Heino und Ute Löwe aus Chemnitz verfolgten in der Wolkensteiner Kunststube von Günther Schmied (links), wie ein Wolkensteiner Löffelohr - ein hölzerner Hase - entsteht.
Foto: Kristian Hahn
Werkbänke von Besuchern umringt
41 Werkstätten und Einrichtungen haben am Sonntag im mittleren Erzgebirge ihre Türen geöffnet
Marienberg/Zschopau. Ob Lichterhäuser, Fußbänke, Bleiverglasungen oder hölzerne Hasen - die Besucher beim Tag des traditionellen Handwerks hatten bei der Vielfalt an Angeboten die Qual der Wahl. Zu den 41 Werkstätten, die im mittleren Erzgebirge daran teilnahmen, zählte die Krumhermersdorfer Maroc Design GmbH. "Der Kunde will heute seinen Tisch und seinen Stuhl. Wir setzen also seine Idee handwerklich um. Dabei kombinieren wir die klassischen Handwerkstechniken mit modernen Maschinen", erläuterte Geschäftsführer Matthias Rochlitzer. Zu Gast in Krumhermersdorf war unter anderem Glasermeister Roger Braun aus Pockau, der zeigte, wie Bleiverglasungen hergestellt werden.
In Wolkenstein lud Günther Schmied zum dritten Mal in seine Kunststube ein. Der gelernte Holzbildhauer zeigte, wie die von ihm entwickelten und hergestellten Wolkensteiner Löffelohren - hölzerne Hasen - entstehen. "Das Handwerk kann und will sich der technischen Entwicklung nicht verschließen. Manche Arbeiten sind mit maschineller Unterstützung einfacher und besser zu erledigen. Man darf nicht den Fehler machen, Tradition mit Rückschritt zu verbinden. Das hat damit nichts zu tuen", meinte er. Ute und Heino Löwe aus Chemnitz zählten zu den Besuchern in seiner Werkstatt. "Wir haben die Hasen von Herrn Schmied in Warmbad zum ersten Mal gesehen und gleich drei davon gekauft. Jetzt wollten wir sehen, wie und wo die Gesellen entstehen. Ich drechsle selbst in meiner Freizeit und interessiere mich auch deshalb sehr", sagte Heino Löwe.
Zum fünften Mal öffnete Drechslermeister Uwe Uhlig in Lengefeld seine Werkstatt und richtete an die Gäste das Angebot, aus mitgebrachten CDs Kreisel herzustellen. "Viele Besucher kommen zum wiederholten Mal. Auch sind viele dabei, die eines meiner Produkte gekauft haben und nun sehen wollen, wie und wo die Miniaturen entstehen. Das Handwerk des Drechselns erlebt im Profibereich aus meiner Sicht gerade eine gewisse Stagnation. Das Traditionelle hat es schwer. Die Ansprüche der Kunden werden immer höher. Diesen versuche ich gerecht zu werden: Handwerk in Perfektion und ungewöhnliche Hölzer in besonderen Produkten vereint - das ist die Zukunft der Drechslerei", meinte der Fachmann.
Am Sonntagabend freute sich Birgit Uhlig, Chefin der gleichnamigen Lichterhäuser-Firma in Olbernhau, über die Resonanz: "Wir hatten wesentlich mehr Besucher als in den Vorjahren. Über 400 auf jeden Fall - wir haben aufgehört zu zählen." Im Prinzip arbeite das Unternehmen noch nach den traditionellen Arbeitsschritten: "Einiges haben wir angepasst, etwa das Stanzen der Kartons für die Gebäude." Eckhardt Roland Müller, der das Erzgebirgsstübchen in Zwickau betreibt, war zum ersten Mal in der Firma: "Ich und natürlich auch die Kunden sind von der Holzkunst und dem Handwerk an sich fasziniert. Den Fertigungsprozess einmal zu sehen, ist sehr gut. So kann ich den Mehrwert, den die Handarbeit mit sich bringt, auch Kunden besser vermitteln."


