Kinderreiche Familien sind in Brünlos oft anzutreffen (sitzend von links): Michael Langer (7), Timon Langer (19), Mutti Lydia Langer (41), Tobias Langer (12), Mutti Susanne Ahner (39), Josephine Ahner (13). Stehend von links: Constantin Ahner (6), Christoph Ahner (6.). Die Muttis sind Schwestern.
Foto: Matthias Heinke
Brünloser beim Kinderkriegen einsame Spitze
Zwönitzer Ortsteil ist Baby-Hochburg im Altkreis Stollberg
Zwönitz. Kaum Neugeborene? Familien ohne Kinder? In dem kleinen Zwönitzer Ortsteil ist das nun wirklich kein Problem. Ganz im Gegenteil. Doch warum ist das eigentlich so?
So ziemlich jede Kommune im Erzgebirge wünscht sich mehr Babys. Schließlich sichern Kinder die Zukunft. Die Realität sieht aber oft anders aus. Viele Gemeinden plagen zu geringe Geburtenzahlen. Nicht so in Brünlos. Der Zwönitzer Ortsteil ist quasi die Baby-Hochburg im Altkreis Stollberg.
Brünlos liegt in der Statistik vorn
"Familien mit vier Kindern sind in Brünlos keine Seltenheit", erklärt der Zwönitzer Bürgermeister Wolfgang Triebert. Die überdurchschnittliche Geburtenrate belegen auch die Zahlen der Stadtverwaltung und des Landesamtes für Statistik. 2011 erblickten in Brünlos so viele Neugeborene wie in keiner anderen Kommune im Altkreis Stollberg das Tageslicht. Im Schnitt waren es 11,8 Babys auf 1000 Einwohner. Zum Vergleich: Im Erzgebirgskreis beträgt der Durchschnitt nur 7,5, im Freistaat 8,3. Mit Börnichen und Heidersdorf haben nur zwei Gemeinden aus dem Landkreis eine höhere Geburtenrate. Doch die überdurchschnittliche Anzahl an Neugeborenen in Brünlos ist über Jahre nachweisbar. Von 2007 bis 2011 zählte der Ortsteil etwa 10 Babys auf 1000 Bürger, das sind fast zwei mehr als im sächsischen Durchschnitt. Warum macht der Klapperstorch gern Rast in Brünlos?
Triebert hat keine Antwort: "Ich habe mich schon mit dem Thema beschäftigt und einen Vergleich mit dem Ortsteil Dorfchemnitz durchgeführt. Er hat ähnlich viele Einwohner. Signifikante Unterschiede konnte ich nicht feststellen." Ortsvorsteher Klaus Blank ist überzeugt, des Rätsels Lösung zu kennen. Der 73-Jährige war 45 Jahre an der Brünloser Schule als Lehrer und Schulleiter tätig. "Das Thema ist quasi mein Metier." Die örtliche Bildungseinrichtung, die gute Infrastruktur und Anbindung an die Autobahn, das ansässige Gewerbe sowie die idyllische Lage am Wald seien Gründe für die Geburtenrate in seinem Ort. "Alles trägt zu einer Harmonie bei. Man spürt, hier tut sich was." Das sei auch für den gebürtigen Leipziger die Ursache gewesen, weshalb er seit 1957 Brünlos die Treue hält.
Foto: Tilo Steiner
Große Familien keine Seltenheit
Dass er mit "nur" zwei Kindern in Brünlos fast gegen den Strom schwimmt, ist dem Ortsvorsteher bewusst. Große Familien seien keine Seltenheit. Heino Langer und seine Ehefrau Lydia beispielsweise haben vier Kinder. "Ich habe mir schon immer viele Kinder gewünscht. Eigentlich wollte ich acht, nach dem vierten habe ich es mir aber anders überlegt", sagt die 41-Jährige. Dieses Familienbewusstsein hat auch die jüngere Schwester geerbt. Susanne Ahner und ihr Ehemann Winfried haben sogar fünf Sprösslinge gezeugt. "Acht Kinder wollte ich zwar nicht, aber vier waren uns schon ganz lieb", so die glückliche Mutter.
Ihr Wunsch wurde mit der Geburt der Zwillinge Christoph und Constantin letztlich mehr als erfüllt. "Kinder sind Geschenke. Man muss aber auch Opfer bringen." So konnte sie seit 20 Jahren nicht mehr in ihrem Beruf als Krankenschwester arbeiten. Bei der Frage nach dem jüngsten Urlaub muss die 39-Jährige lange überlegen. Noch einmal schwanger sein, das kommt für die Schwestern nicht infrage. Familienzuwachs aber schon. Ahner: "Ich hätte gern noch ein Pflegekind."
Die Pfarrerin der örtlichen Evangelischen Kirchgemeinschaft, Steffi Stark, befürchtet, dass der Baby-Boom wieder abebben wird. Der Zwönitzer Stadtchef sieht die positive Entwicklung ebenfalls am Ende angelangt: "Brünlos hat seit Jahren die höchste Geburtenrate. Doch die allgemeinen Prognosen sehen dramatisch aus. Die Geburtenzahlen sinken um 20 Prozent." Doch wen interessiert schon eine Statistik. Die Brünloser jedenfalls nicht.


14:39 Uhr
RabenschwarzesICH: Zitat: "So ziemlich jede Kommune im Erzgebirge wünscht sich mehr Babys. Schließlich sichern Kinder die Zukunft." Fein --- aber was tun die Kommunen für die Kinder? So gut wie nichts. Das fängt bei der Verteuerung des Mittagessens in KITAS an, Grundschüler müssen kilometerweit mit dem Bus fahren ---- und und schlussendlich ist es ja so, dass viele gar nicht ans Kinderkriegen denken weil sie keine Arbeit haben. Anderenfalls dürfen sich dann anhören: "Noch so ein Balg auf kosten des Staates" ... Vielleicht die Kommunen auch das mal bedenken wenn sie verwundert feststellen, dass die Geburtenrate in den Keller sinkt ....