In der ehemaligen Schule von Marienberg-Gebirge unterstützen Tamara Kuznezow (links) und Dagmar Zacharias als ehrenamtliche Helfer die Diakonie beim Packen der Warenkörbe.
Foto: Matthias Leipnitz
Zahl der Bedürftigen sinkt nicht
Trotz Wirtschaftsaufschwung werden Nahrungsmittel an Mittellose verteilt
Marienberg/Olbernhau. Wie viele Menschen in Marienberg und Olbernhau auf Lebensmittelspenden angewiesen sind, ist unklar. Es gibt keine genauen Zahlen. Fest steht jedoch, dass etwa 60 bis 80 Bedarfsgemeinschaften wöchentlich das Angebot des Marienberger Warenkorbs im Ortsteil Gebirge annehmen, um sich dort Essen zu holen. Genauso viele Bedürftige gehen in die Einrichtung in Olbernhau.
Hinter einer Bedarfsgemeinschaft steht im besten Fall eine Person. Es könnten aber auch mehr als zehn Erwachsene und Kinder sein, weiß Ehrenfried Lorenz, Bereichsleiter Soziale Dienste des Diakonischen Werkes Marienberg. "Die Zuteilung der Lebensmittelmenge ist daher permanent eine Gratwanderung", verdeutlicht er und hält auch nicht mit seiner Meinung zum deutschen Sozialstaat hinter dem Berg: "Der Staat übernimmt die Grundsicherung für die Bedürftigen. Für mich ist das zu wenig." Und so engagieren er und seine Mitstreiter sich für die Bedürftigen der Gesellschaft - meist Hartz-IV-Empfänger.
Mit jährlich 16.000 Euro bezuschusst die Diakonie die Warenkorb-Einrichtungen in Marienberg und Olbernhau. Bedürftige Bedarfsgemeinschaften können dort auf der Basis eines von der Diakonie ausgestellten Ausweises Warenkörbe für Brot und Brötchen, Joghurt sowie Obst und Gemüse je zum Preis von einem Euro in Empfang nehmen. Einzige Festangestellte und Teilzeitkraft im Warenkorb-System ist Teamleiterin Ina Steinert. Ihr obliegt es, vier Großmärkte in Marienberg, Freiberg und Chemnitz sowie 16 Bäcker "abzuklappern", die drei Transporterfahrer und die fünf bis sechs Ehrenamtlichen je Ausgabestelle zu koordinieren.
"Ja, es stimmt: Der Weg ist nicht kurz, die Ware manchmal zu viel und auch nicht immer in Ordnung", bestätigt die junge Frau, die selbst Harz-IV-Erfahrung hat. Aber nicht wenige Bürger würden die Anonymität der Einrichtung in Gebirge ganz bewusst suchen. Keiner müsse zudem, wenn es wie jetzt Apfelsinen im Überfluss gebe, 30 davon mit nach Hause nehmen. Wohl aber sei dies möglich, wenn gewünscht - "Ziel ist, dass das Lager leer ist, wenn der Ausgabetag zu Ende ist." Und letztlich bekomme die Einrichtung von den Großmärkten naturgemäß Ware, die nicht mehr 100-prozentig in Ordnung sei. Das Personal, diese noch zu sichten und zu sortieren, gebe es aber einfach nicht. Weshalb im Zweifelsfall schon mal zum Messer gegriffen werden müsse, um etwa eine Schadstelle herauszuschneiden. "95 Prozent unserer Kunden sind jedoch zufrieden", weiß sie.
Service
Der Warenkorb in der ehemaligen Schule in Marienberg-Gebirge öffnet freitags, 9.30 bis 12.30 Uhr. Der Olbernhauer im Bürgerzentrum mittwochs von 13 bis 14.30 Uhr.


