Johanngeorgenstadt aus der Vogelperspektive.
Foto: Stefan Unger
Bergstädter machen Forderungen auf
Johanngeorgenstadt soll mit Bedingungen in die Verhandlungen mit Breitenbrunn gehen
Johanngeorgenstadt. Bürgermeister Holger Hascheck (SPD) war verblüfft, als ihm seine Stadträte am Montagabend Blumen schenkten - zum zehnjährigen Dienstjubiläum, das er selbst vergessen hatte. Die 170 Johanngeorgenstädter, die zur Bürgerversammlung in die Aula der früheren Pestalozzischule geströmt waren, spendeten ihm anhaltenden Applaus. Es war nicht das einzige Signal, dass sie hinter ihrem Stadtchef stehen. Allerdings ist das, was die Johanngeorgenstädter wollen, nicht unbedingt das, was Hascheck und der Stadtrat ihnen geben können.
Die Versammlung war anberaumt worden, damit die Bürger ihre Meinung zu den bevorstehenden Fusionsverhandlungen sagen. Die finanziell angeschlagene Bergstadt muss sich einen Partner suchen. Anderenfalls drohen erhebliche Einschnitte im öffentlichen Leben und im Endeffekt die Zwangsverwaltung, wie Hascheck darlegte.
Den Einwohnern freilich wäre die Eigenständigkeit am liebsten, das zeigten mehrere Wortmeldungen. Auch die sogenannte "große Lösung", ein Zusammenschluss von Orten rund um den Auersberg, also eine Fusion von Johanngeorgenstadt, Eibenstock und Breitenbrunn, würde wohl auf Gegenliebe stoßen.
Zwei Intentionen, die auch die Stadträte teilen. "Mir widerstrebt, was die in Dresden für uns geplant haben", sagte Thomas Röber (Gewerbeverein). Er spielte auf den Druck an, den Innen- und Finanzministerium seit Monaten ausüben. Nach deren Vorstellungen soll sich Johanngeorgenstadt mit Breitenbrunn zusammenschließen. Dabei würden sich die Bergstädter eher Eibenstock als Partner wünschen, wie Jörg Neubert (SPD) erklärte. Auch mit der "großen Lösung" scheinen die Stadträte kein Problem zu haben - nur sei diese in Dresden nicht gewollt.
Eibenstock freilich ist als Partner ausgeschieden. Bürgermeister Uwe Staab (CDU) hatte klare Forderungen aufgemacht, die verhindern sollten, dass die finanziellen Probleme Johanngeorgenstadts - unter anderem ein jährliches Defizit von knapp 600.000 Euro und 9,7 Millionen Euro angehäufte Schulden - zu Einschnitten in Eibenstock führen. Da der Freistaat keine neuen Hilfen zusagte, verabschiedete sich Eibenstock aus den Gesprächen.


