Steffen Großer, Chef des Hotels "Alte Schleiferei" in Erlabrunn, fiebert der Premiere seines neuen Bieres entgegen.
Foto: Marcel Weidlich
Holunder peppt Erzgebirgs-Hefeweizen auf
Kunos-Brauerei in Erlabrunn setzt Obergäriges an - Premiere für neue Kreation - Erfrischung mit dem Geschmack einheimischer Dolden
Erlabrunn. Erlabrunn. In Kunos kleiner Brauerei, die das Herzstück des Hotels "Alte Schleiferei" in Erlabrunn ist, steht eine Premiere an. Zum Auftakt des dreitägigen Brauereifestes wird dort am Freitagabend das "1. Erlabrunner Weißbier" ausgeschenkt. Bürgermeister Ralf Fischer darf das erste 50-Liter-Fässchen anstechen.
Für Hotelchef und "Braumeister" Steffen Großer ist diese Bier-Premiere mit etwas Lampenfieber verbunden, denn er weiß, dass der eigentliche Biergeschmack der Sachsen mehr auf Pils oder Bockbier abzielt. "Doch Weißbier liegt im Trend, und gerade in diesem bislang heißen Sommer gilt es als der bessere Durstlöscher", bemüht der Gastronom diverse Erfahrungswerte.
Deshalb hat er sich nach den hauseigenen Rezepturen von Pils, Schwarzbier und dunklem Bockbier nun erstmals an ein helles, trübes Weißbier ran getraut. "Die geschmacklichen Vorlieben der Gäste sind regional eben sehr unterschiedlich. In Bayern liebt man das Weißbier, das Hefeweizen", so Großer. "Und genau darin steckt der Unterschied. Das Weißbier ist ein Weizenbier und ist ein obergäriges Bier", verrät er dem Laien den feinen Unterschied.
"Beim Weißbier wird eine andere Hefe verwendet und auch der Gärprozess ist etwas anders", versucht er zu erklären - ohne jedoch die feinen Nuancen der neuen Rezeptur im Detail preiszugeben. In dieser Beziehung ist jeder Brauer etwas eigen. Doch keinen Hehl macht der Hotelchef um sein Wissen über die Güte eines solchen Bieres. "Bierhefe ist wirklich ungemein gesund. Sie hat über 800 wertvolle Inhaltsstoffe, darunter alle wichtigen B-Vitamine sowie Folsäure", erklärt er. Und da ein Weiß- sprich Weizenbier nicht gefiltert wird, blieben all diese guten Stoffe auch drin. "Man kann auch sagen: Das Bier ist natürlich frisch, es lebt", so Großer.
Der große Messing-Kessel, im Fachjargon auch Sudwerk genannt, fasst 10 Hektoliter (1000 Liter). Und die Herstellungszeit für ein Weißbier liegt bei zwei bis drei Wochen, ergänzt der Fachmann, der auch diesmal im Vorfeld den Braumeister der Fiedler-Brauerei zurate gezogen hat. Beide haben es abgeschmeckt und sind zufrieden mit dem fertigen Gebräu, das nur noch auf den offiziellen Anstich wartet.
"Aber noch läuft wirklich keins aus dem Bierhahn", versichert der Hotelchef. Das Debüt ist am Freitag, da bleibt er eisern. Lediglich eine winzige Kostprobe für die Presse zapft er ab, um noch die sommerliche, frische und regionstypische Spezialmischung zu präsentieren. Denn beim zweiten Gaumenkitzel wird das "kühle Blonde" noch mit selbst gemachten Holunderblütensirup aufgepeppt.
"Diese wachsen bei uns doch buchstäblich vor der Haustür. Wir wären ja dumm, das nicht zu nutzen", meint der Wirt und kennt die Trends. Gerade junge Leute oder auch Radfahrer genießen zurzeit mit Vorliebe solch fruchtige Mischungen, was ein Blick in die Supermarktregale unschwer zeigt. Doch diese werden im Unterschied zu Kunos-Bieren pasteurisiert und sind überall zu haben. Das "1. Erlabrunner Weißbier" hingegen nur in Erlabrunn.


