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Seit 500 Jahren erklingt die größte Glocke der Allerheiligenkirche Raschau. Im Zweiten Weltkrieg wäre sie fast eingeschmolzen worden.

Foto: Carsten Wagner

Glocke ertönt seit der Reformation

Vor 500 Jahren wurde die große Glocke der Raschauer Kirche gegossen. Wie durch ein Wunder hat das Bronzegeläut alle Weltkriege überstanden.

Von Klaus Richter
erschienen am 21.04.2017

Raschau-Markersbach. Vor 500 Jahren schlug Martin Luther seine 95 Thesen ans Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg. Auch die große Glocke der Allerheiligenkirche Raschau feiert in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum. Sie wurde im Reformationsjahr 1517 gegossen.

Allerdings ist sie noch eine Zeugin der alten Zeit. Das zeigt sich in ihrer in lateinischer Sprache verfassten Umschrift. Es ist der erste Teil des "Ave Maria": "Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Frauen." Als zweiter Teil steht darauf: "O König der Herrlichkeit, komm mit Frieden."

Der erzgebirgische Heimatforscher Siegfried Sieber vermutete den bekannten Freiberger Glockengießer Hillger als Schöpfer der Glocke. Bei 88 Zentimeter Höhe bringt sie 424 Kilogramm auf die Waage.

Sie ist die größte Glocke des Raschauer Geläuts, das irgendwie nicht so richtig zusammen passt, da es aus ganz unterschiedlichen Zeiten stammt. Die älteste Glocke ist die mittlere, die um 1300 datiert wird. Die kleine Glocke stammt aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts. Möglicherweise ist die große Glocke die einzige, die tatsächlich für Raschau gefertigt wurde. Es ist aber möglich, dass auch sie aus anderen Kirchen oder aus dem Kloster Grünhain stammt. Beim Durchzug der Hussiten 1429 wurden alle Glocken weggenommen. Auch der Durchzug der Holkschen Truppen im Dreißigjährigen Krieg und die Plünderungen im Bauernkrieg hinterließen ihre Spuren.

Nachdem sie die Jahrhunderte in der Kirche ihren Dienst tat, hätte das Geläut im Ersten Weltkrieg fast sein Ende gefunden. Nachdem im Juni 1917 bereits die Anordnung zur Ablieferung der Bronzeglocken gekommen war, bescheinigte der Dresdner Professor Karl Berling als Sachverständiger, dass alle drei Raschauer Glocken von besonderem geschichtlichen und Kunstwert und damit zu erhalten waren. Daraufhin wurde der Ablieferungsbefehl aufgehoben.

Als auch im Zweiten Weltkrieg die Glocken wieder abgeliefert werden sollten, bemühte sich der Kirchenvorstand erneut um die Erhaltung der Glocken. Nach einem ausgedehnten Briefwechsel erhielt man Ende 1941 die Nachricht, dass nur die große Glocke abzuliefern sei, aber zunächst im Sammellager in Hamburg verbleiben sollte. Nach dem Ende des Krieges erhielt man dann Ende 1948 die Nachricht, dass sich die Glocke auf dem Rücktransport nach Sachsen befindet. Sie kam erst ein Jahr später am 15. Dezember in Raschau an. Am ersten Weihnachtsfeiertag erklang sie nach über sieben Jahren zum ersten Mal wieder mit den anderen Glocken.

Neben kleineren Reparaturen waren ab und zu auch größere Arbeiten nötig, damit die Glocken weiter geläutet werden konnten. Im Sommer 1967 gab es eine Besichtigung mit einem Ingenieur der Glockengießerei "Franz Schilling Söhne" aus Apolda. Er stellte fest, dass die Anschlagstellen von den Klöppeln stark ausgeschlagen waren und Sprunggefahr bestand. Ende August 1968 konnten die reparierten Glocken wieder aus Apolda geholt werden und wurden kurz darauf durch die Raschauer Firma F.H. Riedel im neuen Stahlglockenstuhl eingebaut. Erst etwa ein Jahr später ging dann die elektrische Läuteanlage in Betrieb. Die Kosten von knapp 7000 Mark musste die Kirchgemeinde selbst aufbringen.

Die letzte große Sanierung begann Ende 2000. Nach diversen Gutachten entschied man sich für folgende Maßnahmen: Erneuerung des Glockenstuhls in Eichenholzkonstruktion, zur korrekten Ableitung der Glockenkräfte die Verstärkung der Konstruktion des Dachreiters und das Ändern der Läuterichtung in Nord-Süd, dazu das Schließen der Glockenstube mit Schallläden.

Für die Aufhängung im neuen Glockenstuhl waren die Glocken zu restaurieren. Im Glockenschweißwerk Lachenmeyer waren bei den beiden großen Glocken neue Kronen einzuschweißen und bei allen drei Glocken neue Klöppelhängeeisen anzubringen. Die Abnahme der Glocken erfolgte Anfang September 2002. Nach etwa einem halben Jahr konnten sie wieder in Dienst genommen werden. Die Gesamtkosten von knapp 54.000 €Euro wurden zu etwa je einem Drittel durch Fördermittel des Regierungspräsidiums, Zuschüsse des Landeskirchenamtes und Spenden der eigenen Gemeinde gedeckt. So kann das Bronzegeläut noch lange die Menschen zu Gebet, Gottesdienst, Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beerdigungen rufen.

 
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