Die Kompanie "Scoiattoli Neri" - das heißt "Schwarzes Eichhörnchen" - schlug mit Rittern, Knappen und Burgfräuleins ihr Lager in Grünhain auf.
Foto: Anna Neef
Klosterfest in Grünhain: Spielleute und Gaukler hauchen historischer Stätte Leben ein
Besucher tauchten mit Rittern und Fakiren ins Mittelalter ein
Grünhain. Gleichmäßig dreht sich die Schweinshaxe am Spieß überm Grill. Bestimmt ist der Schmaus für die Tafelrunde des Bürgermeisters beim 32. Klosterfest in Grünhain. Gisela Fritzsch pinselt das Fleisch mit Marinade ein. "Als Kulturtante muss man eben alles können", sagt sie und lacht. Überall, wo es bei dem dreitägigen Spektakel brennt und eine helfende Hand nötig ist, packt die Kulturverantwortliche der Stadt mit an. "Es läuft gut", so Fritzsch am frühen Samstagnachmittag. Da bildet sich ein erster Stau am Einlass.
"So ist der Erzgebirger eben: Erst wird daheim Mittag gegessen, dann geht's aufs Fest", so Gisela Fritzsch schmunzelnd. Der Freitag sei ruhig gewesen. "Fußball-EM." Die Schausteller wie Ritter, Burgfräuleins, Fakire, Gaukler, Musiker und Handwerker nutzten den Abend zum Warmwerden. Mit der Ruhe ist es am Samstag vorbei: Hunderte strömen ins Gelände des 1235 gegründeten Klosters.
Das Mittelalter-Konzept passt zu diesem Ort wie kein anderes, findet auch Gastgeber und Bürgermeister Joachim Rudler. "Das Areal ist unschlagbar. Für ein historisches Thema ohnehin", so der Stadtchef, der in schwarzer Robe den Amtmann gibt. Ihm tun es andere gleich: Viele tragen epochengemäße Kleider. Etwa André und Ilona Diener sowie Nadine Da Silva. Das Trio aus Meerane kennt sich aus. "Wir sind Mittelalter-Fans, kommen da viel herum", sagt André. Und die Grünhainer Premiere? "Gelungen. Das Gelände passt toll. Bis auf zu wenige Toiletten gibt es nichts zu meckern."
Ritter hadern mit Schützen
Bei Jörg Horbach dauert es eine Weile, ehe sein Zorn verfliegt. "Bei unserer Vorstellung ist uns der Schützenumzug in die Parade gelaufen. Das passt nicht zum Mittelalterfest", so der junge Mann, der als Jörg von Wettinstein zum Lager der "Scoiattoli Neri" gehört. Rund zehn Märkte gestaltet der Verein pro Jahr mit. Die Mitglieder treten als Knappen und Ritter auf, liefern sich Kämpfe um Ruhm und Ehre. Die schimmernden Rüstungen aus Schwarzblech benötigen viel Pflege. "Elsterglanz ist das Zaubermittel", so René Templin alias Anselm von Templin. Abgesehen von der Sache mit den Schützen fühle sich die Truppe wohl. "Tolles Gelände, viele Besucher", sagt Bernd Weiß alias Wenzel von Sturza.
Gebannt verfolgt Marcel Geist den Auftritt des Fakirs, der weder Feuer, Scherben noch Nagelkissen scheut. "Wir sind begeistert. Überall gibt's etwas zu entdecken", sagt der Bermsgrüner. Zum 100 Jahre alten Karussell führt der erste Weg einer Beierfelder Familie. "Das Fest ist gut gemacht. Und das Märchenhafte des Mittelalters kommt rüber", so An-dreas Bretschneider. Am Fuchsturm zieht der Frettchenzirkus von Fried Wandel Steppkes magisch an. Sechs der putzigen Tierchen wirbelt der weißhaarige Vollbartträger umher. Mutige gehen mit den Nagern auf Tuchfühlung. Wandel freut's: "Das Publikum ist sehr interessiert."
"Unbedingt am Ball bleiben"
Zwar kommt der Zeitplan insgesamt ein wenig ins Rutschen. Auch Licht und Ton auf der Bühne sind beim nächtlichen Tavernenspiel zu spärlich. Aber alles in allem, findet auch das Szene-Trio aus Meerane, schreit das Ganze nach einer Fortsetzung. "Die Veranstalter sollten unbedingt am Ball bleiben. Das war schon mal ein super Auftakt", so André Diener.

