Das Absperrband markiert den Fundort der Babyleiche bei Rothau (Rotava). Gegenüber hielt am 1. Juni ein Pkw mit deutschem Kennzeichen. 
Das Absperrband markiert den Fundort der Babyleiche bei Rothau (Rotava). Gegenüber hielt am 1. Juni ein Pkw mit deutschem Kennzeichen.

Foto: Polizei

Neues Täterprofil im Fall der toten Babys von Schwarzenberg und Rotava

Warum brachte eine Mutter innerhalb von 17 Monaten zwei Neugeborene um?

Zwickau. "Im Schwarzenberger Fall waren wir fast am Ende. Wir haben zuletzt nach eine Stecknadel im Heuhaufen gesucht. Manchmal dachte ich dabei, wir suchen im falschen Heuhaufen. Jetzt bietet sich uns eine neue Chance." Der Mann, der das gestern in Zwickau vor einem Heer von Journalisten - darunter auch ein Fernsehteam aus Prag - eingestand, ist Michael Mundt. Seit eineinhalb Jahren macht der Kriminalist nichts anderes, als sich mit dem toten Baby in einem Altkleidercontainer in Schwarzenberg zu befassen. Einmal sagte er resigniert: "Es würde mich nicht wundern, wenn wir noch ein Kind finden." 17 Monate nach dem ersten Baby bestätigte sich sein siebter Sinn.

Seit ein zweites totes Neugeborenes am 2. Juni, etwa 50 Kilometer entfernt vom ersten Tatort, in Rotava (Böhmen) entdeckt wurde, ist das Team um Michael Mundt wieder auf sieben Kriminalisten aufgestockt worden. Denn die toten Kinder sind Brüder, wie ein DNA-Vergleich zeigte. "Immer, wenn es neue Erkenntnisse gibt, werden die per E-Mail den parallel ermittelnden Kollegen in Karlsbad (Karlovy Vary) mitgeteilt und umgekehrt", beschrieb Mundt gestern die Zusammenarbeit. So wissen die hiesigen Ermittler inzwischen, dass der Junge in Böhmen am 31. Mai oder 1. Juni getötet wurde. Am 30. Mai war der Straßengraben samt Randstreifen zuletzt gemäht worden, da lag noch kein Kind drin. Am 1. Juni sah morgens eine tschechische Autofahrerin einen Pkw dort parken und einen Mann am Straßenrand stehen, genau an jener Stelle, an der tags darauf Passanten den nackten Jungen fanden. Das Neugeborene soll gesäubert gewesen sein. Ob es, ebenso wie das Kind in Schwarzenberg, nach der Geburt erstickt wurde, sei noch unklar, so der Ermittler. Auf jedem Fall habe es bei der Geburt Nikotin eingeatmet, heißt es im Obduktionsbericht.

Zu dem Mann am Straßenrand, auf den die Ermittlungen wegen des Verdachts der Mittäterschaft nun ausgeweitet werden, gab die Zeugin an, er sei etwa 1,80 Meter groß und zwischen 30 und 40 Jahre alt gewesen. Er trug blaue Jeans und eine dunkle Jacke. Von der Erscheinung her habe er gepflegt gewirkt. Da sich die Zeugin mehr auf das Auto als auf den Mann konzentriert habe, sei es nicht möglich, ein Phantombild zu erstellen, bedauert Mundt.

66 niedergelassene Gynäkologen und Hebammen sowie 28 Krankenhäuser wurden nach dem Fund des zweiten Kindes angeschrieben, ob sie Hinweise zu einer schwangeren Frau haben, die später nie mit einem Kind gesehen wurde. Eine solche Bitte um Mithilfe hatte es schon Anfang 2011 gegeben, aber nur im Altkreis Aue-Schwarzenberg. Nun wurden auch das Vogtland, der Landkreis Zwickau und der gesamte Erzgebirgskreis in diese Anfrage einbezogen. Zwei Drittel der Einrichtungen hätten bisher geantwortet, ein entscheidender Tipp sei nicht dabei gewesen. Sicher sind sich die Kriminalisten auch, dass der Kindesvater zumindest bei der "Beseitigung" der Leiche geholfen hat. "Vielleicht waren wir ihm und der Kindesmutter schon so dicht auf den Fersen, dass sie das zweite Kind nach Tschechien gebracht haben, um eine falsche Spur zu legen", vermutet Mundt. Die Kriminalpolizei, die im Schwarzenberger Fall lange vermutet hatte, dass die Kindesmutter ihre Schwangerschaft bis zum Schluss verdrängt und dann nach der Geburt in hilfloser Lage das Kind getötet und beseitigt hat, glaubt inzwischen, dass es sich vielmehr um eine verheimlichte Schwangerschaft handelte, die die Frau also vor anderen verbergen wollte. In beiden Fällen seien die Kinder vermutlich gezielt getötet worden und sei wohl beabsichtigt gewesen, dass jemand die Babys findet, damit sie beerdigt werden.

Das Landeskriminalamt Sachsen soll nun ein neues Täterprofil von der Mutter erstellen. Nicht ausgeschlossen werde auch, dass es sich um einen Inzest-Fall, also eine Vater-Tochter-Beziehung handelt. "Wir haben zwar noch keine Anhaltspunkte dafür, aber rein theoretisch ist auch das eine Version", meint der Kripo-Mann. 5000 Euro Belohnung sind für entscheidende Hinweise zur Kindesmutter oder dem Vater ausgesetzt. Mundt: "Vielleicht melden sich ja jetzt doch noch Leute, die bislang Bedenken hatten."

 
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Neues Täterprofil im Fall der toten Babys von Schwarzenberg und Rotava
Thesen und Fragen der Kripo
 
erschienen am 15.08.2012 ( Von Gabi Thieme )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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