Christlicher Erlebnisgarten in Brünlos Heino Langer und seine Frau Lydia Langer verwirklichen ihre Idee: den Christlichen Erlebnisgarten in Brünlos.

Foto: Andreas Tannert

Brünloser machen die Bibel erlebbar

Christlicher Erlebnisgarten kommt für deutschen Bürgerpreis in Frage

Brünlos. Brünlos. Die Wüste - das ist eine wenige Quadratmeter große Sandfläche, am Rand wachsen Palmen. Ein Symbol für die Wüste, durch die Jesus 40 Tage lang wanderte. Und ein Symbol für die "Wüstenzeiten" im Leben eines Menschen. "Auch ich habe die schon gehabt. Zeiten mit Verlust und Entbehrungen. Aber Wüstenzeiten können auch fruchtbare Zeiten sein. Man kommt anders heraus, als man hineingegangen ist", sagt Lydia Langer.

Die 40-Jährige führt durch den Christlichen Erlebnisgarten, der im Zwönitzer Ortsteil Brünlos entsteht. Vor drei Jahren kam ihrem Mann Heino Langer (41) und ihr die Idee dazu. Sie hatten sich vom Bibelgarten in Oberlichtenau bei Dresden inspirieren lassen. In dem Freilichtmuseum werden mit nachgebildeten Elementen aus der Lebenswelt des Alten und Neuen Testaments biblische Geschichten und Gleichnisse erzählt. So reifte der Wunsch, auch in Brünlos die Bibel und die Zeit von Jesus erlebbar zu machen.

Eröffnung am 3. September

Ende 2009 gründeten sie den Verein Christlicher Erlebnisgarten, 2010 noch ein Förderverein. Seit April entsteht die Erlebnisstätte auf dem 3600 Quadratmeter großen Nachbargrundstück der Langers, das der Verein gekauft hat. 40.000 Euro hat der Bau bisher gekostet, 20.000 Euro sind voraussichtlich noch nötig. Finanziert wird das Projekt über Spenden und Mitgliedsbeiträge.

Viele ehrenamtliche Helfer wirken beim Bau mit. So ist schon Einiges entstanden in dem Garten, der am 3. September eröffnet werden soll. Ein kleiner Teich hat die Form des Sees Genezareth in Israel. Ein Pavillon, an dem einmal Wein empor ranken soll, steht für das Weinhaus aus dem "Hohelied der Liebe". In einer Tenne soll vorgeführt werden können, wie einst die Spreu vom Weizen getrennt wurde. Und in einem Garten wachsen Getreide, Gemüse und Kräuter, darunter auch Ysop - eine Pflanze, die auch in der Kreuzigungsgeschichte eine Rolle spielt. Drei Esel und zwei Schafe bewohnen das Gelände.

Ein Olivenhain mit 2,50 Meter hoher Menora, dem siebenarmigen Leuchter; die Grotte, in der Jesus zur Welt gekommen sein soll; schließlich eine meterhohe Goliath-Figur aus dem Stamm einer Esche - all das und weit mehr ist noch geplant. Das Herzstück der Anlage hat aber schon jetzt Gestalt angenommen: ein Wohnhaus, wie es vor zwei Jahrtausenden gestanden haben könnte. "Es wird nach einem historischen Bild erbaut. Das ist wie ein Riesenpuzzle, jeder Stein muss passen", erläutert Lydia Langer. Hier entsteht ein Brotbackofen, im Inneren werden unter anderem ein Webrahmen, Tongeschirr und eine Töpferscheibe zu sehen sein. Ein zweites Stockwerk soll 2012 hinzukommen.

Schulen zeigen schon Interesse

"Ich freue mich auf die Arbeit", sagt Lydia Langer. Mit zwei Mitstreitern wird sie voraussichtlich von April bis Oktober Führungen gestalten. Diese sollen den Bezug zur Bibel, zur Historie und zum Leben der Besucher herstellen, Jung und Alt anziehen. Vorstellbar sei etwa, das Leben Jesu zu erzählen, oder nur von David und dem Hirtensein. "Oder wir beschäftigen uns mit den Berufen", sagt sie. Kinder und Jugendliche könnten zum Religions- und fächerübergreifenden Unterricht kommen, Mehl mahlen, im Kuppelofen Brot backen. Frauen könnten Kosmetika aus Olivenöl herstellen, Gruppen im Haus das Passahfest feiern, und das Gelände auch für Menschen mit Behinderung zum Erlebnis werden. Lydia Langer glaubt an ein reges Interesse an der begehbaren Bilderbibel. Zahlreiche Schulen hätten schon angefragt.

Den Stoff für die Führungen holt sich Lydia Langer nicht nur aus dem Buch der Bücher, sondern auch aus anderen Werken, dem Internet und aus Vorträgen. Nicht zuletzt zehre die Mutter von vier Kindern noch von der Reise, die sie und ihr Mann im Februar nach Israel machten - und auf der sie die Wüste ebenso erlebten wie üppig blühende Oasen.

www.jesus-land.de

Mit dem Deutschen Bürgerpreis wird das Ehrenamt gewürdigt. Der Bürgerpreis Erzgebirge ist eine von 70 regionalen Initiativen. Die Sparkassen Erzgebirge, Mittleres Erzgebirge sowie Aue-Schwarzenberg stellen insgesamt 6000 Euro Preisgeld bereit. "Freie Presse" lobt einen Sonderpreis in Höhe von 1000 Euro aus. Bewerben konnten sich Personen, Vereine und Institutionen. Die Vergabe der Preise erfolgt am 26. August. Die Jury bilden die Schirmherren Landrat Frank Vogel und Roland Wöller, Sächsischer Staatsminister für Kultus und Sport, die Vorstandsvorsitzenden der Sparkassen Roland Manz, Manfred Preiß und Hans Perry, die Bundestagsabgeordneten Marco Wanderwitz und Günter Baumann, der 2. Beigeordnete des Landrats, Andreas Stark, und Bettina Simon, Vorsitzende des Montessori-Vereins Annaberg.

 
erschienen am 25.07.2011 ( Von Franziska Muth )
 
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