matthias Beck lässt seine Traktoren in diesen Tagen lieber stehen. "Da gefriert uns der Diesel sogar während der Fahrt ein. Der wird wie Marmelade", sagt der Geschäftsführer der Beck Landtechnik aus Lauterbach. Mit seinem Team beräumt Matthias Beck rund 90 Kilometer Straßen im Marienberger Stadtgebiet - von Niederlauterstein und Lauta bis nach Reitzenhain und Kühnhaide. "Ein Glück, dass es nicht so viel schneit. Da können wir uns erlauben, die Traktoren nicht einzusetzen", erklärt Beck. Die anderen Fahrzeuge haben eine eingebaute Heizung, die den Motor vorwärmt. "Es ist wichtig, die richtigen Vorkehrungen zu treffen. Wir leben im Erzgebirge, und jetzt ist nun mal Winter."
Das sieht auch Heinz Kempuß so. Er ist beim Bauhof in jener Gemeinde für den Winterdienst zuständig, aus der in diesen Tagen Rekordtemperaturen im Minusbereich vermeldet werden: Deutschneudorf. "Der spezielle Winterdiesel hat uns bisher noch nicht im Stich gelassen. Außerdem stehen unsere Fahrzeuge in der Garage", berichtet Kempuß.
Neben dem Bauhof räumt auch die Firma Kaden aus dem Ortsteil Brüderwiese die Straßen von Deutschneudorf frei. Dort herrschten in den vergangenen Tagen Temperaturen weit unter minus 20 Grad Celsius. "Auch wir haben Zusätze in den Tank gegeben, damit der Diesel geschmeidig bleibt", schildert Inhaberin Astrid Fiedler. "Allerdings muss man das frühzeitig machen. Wenn Minusgrade herrschen, nützt es nicht mehr viel." So gut es möglich ist, werden die sieben Einsatzfahrzeuge nachts in der Werkstatt untergestellt, wo die Heizung derzeit ständig läuft.
Die Firma räumt zum Teil auch die Straßen in Seiffen und Olbernhau. Dort bleiben die Maschinen in dieser Zeit stehen. "Da ist uns schon ab und an mal etwas eingefroren", blickt Astrid Fiedler auf diese und die vergangene Woche zurück. "Doch wir sind jederzeit einsatzbereit und können all unsere Routen fahren", betont sie. "Es bedeutet nur mehr Aufwand für uns, den wir auch zeitlich einkalkulieren müssen." Etwa, wenn sich ein Multicar, der als Ersatzwagen eingesetzt wird, von Deutschneudorf aus auf den Weg nach Olbernhau machen muss, um dort ein anderes Fahrzeug zu ersetzen. "Das holen wir dann in die Werkstatt und lassen es dort auftauen", legt Astrid Fiedler dar. Das Wetter ist für sie nichts Neues: "Voriges Jahr war es hier schon so kalt." Deshalb stehen die Winterdienst-Fahrzeuge auch nicht erst seit diesem Mittwoch in der Halle. "Sondern seit November - eben dann, wenn der Winter losgeht."
Unter freiem Himmel stellt dagegen die Straßenmeisterei Zöblitz die Einsatzfahrzeuge ab. Fließmittel im Diesel helfen, dass dieser bei bis zu minus 31 Grad geschmeidig bleibt. "Wir haben den Vorteil, dass unsere Fahrzeuge fast nicht kalt werden", meint Jens Zienert, Leiter der Straßenmeisterei. "Wir sind von 3 Uhr morgens bis 21 Uhr unterwegs. Und toi, toi, toi - bisher haben wir keine Probleme." Neun Fahrzeuge sind im Dauereinsatz, um 250 Kilometer Straße zu räumen und zu streuen. Erst kürzlich hat die Straßenmeisterei weiteres Salz bestellt, 500 Tonnen wurden vergangene Woche in Zöblitz angeliefert. Jedoch könne das derzeit nicht optimal eingesetzt werden, so Zienert: "Ab minus 12 Grad schafft es das Salz nicht mehr, Schnee und Eis zu tauen." Die Straße werde lediglich abgestumpft. "Doch dass wir bei minus 15 Grad Schneefall haben, kommt auch selten vor."


