Altersdurchschnitt im Erzgebirgskreis liegt bei 47,4 Jahren
Wohngebiete für junge Familien als Trumpf gegen Überalterung
Aue-Schwarzenberg. In der Gemeinde Königswalde scheint ein Jungbrunnen zu entspringen. Wie das Statistische Landesamt mitteilt, leben dort mit einem Durchschnittsalter von 44,0 Jahren die jüngsten Menschen im ganzen Kreis - zur Freude von Ronny Wähner, Gemeinderat (CDU) und stellvertretender Bürgermeister. "Bei uns sind nach der Wende 60 bis 70 Einfamilienhäuser gebaut worden", nennt er einen der Gründe. "Und einige der jungen Familien, die dort wohnen, haben drei oder mehr Kinder." Dies mache sich natürlich in der Statistik bemerkbar. Als weitere Pluspunkte nennt er die gute Tallage sowie die Nähe zur Kreisstadt.
Genau davon profitiert auch die Gemeinde Tannenberg. "In zehn Minuten ist man im Zentrum von Annaberg, in 20 Minuten in Stollberg an der Autobahn", sagt Bürgermeister Christoph Neubert (Bürgerforum). Damit ist der Ort ein attraktiver Wohnstandort und liegt mit einem Durchschnittsalter von 44,6Jahren gut im Rennen. "Wir haben mittlerweile mehr Geburten als Sterbefälle", sagt der Rathauschef.
Wobei der Blick auf die Zahlen tückisch sein kann, räumt Neubert ein. "Viele unserer Senioren ziehen zum Betreuten Wohnen nach Geyer oder Annaberg. Die tauchen dann natürlich bei uns in der Statistik nicht mehr auf."
In Heidersdorf hat man weitere Gründe für den guten Altersdurchschnitt von 44,4Jahren ausgemacht. "Bei uns haben nach der Wende junge Menschen viel Geld in die Sanierung von Häusern gesteckt", sagt Kämmerin Sigrid Schäfer. "Diese Menschen bleiben jetzt natürlich nach Möglichkeit hier."
Am anderen Ende der Liste ist die Freude weniger groß. In Schönheide liegt der Schnitt bei 50,0Jahren. "Da bin ich selbst überrascht", räumt Hauptamtsleiter Jens Mittenzwey ein. "Allerdings gibt es in Schönheide sehr viele Menschen, die zwischen 1921 und 1923 geboren wurden." In dem Ort werden die Menschen alt - was für die Gemeinde spreche. Außerdem müsse man das Pflegeheim einberechnen, durch das ältere Menschen von außerhalb zuziehen.
Die rote Laterne beim Altersdurchschnitt trägt mit 50,4 Jahren Johanngeorgenstadt - was Bürgermeister Holger Hascheck (SPD) nicht wirklich überrascht. "Wir haben von Prinzip die selben Probleme wie ganz Ostdeutschland: Bevölkerungsrückgang, Verlust von Betrieben und vieles mehr. Wegen der abgelegenen Lage an der Grenze potenziert sich hier jedoch alles", erläutert er. Darüber hinaus sieht er jedoch noch ein ganz spezielles Problem. "Wegen des Uranabbaus wurde unsere ganze Altstadt platt gemacht und eine Neustadt gebaut. Dort wohnen die Menschen natürlich zur Miete. Gerade junge Menschen tun sich natürlich sehr viel leichter, hier ihre Zelte abzubrechen, wenn sie kein Wohneigentum besitzen."

