Feuerwehrleute machen einen Verletzten transportfertig. Feuerwehrleute machen einen Verletzten transportfertig.

Foto: Marcel Weidlich

Retter bestehen Feuertaufe der besonderen Art

170 Einsatzkräfte proben in der Kaverne des Pumpspeicherkraftwerks Markersbach den Ernstfall

Markersbach. Markersbach. Es ist Freitagabend, 19.18 Uhr. Der Alarm wird ausgelöst, die Übung beginnt. Annahme: Nach einer Explosion in der Kaverne am Unterbecken des Pumpspeicherkraftwerks (PSW) Markersbach lodert ein Ölbrand im Bergesinneren, in dem elf verletzte Personen vermutet werden.

Das Training macht Sinn

Nach nur acht Minuten rollen die ersten Rettungskräfte vor dem riesigen Tor an. Weitere folgen in kurzen Abständen, bis rund 170 Helfer von sieben Feuerwehren, drei Bergwachten sowie Sanitäter, Notärzte und 23 Aktive der Schnelleinsatzgruppe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Aue-Schwarzenberg am vermeintlichen Unfallort eintreffen. Schaulustige lassen nicht lange auf sich warten. Das Szenario erregt Aufsehen - und ist zum Glück nur eine Übung.

"Es wird hoffentlich nie der Ernstfall sein", sagt Kraftwerksleiter Eberhard Kummer. Das Training macht jedoch Sinn. Immerhin gehört das Vattenfall-Werk in Markersbach mit einer Leistung von 1050 Megawatt zu den größten Wasserkraftanlagen dieser Art in Europa - und stellt aufgrund seiner speziellen Beschaffenheit über mehrere Etagen hinweg für Helfer im Notfall eine enorme Herausforderung dar. "Wir haben neue und moderne Technik eingebaut, um im Ernstfall Besucher und Mitarbeiter so schnell wie möglich herausholen zu können. Mit dieser Übung testen wir, wie dieses System und somit die neue Rettungskette funktioniert", erklärt Eberhard Kummer.

Allein die Zufahrt zum Unglücksort erweist sich als logistische Meisterleistung. Da wären die ein Kilometer lange Anfahrt durch den Röhrengang zum Kaverneneingang und die Enge im Berg: Nur eine begrenzte Zahl großer Löschfahrzeuge hat direkt vor Ort Platz und Wendemöglichkeiten. Der Transport "Verletzter" erfolgt deshalb auch beim Probelauf am Freitag mit kleineren Bussen.

Zügig, aber nicht hektisch

20 Mitglieder der Bergwachten Carlsfeld, Rittersgrün und Johanngeorgenstadt packen bei den Bergungsarbeiten mit an. Zuletzt simulieren Feuerwehrleute noch das Löschen des Ölbrands mit Schaum. Das Tempo der Rettungskräfte während des ganzen Prozedere: zügig, aber keinesfalls hektisch. Denn jeder Schritt will genau überlegt sein, um folgenschwere Fehler zu vermeiden.

Das gilt auch für die Helfer vor dem Kavernentor. In Windeseile bauen die 23 Aktiven der Schnelleinsatzgruppe (SEG) des DRK Aue-Schwarzenberg ein Versorgungszelt samt Inventar auf. Die SEG ist eine Einheit mit Bereitschaftsdiensten in Bernsbach, Beierfeld, Lößnitz und Aue. "Ab sieben Verletzten werden wir mit alarmiert, stellen das Bindeglied zwischen Rettungsdienst und Katastrophenschutz dar", sagt Bereitschaftsleiter Sven Strischik. So rückte die SEG erst jüngst zweimal mit nach Lauter aus: zur Betreuung der Opfer des tragischen Busunfalls und zum Brand in einem Getränkehandel.

"Bei Löscharbeiten muss zur Sicherheit der Feuerwehrleute ein Rettungswagen da bleiben, falls etwas passiert. Diese Aufgabe übernehmen wir bisweilen, damit die Sanitäter schnell wieder in die reguläre Bereitschaft wechseln können" erklärt Strischik. Aus seiner Sicht hat bei der Spezialübung in Markersbach das Zusammenspiel der verschiedenen Einsatzgruppen gut funktioniert.

Detaillierte Auswertung folgt

"Der Testlauf ist wegen der Neuerungen im Werk und des ungewöhnlichen Einsatzorts sehr sinnvoll", sagt Lutz Lorenz, 1. Stellvertreter des Kreisbrandmeisters. Die Feuerwehren aus Scheibenberg, Crottendorf, Walthersdorf, Grünstädtel, Beierfeld, Raschau-Markersbach und Schwarzenberg haben nun ihre "Feuertaufe" weg. Laut Kraftwerksleiter Kummer folgt Mitte November eine genaue Auswertung: "Um alle Fehler auszumerzen und für höchste Sicherheit sorgen zu können."

 
erschienen am 25.10.2010 ( Von Anna Neef )
 
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