Nicht nur ein Blickfang, sondern auch ein Vorreiter beim Nutzen erneuerbarer Energie: das Sonnenhaus am Milchbach in Erlabrunn.
Foto: Felix Matuschek
Erstes Sonnenhaus der Region steht am Milchbach in Erlabrunn
Bauplaner und Bauherr wollen Heizung eines Wohngebäudes zu 60 Prozent aus Solarenergie bestreiten
Erlabrunn. Schon als das für Erzgebirgsverhältnisse ungewöhnliche Bauwerk im Wachsen ist, zieht es viele neugierige Blicke auf sich. Erst recht, seit die Gerüste gefallen sind. Grund genug zum Nachfragen. Wovon immer mehr Hauseigentümer träumen, das hat sich ein Häuslebauer in Erlabrunn verwirklicht: Unabhängig zu sein von den ständig steigenden Energiepreisen bei Öl, Gas und Strom - zumindest, was die Heizung seines Gebäudes betrifft. Das Zauberwort, das dem Arzt und seiner Familie jene Unabhängigkeit beschert, heißt Sonnenhaus.
"Mit Zauberei hat das natürlich nichts zu tun, sondern mit dem Ausnutzen der Sonneneinstrahlung. Die ist auch im Erzgebirge so, dass die Rechnung am Ende aufgeht", erklärt Architekt Knut Scheiter. Als am Milchbach in Erlabrunn das erste Sonnenhaus der Region noch im Bau war, gab's dort einen Bauherren-Informationstag, bei dem Scheiter Interessenten alles erläuterte. Die Arztfamilie ist mittlerweile eingezogen - "und bisher funktioniert alles so, wie es soll", wie es die Bauplaner vom Büro Gerd Süß in Erla konzipiert und berechnet hatten.
Zunächst fällt neben der modernen Architektur das nach Süden ausgerichtete Steildach mit der großen Solarkollektorfläche, mehr als 30 Quadratmeter, auf. Im Haus gibt es einen Pufferspeicher, der gut sieben Kubikmeter Wasser fasst und die gesammelte Wärme der Sonne wochenlang speichern kann. Etwa 60 Prozent des Energiebedarfs für Fußbodenheizung und Warmwasserbereitstellung werden so gedeckt.
Fehlen aber immer noch 40 Prozent, trotz der guten, zwölf Zentimeter dicken Wärmedämmung auf dem Ziegelmauerwerk. Und was wird in Zeiten, in denen die Sonne gar nicht oder nur selten scheint? Süß und Scheiter haben den Bauherrn von einem modernen Kaminofeneinsatz überzeugt, mit dem der Pufferspeicher nachheizbar ist. "Der Brennholzbedarf für ein Jahr wird sich bei dem Haus mit 186 Quadratmetern Wohnfläche bei etwa drei Raummetern bewegen", so Scheiter. Für ein "normales" Eigenheim wird mit 20 Raummetern gerechnet.
Über die genauen Investitionskosten schweigen Bauplaner und Bauherr. "Natürlich ist der Aufwand zunächst höher als beim Errichten eines herkömmlichen Hauses", sagt Gerd Süß. "Aber schon in einigen Jahren hat sich das amortisiert - und die Energiepreise steigen weiter." Insofern würde es ihn nicht wundern, wenn auch im Erzgebirge mehr und mehr Sonnenhäuser hinzukämen. Das muss nicht immer ein Neubau sein. Es gibt durchaus Möglichkeiten, auch Altbauten umzurüsten.

