Die Grabstelle am Mittwoch. Am 4. März vergangenen Jahres wurde Max auf dem Zentralfriedhof in Schwarzenberg bestattet.
Foto: Marcel Weidlich/publicpix
Schwarzenberg: Mutter des toten Babys noch immer nicht gefasst
Vor einem Jahr wurde ein Neugeborenes in einen Altkleidercontainer geworfen
Zwickau/Schwarzenberg. Es geschieht an einem frostigen Tag zwischen dem 10. und 14. Januar 2011. In der Anonymität einer Plattenbausiedlung begibt sich eine junge Frau mit einer verschnürten Plastiktüte zu einem Altkleidercontainer im Schwarzenberger Stadtteil Sonnenleithe. Wer den Container auf dem großen Parkplatz vor dem Frischemarkt nicht kennt, dürfte ihn kaum finden. Keine Durchgangsstraße führt hier entlang. An anderen, übersichtlicheren Stellen in dem Wohnviertel stehen ebenfalls solche Kleidercontainer. Die Frau steuert aber ausgerechnet diesen an. Die schwere Stahlklappe verschlingt ihre Tüte samt Inhalt. Zeugen gibt es nicht.
Am 19. Januar leert ein Mitarbeiter einer Entsorgungsfirma den Container. Wie immer prüft er, ob in den Beuteln nicht etwa Hausmüll entsorgt wird. Die Plastiktüte mit dem aufgedruckten bunten Weihnachtsmotiv macht ihn stutzig. Sie ist irgendwie zu schwer. Der Mann öffnet sie und erschauert: Statt ausrangierter Kleidung findet er einen Säugling samt Nabelschnur und Plazenta. Die Polizei rückt mit einem Großaufgebot an, sperrt den Fundort ab, lässt das gefrorene Baby ins rechtsmedizinische Institut bringen und beschlagnahmt den Container.
Eine Sonderkommission mit 21 Ermittlern wird gebildet. Denn rasch ist klar, dass es sich um ein Tötungsdelikt handelt: Das gefundene Baby hat bei der Geburt gelebt und wurde danach offenbar erstickt.
Von Anfang an arbeitet Michael Mundt in der Soko. Der 47-jährige Kriminalhauptkommissar ist bis heute mit dem Fall befasst, obwohl die Soko mittlerweile aufgelöst ist. 60 Aktenordner existieren in der Mordkommission der Polizeidirektion Südwestsachsen in Zwickau mittlerweile zu dem Tötungsdelikt. Alle heißen Spuren darin haben sich zerschlagen. Dabei gibt es anfangs so viel Hoffnung.
Schon am 25. Januar erhalten die Ermittler von Bürgern aus Sonnenleithe erste Hinweise auf eine junge Frau. "Alles schien zu passen. Den Zeugen war bereits im Sommer ihr Bäuchlein aufgefallen. Die Frau weigert sich, eine Speichelprobe abzugeben", berichtet Mundt. Am 4. Februar wird nach richterlichem Beschluss ihre Wohnung durchsucht. Da stimmt sie schließlich auch dem Speicheltest zu. Nach sechs Stunden hat das Landeskriminalamt ihre DNA ermittelt: Sie passt nicht zu der des toten Babys.


