In der Werkstatt von Ursula Graupner aus Pöhla entstehen Schleifen, Blüten und andere modische Accessoires, die als winzige Zierde für Wäsche oder auch in der Spielzeugbranche verwandt werden.
Foto: Lars Rosenkranz
Blüten in allen Farben und Varianten gefragt
Winzige Manufaktur in Pöhla fertigt modische Besätze und Accessoires - Meterweise Taftband wird zu winzigen Schleifen für edle Wäsche
Pöhla. Pöhla. Der aktuelle Modetrend entspricht dem Wunsch vieler Menschen nach Frühling. Denn: "Blüten sind momentan sehr gefragt. Blüten in allen Größen, Farben und in den unterschiedlichsten Varianten", verrät Ursula Graupner. Die 51-Jährige leitet seit nunmehr zehn Jahren das traditionsreiche Familienunternehmen, das einst Gustav Schererz 1870 in Pöhla gegründet hat.
Schon immer waren es Schleifen in allen Größen und Formen, die zur Produktpalette der winzigen Manufaktur gehörten und bis heute gehören. "Dieser Handwerkszweig hat sich im Zuge der Posamentenherstellung mit entwickelt", sagt die Inhaberin. Heute nennt sie ihr Gewerbe "Modische Besätze & Accessoires", und es überrascht schon, in wie vielen Branchen der Wirtschaft ihr schmückendes Beiwerk gefragt ist.
Da ist zum einen der gesamte Bereich der Wäsche - von edler Damenunterwäsche bis hin zur Nachtwäsche. Winzige Schleifen auf Taftband mit Perlen oder Strass zieren Büstenhalter oder Seidenhemdchen. Aber auch an Obertrikotagen und der Kinderbekleidung finden sich solch dekorative "Kleinigkeiten". Doch damit nicht genug. Selbst die "Männelmacher" aus dem Spielzeugland Seiffen klingeln bei Ursula Graupner in Pöhla an. Denn heutzutage hat so mancher Räuchermann einen Schal aus "echtem Stoff" um den Hals oder der hölzerne Osterhase eine Schleife aus Seide unterm Hemdkragen. Gute Kunden der Pöhlaerin sind demnach auch viele Spielzeughersteller. Egal, ob die bekannte Steiff-Teddyfabrik oder die Schneidereien für Puppenkleider. Und selbst an die Verpackungsmittelindustrie wird geliefert: Bänder und Schleifen für Kartons und Präsente.
Die Aufträge kommen aus allen Ecken Deutschlands, aber auch der Schweiz. "Ich habe in Wuppertal einen guten Partner gefunden, der uns und unsere Produkte mit vermittelt und der unser Leistungsvermögen gut kennt. Das funktioniert, denn eine eigene Akquise aufzubauen, würde die Kraft der Manufaktur übersteigen."
So wie früher, beschäftigt Ursula Graupner auch noch heute Heimarbeiterinnen. Denn das Falten und Fixieren der Bänder zu Schleifen und Blüten ist reine Handarbeit. "Handnäherei" wie es fachmännisch heißt. Und tatsächlich sitzen die Frauen daheim mit Schere, Nadel und Faden, um aus den bunten Bändern und Perlen dekorative Rosetten werden zu lassen. "Vor der Wende hatten wir noch 120 Frauen, die in Heimarbeit für uns gearbeitet haben", erzählt die Chefin. Damals hat sie noch Maschinenbau studiert, und die Leitung des angestammten Familienunternehmens lag zu dieser Zeit noch in den Händen ihrer Mutter. Heute sind es zehn Frauen, die in Heimarbeit für die "Schleifenfee", wie sie im Ort liebevoll genannt wird, arbeiten. Dabei ist Heimarbeit durchaus gefragt. Vor allem für Frauen mit kleinen Kindern oder für jene, die Angehörige pflegen.
"Unser großes Plus ist die Qualität und unsere Flexibilität", weiß Ursula Graupner. "Wir können in den gewünschten Stückzahlen, also auch Kleinserien, liefern", hebt sie den Vorteil der Manufaktur hervor.
Manchmal zieht sie sich mit ihrer Musternäherin zu einer kreativen "Spinnstunde" zurück. Dann brüten beide Frauen über neuen Mustern. "Auch das ist einer unserer Vorteile. Wir mustern noch selbst", sagt sie. Darunter zu verstehen ist die Anfertigung von diversen Modellen und Arbeitsproben unter Verwendung neuer Materialien. Voll im Trend liegen derzeit beispielsweise Blüten und Schleifen aus Organza, einem hauchdünnen, fast durchsichtigen Glanzstoff ebenso wie Accessoires aus Federn. Solche Muster werden dann zur Begutachtung an die Auftraggeber geschickt. Manchmal werden von denen im Vorfeld auch Muster mit speziellen Vorgaben abgefragt. Zum Beispiel Schleifen aus Karo-Band.
Der bislang ungewöhnlichste Auftrag für die Firma war eine "Eintrittsplakette" als Anstecker für einen großen Friseurkongress in München. Dazu mussten die Frauen sogar echte Haarsträhnen formen und verarbeiten.


