Imker Lutz Blechschmidt - hier mit Sohn Oskar - macht sich Sorgen wegen des unerklärlichen Verschwindens der Bienen. Imker Lutz Blechschmidt - hier mit Sohn Oskar - macht sich Sorgen wegen des unerklärlichen Verschwindens der Bienen.

Foto: Carsten Wagner

Imker sorgt sich um Bienen

Lutz Blechschmidt hat in diesem Frühjahr 13 Bienenvölker verloren

Bermsgrün. tirbt die Biene, stirbt der Mensch: Dieses Zitat bemüht Imker Lutz Blechschmidt immer, wenn es um die aktuelle Lage im Erzgebirge geht. Die Wissenschaft gibt dem Bermsgrüner zumindest teilweise Recht. Bienen sind sensible Wesen. Im Freistaat arbeiten sie sogar als "Umweltpolizei". So dienen sie am Flughafen Dresden zum Biomonitoring, sollen Experten Aufschluss über die Schadstoffbelastung geben.

Glaubt man Blechschmidt, ist die Bienen-Welt im Erzgebirge aus dem Lot geraten. "Mein Vater war Imker, ich bin es - doch so etwas habe ich noch nie erlebt", sagt er und weiß, dass das andere Imker ähnlich sehen. "Vielen fällt auf, dass in ihren Gärten heuer keine Biene summt", sagt Blechschmidt, den die meisten als "Honig Walter" kennen. Ein besorgniserregendes Phänomen: "Die Bienen sind spurlos verschwunden." Mit der Milbe habe das nichts zu tun. "Damit kamen wir immer zurecht. Ich half mir da jahrelang mit Thymian." Zudem sei die Milbe gut nachweisbar, durch Löcher im Brutnest, die sie im Stock hinterlässt.

Für das Verschwinden der Bienen hat der Bermsgrüner daher nur eine Erklärung: Die Insekten werden vergiftet. Die großen gelben Felder sind für ihn ein Teil des Rätsels Lösung. "Raps und Mais - Monokulturen, wohin das Auge reicht", so der Imker und schiebt provokant hinterher: "Es gibt kaum noch Raps, der nicht genverändert ist. Die Pflanzen bestäuben sich selbst." Ein weiteres Problem sei der unkontrollierte Einsatz von Beizmitteln und Pestiziden. Laut Blechschmidt fliegen sich die Bienen sozusagen leer - und kehren deshalb nicht mehr in den Stock zurück. "Wie aber soll ich das nachweisen?" Er ist ratlos.

Nach der Rapsblüte verschiebe sich das Problem. Dann haben es die summenden Sammler schwer, Nahrung zu finden. Wiesen werden vielerorts gestutzt, die Blüten damit zerstört. Der im Frühjahr entstandene Schaden sei enorm, lasse sich derzeit gar nicht genau beziffern. "Es geht aber nicht nur um das Finanzielle. Für mich ist das alles sehr erschreckend. Ich frage mich, was ich meinem Sohn mal sage, wenn er mich fragt, warum ich nichts dagegen getan habe", so Blechschmidt. Filius Oskar wurde jüngst ein Jahr alt. Sein Vater betreibt Schadensbegrenzung, indem er Bienenvölker nachkauft. "Ob das Erfolg bringt, muss sich zeigen", so der Erzgebirger, den die Rat- und Sprachlosigkeit in den Ämtern ärgert. "Es bringt wenig, das Ganze anzuzeigen."

Jutta Leonhardt, Pressesprecherin in der Landkreisverwaltung, erklärt: "Das unerklärliche Bienensterben, das mit Kahlfliegen der Völker einhergeht, ist bisher nur einmal angezeigt worden." Bienenvergiftungen kläre das Braunschweiger Julius-Kühn-Institut, wo es eine spezielle Abteilung gibt. "In Sachsen ist das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Referat 35 Kontrolldienst pflanzlicher Bereich, zuständig." Dennoch nehme man das Bienensterben ernst. Das Amt könne aber nur bei einem Faulbrutausbruch, also im Seuchenfall, eingreifen. Aber man stehe Imkern jederzeit beratend zur Seite.

 
erschienen am 15.06.2012 ( Von Katja Lippmann-Wagner )
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