Steffen Meixner (vorn links) mit einer Gruppe aus Halle und Berlin auf dem Weg von Johanngeorgenstadt nach Horní Blatná (Platten). Von da aus geht es abwärts ins Egertal. Ehrensache, dass der steile Rückweg nicht mit der Bahn bestritten wird, wie bei normalen Radwanderern. Diese Touristen machen Urlaub, um zu trainieren.
Foto: Privat
Steffen Meixner aus Johanngeorgenstadt ist Spezialist für Radsport-Urlaub
Sportler zeigt Touristen die schönsten Touren
Johanngeorgenstadt. Auf dem Tisch liegen zwei vergilbte Fotos in Schwarz-weiß. Das eine zeigt Täve Schur, die ostdeutsche Radsport-Legende, auf dem Weg zum höchsten Punkt in Johanngeorgenstadt. Auf dem anderen Bild ist Heinz-Florian Oertel zu sehen, der nicht minder bekannte Rundfunkreporter, der damals hier, in 892 Metern Höhe, eine Bergwertung der Internationalen Friedensfahrt kommentierte. Ende der 1950er-Jahre war das. Ein heute fast vergessenes Ereignis.
Aber nicht bei Steffen Meixner. Der Inhaber der Pension Edelweiß in Johanngeorgenstadt kennt alle Orte im Erzgebirge, an denen auf Rennrädern Geschichte geschrieben wurde, und seien es nur unbedeutende Kapitel. Der steilste Berg, der längste Anstieg, berühmte Etappen ... Steffen Meixner, der pro Jahr 50-mal auf den Fichtelberg radelt, bloß um in Form zu bleiben, ist ein Radsportverrückter. Und er hat aus seiner Leidenschaft einen Beruf gemacht. Seine Pension ist auf Urlaub für Radsportler spezialisiert. Er empfängt zwar auch normale Touristen, aber in Radsportkreisen ist sein Haus heute deutschlandweit bekannt.
Abends gehen historische Fotografien, wie die mit Täve Schur und Heinz-Florian Oertel, reihum. "Wir reden dann über dieses ganze alte Zeug und fühlen uns in der Zeit zurückversetzt", sagt Meixner. Richtig ernst wird es am Morgen, wenn der 45-Jährige mit seinen Gästen zu 100-Kilometer-Touren aufbricht. Etwa zum Lämpelberg bei Klingenthal, wo sich einst die Friedensfahrer aufwärts quälten: Ein Kilometer mit 20 Prozent Steigung. Die alten Profis brauchten dafür etwa neun Minuten, ein Freizeit-Radsportler von heute, dem es ernst mit seinem Hobby ist, schafft es in elf.
"Radsport-Urlauber suchen nicht die Plätze mit der schönen Aussicht, obwohl wir natürlich auch an denen vorbeikommen", sagt Steffen Meixner. "Sie suchen die Herausforderung." Der 45-Jährige weiß, wo sie zu finden ist. Wenn nicht am Lämpelberg, dann vielleicht in Oberwiesenthal, wo Jan Ullrich vor sieben Jahren bei der Deutschlandtour in zwölf Minuten vom Marktplatz bis auf die Spitze des Fichtelbergs fuhr. Seine Gäste, sagt Meixner, schaffen es manchmal in 17 Minuten.
Der Berg im Erzgebirge, der nach Ansicht des Sportwirtes die größte Herausforderung darstellt, ist der Anstieg von Perštejn nach Horní Halže in Tschechien, einst eine Friedensfahrtstrecke. Auf sechs Kilometern überwindet man 550 Höhenmeter, die Steigung beträgt zwölf Prozent. "Bei jedem Tritt in die Pedale ist man kurz vorm Aufgeben", sagt Meixner. "Aber wenn meine Gäste wiederkommen, wollen sie genau dieses Stück noch einmal fahren."
Ehrgeiz? Verrücktheit? Ein bisschen vom beidem. Aber auch sportliches Kalkül. "Jeder Radsportler hat daheim seine persönliche Trainingsrunde", weiß Meixner. "Trainiert er im Urlaub hier im Erzgebirge, verbessert sich seine Rundenzeit um fünf Minuten. Das ist etwas, worüber man am Stammtisch reden kann." Und genau so sollte es mit Urlaubserlebnissen auch sein.

