Detlef Voigt, der eloquente Inhaber der Sportgaststätte Leukersdorf, wird am Aschermittwochabend um 19 Uhr den politischen Stammtisch moderieren.
Foto: Andreas Tannert
Detlef Voigt im Interview
Gastwirt aus Stollberg spricht über politischen Aschermittwoch
Stollberg. Wie schnell doch die Zeit vergeht: Ein Jahr ist rum, nun ist es wieder soweit. In der Leukersdorfer Sportgaststätte startet am Mittwoch um 19 Uhr die Neuauflage des politischen Aschermittwochs. Mittlerweile hat die Veranstaltung Kultstatus im Erzgebirge - und irgendwie waren schon alle mal da: Ex-Minister, Landtagsabgeordnete, Banker, Landräte, Bürgermeister, Pfarrer. Jan Oechsner fragte den Veranstalter Detlef Voigt ganz locker und unverklemmt.
Herr Voigt, was ist diesmal Thema in der Sportlergaststätte?
Das kann ich dir genau sagen. Es geht um folgendes...
Moment: Sie duzen mich?
Ja, ich duze alle. Ich bin seit 1977 in der Gastronomie. Noch nie habe ich einen Gast gesiezt.
Also sage ich jetzt einfach du zu Ihnen... ähm, also zu dir?
Ja, na klar. Nur zu.
Gut. Also, welche Themen hast du diesmal zu deinem politischen Aschermittwoch?
Kann ich mich im Erzgebirge wohlfühlen? Was sollte sich ändern, dass man sich noch mehr wohlfühlen kann? Wie bekomme ich die Leute zurück, die weg sind? Und was kann ich selbst tun, dass es besser wird?
Nun, das ist ein weites Thema.
Beim letzten Mal waren wir sehr lokal und sehr auf Jahnsdorf bezogen. Diesmal habe ich mal wieder Landrat Frank Vogel dabei, den ehemaligen Zwönitzer Bürgermeister Uwe Schneider, den Stollberger Chefarzt Wilmar Hubel, Pfarrer Tobias Hanitzsch. Und ich hoffe, eine von mir eingeladene junge Mutter mit vier Kindern kommt auch.
Wie gehst du denn beim Thema mit gutem Beispiel voran?
Da nenne ich keine Beispiele. Ich bin ja bekannt dafür, immer ansprechbar zu sein und zu helfen. Aber ich will das gar nicht so in den Vordergrund rücken.
Das ist aber nicht besonders eloquent von dir.
Also, generell und mittlerweile ist es doch so, dass das Lamentieren bei uns überwiegt. Das ist mein Eindruck. Geh in die Sauna oder in den Bäckerladen: überall wird lamentiert. Zu DDR-Zeiten war die Lebenssituation schlimmer, aber es wurde nicht so viel gemeckert. Da wurde sich untereinander geholfen. Heute zählt das Motto: Geiz ist geil. Dagegen will ich was tun mit meinem Aschermittwoch. Mehr miteinander reden als übereinander lamentieren.
Ist ein halb voller Saal mit vielen Fragenden und guten Antworten besser als ein volle Bude mit gähnender Langeweile und Meckerern?
Am besten ist eine volle Bude mit vielen guten Fragen.
Das war nicht meine Frage. Detlef, weiche bitte nicht aus.
Ok, wichtiger ist, dass welche aus dem Publikum mitmachen. Aber das ist manchmal so mit der Mentalität der Erzgebirger. Wir sind nicht verschlafen, aber müssen öfters mal aus der Höhle rauskommen. Denn das Schlimmste ist doch eine Alleinunterhaltung auf der Bühne: Wenn ich Fragen aus den vorherigen Antworten formulieren muss. Das bitte nicht. Lieber sollen die Leute auf die Tische springen. Ich sorge dann schon dafür, sie wieder runterzuholen.
Sag mal, wer bist du nun wirklich? Ein gewiefter Gastwirt? Ein unentdeckter Talkmaster? Oder einfach ein Idealist aus Leukersdorf?
Ich bin nichts von alledem. Ich bin einfach der Detlef Voigt. Oder besser: Ich bin der Detlef.
Der alle duzt... Wer ist denn dein Traumgast für deinen Aschermittwoch in der Sportlergaststätte, den du wirklich gerne duzen magst?
Kurt Biedenkopf.
Kurt Biedenkopf?
Ja, Kurt Biedenkopf. Ich sag dir auch, warum. Dem haben wir viel zu verdanken in Sachsen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sachsen heute industriell so aufgestellt wäre ohne seine Beziehungen und seinen Einsatz. Mikroindustrie, Autozulieferindustrie und so weiter.
Dann hole ihn doch her.
Ich habe leider erneut eine Absage bekommen. Ich habe schon paar Mal in seinem Org-Büro angefragt. Keine Chance. Aber unabhängig davon: Mein Aschermittwoch ist einzigartig im Altkreis. Er ist mittlerweile zum achten Mal und etabliert. Er hat einen Namen. Und darüber freue ich mich.
Nochmal kurz zu Biedenkopf: Vielleicht ist dein Honorar zu gering. Es gibt ein Abendessen vor dem Auftritt. Mehr nicht.
Ich weiß es nicht. Aber er verlangt sicher richtiges Honorar. Na ja, aber schade ist es schon, dass ich ihn nicht locken kann.
Und was ist mit Herrn Tillich?
Na ja, darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Ich war immer scharf auf Biko.
Einst kamen mal 50 Gäste zum Thema Kreisreform, andermal 230 wegen der Jahnsdorfer Bürgermeisterwahl. Wie viele werden diesmal kommen?
Ich rechne mit knapp 100 Gästen. Aber wenn es doppelt so viele sind, habe ich auch genug Platz.
Schon vorbereitet auf das Thema und den Abend?
Ich bereite mich niemals vor. Ich schaue, was passiert.


