Manfred Meyer (links), Bürgermeister von Raschau-Markersbach, übernahm vom langjährigen Ortschronisten Siegfried Hübschmann das in Jahrzehnten gesammelte und gut geordnete Material zur Ortsgeschichte.
Foto: Frank Nestler
Ortschronist übergibt gesammelte Werke an die Gemeinde
Es gibt kaum etwas über Raschau, was Siegfried Hübschmann nicht weiß
Raschau-Markersbach. Das ist ein Lebenswerk: 433 Schnellhefter mit insgesamt 13.047 Blättern. 145 Ordner, zwischen deren Deckeln neben 16.268 Blättern auch 6192 Fotos zu finden sind. 18 Kästen voller Dias. 142 Kopien von Dokumenten aus Archiven. Dazu Broschüren aus alter Zeit, Mineralien aus der Raschauer Gegend. All das steht und liegt nun im Rathaus in Raschau, wohlverwahrt im Chronikzimmer, das diesen Namen wahrlich verdient.
Dass die Gemeinde Raschau-Markersbach einen so umfangreichen heimatgeschichtlichen Fundus ihr Eigen nennen kann, ist Siegfried Hübschmann zu verdanken. "Gut, dass jetzt bis auf vorläufig noch private Unterlagen alles in der Obhut der Kommune ist", so der 82-Jährige. Seit 1972 hatte er als Ortschronist in Raschau gewirkt, war als Lehrer und stellvertretender Leiter der Betriebssportgemeinschaft aber schon zuvor an Heimatgeschichte interessiert.
Ausdauernd und hartnäckig hat er zunächst zusammengetragen, danach sachkundig und akribisch sortiert und aufbewahrt, was das Leben im Ort in all seinen Facetten ausmacht. Bürgermeister Manfred Meyer ist fasziniert. "Eine immense Leistung! Wir sind froh, dank des jahrzehntelangen ehrenamtlichen Wirkens von Siegfried Hübschmann eine solch hervorragende Grundlage für eine Ortschronik zu haben."
Das Material berührt in der Tat alle Lebensbereiche, "es ist aber keine Ortsgeschichte. Noch nicht. Dazu müssen es erst noch Historiker mit dem erforderlichen zeitlichen Abstand bewerten", sagt Hübschmann. Offiziell hat er sein Ehrenamt als Ortschronist am 31. Dezember 2009 beendet. Inoffiziell hat er mit einer Lose-Blatt-Sammlung seither jedoch weitergemacht. Denn: Es gibt noch immer keinen Nachfolger. "Was von Anfang 2010 bis jetzt ortsgeschichtlich von Interesse ist, füllt schon wieder fünf Ordner. Die stehen auch bereits im Chronikzimmer, ihr Inhalt muss allerdings noch gesichtet und richtig zugeordnet werden."
Siegfried Hübschmann kennt die Region wie seine Westentasche, die Leute kennen ihn. Zum Beispiel aus der Zeit, als er 1978 alle (!) Häuser in Raschau, 1985 alle in Langenberg fotografierte und mit einer kurzen Hausgeschichte dokumentierte. Zu lesen und zu sehen auf 437 Seiten in vier Ordnern im Chronikzimmer. Ein Gesamt-Inhaltsverzeichnis erleichtert den Umgang mit den Beständen ungemein. Ansätze für die weitere Arbeit gibt es genug. "Zum Beispiel die Schulgeschichte müsste genau aufgearbeitet werden", so der vielseitig interessierte Senior, der stets auch heimatkundlich forschte. 53 druckreife Beiträge hat er noch zu Hause, außerdem 124 Aufsätze "Aus alter Zeit" - und eine Sammlung mit 179 Ansichtskarten von Raschau.

