Die Schachtziege an der Unteren Hauptstraße war die erste Anschaffung, die aus der Oelsnitzer Stiftung mitfinanziert wurde. Erik Negwer findet sie einfach toll. Das Tier aus Bronze ist oft von Kindern umringt.
Foto: Andreas Tannert
Erstes Projekt: eine Ziege aus Bronze
Kapital der Stadtstiftung von 50.000 Euro inzwischen auf mehr als das Zehnfache angewachsen
Oelsnitz. Auch wenn das Geld im Stadtsäckel einmal knapp sein sollte - der Ertrag aus der Stiftung "Lebendige Stadt Oelsnitz im Erzgebirge" ist den Oelsnitzern sicher. "Das Stiftungskapital ist unantastbar", sagt Oelsnitz' Kämmerin Angelika Hans, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung. Selbst wenn es einmal zu einer Haushaltskonsolidierung käme, fiele das Geld der Stiftung dieser nicht zum Opfer.
Doch auch wenn man diese Situation in der Stadt derzeit wahrhaftig nicht zu fürchten hat, so ist das jährlich durch die Stiftung zur Verfügung stehende Geld ein willkommener Zuschuss für Dinge, die man sich sonst vielleicht nicht geleistet hätte. Immerhin sind es je nach Zinsentwicklung jährlich zwischen 15.000 und 16.000 Euro, die aus dem Stiftungskapital resultieren und zur Verfügung stehen.
Denn aus den 50.000 Euro, welche die Stadt als Anfangskapital an die Stiftung überwies, sind inzwischen 508.000 Euro geworden. Beigetragen haben dazu viele, sagt Jens Barnickel, Beigeordneter der Stadt und Kuratoriumsmitglied der Stiftung. Vom Oelsnitzer Bürger bis zum Unternehmen. Zugutekam der Stiftung auch, dass ihr 2007 das Kapital der ebenfalls in Oelsnitz ansässigen Sekuro-Stiftung - das waren rund 50.000 Euro - übertragen wurde, als diese ihren Stiftungszweck nicht mehr erfüllen konnte. Dass die Stiftung der Stadt das Geld bekam, lag nahe: Auch die Sekuro-Stiftung hatte sich die Verbreitung des Umweltgedankens an Schulen und Kindergärten der Stadt Oelsnitz auf die Fahnen geschrieben.
Die Idee einer Stiftungsgründung hatte einst Bürgermeister Hans-Ludwig Richter. Hintergrund: Auch, wenn der Haushalt der Kommune es nicht zulassen würde, könnte die Stadt bestimmte Dinge in Richtung Kultur, Heimatpflege und Umwelt fördern. Und, betont Kämmerin Angelika Hans: Eine Stiftung ermöglicht die Beteiligung Dritter. Heißt, wer sich mit dem Stiftungszweck identifizieren kann, kann helfen, das Kapital aufzustocken.
Um dafür noch einen Anreiz zu schaffen, legt die Stadt den eingegangenen Betrag noch einmal drauf. Sie verdoppelt also jede Spende. Mit einer Einschränkung, wie Barnickel betont: Der Betrag muss im Rahmen der Möglichkeiten der Stadt liegen. "Wenn einer wie in Görlitz mit einer halben Million käme, würden wir das nicht hinkriegen", sagt er schmunzelnd. Bisher aber, so Angelika Hans, sei die Verdopplung der Spenden immer realisiert worden.
Erstmals setzte die Stadt im Jahr 2008 Mittel aus der Stiftung ein: Mit 4135Euro wurde die "Schachtziech" aus Bronze mitfinanziert, die seitdem fest zum Stadtbild gehört und auf eine humorvolle hiesige Bergbautradition hinweist. Im Schacht mussten junge neue Kumpel nämlich erst einmal einige Kilometer laufen, um einen Beutel Heu für die Schachtziege zu holen. Oder man sagte ihnen, sie mögen "eine Bemme aufheben für die Schachtziesch", damit sie morgen wieder Kohle finden. Auch wurde oft gemeckert "wie eine Schachtziesch". Bergbaumuseums-Chef Jan Färber: "Ein geflügeltes Wort, das aber nicht mehr genau zu erklären ist."
Über die Verteilung der Stiftungsgelder entscheidet das Kuratorium. Wobei gegenüber dem Finanzamt und der Landesdirektion Chemnitz als Stiftungsbehörde immer ein Nachweis erfolgen muss, ob die Projekte dem Stiftungszweck entsprechen, erklärt Jens Barnickel. 2010 flossen 20.000 Euro in Kulturveranstaltungen und Festumzug zum Tag der Sachsen - dafür wurde das Jahr zuvor schon angespart.
In diesem Jahr sollen zwei Projekte unterstützt werden: die Aufforstung der Concordia-Halde durch die Finanzierung der Bäume und der Aufbau eines "Grünen Klassenzimmers" an der Mittelschule. Und auch für 2012 haben sich die Kuratoriumsmitglieder bereits Gedanken gemacht, erklärt Angelika Hans: Dann soll das Heimatfest zur 800-Jahr-Feier unterstützt werden.
Oelsnitzer Stiftung
Anerkannt durch das Landratsamt Stollberg wurde die Stiftung am 15. September 2005.
Stiftungszweck ist die Förderung der Verbreitung des Umweltgedankens an Schulen und Kindertagesstätten der Stadt, von Kunst und Kultur, des Umwelt-, Landschafts- und Denkmalschutzes, des Heimatgedankens und des traditionellen Brauchtums sowie der Jugend- und Altenhilfe, des öffentlichen Gesundheitswesens und des Sports im Gebiet der Stadt.
Unterstützt werden beispielsweise Aktivitäten in den Bereichen Bildung, Erziehung, Kultur, Sport, Umwelt-, Landschafts- und Denkmalschutz sowie im Sozialwesen. Auch Projekte mit ortsbezogenem oder geschichtlichem Wert für die Stadt sollen gefördert werden, ebenso freiwillige gemeinnützige Aufgaben in Vereinen, sozialen, kulturellen und sportlichen Einrichtungen der Stadt.
Vorstandsvorsitzender ist Bürgermeister Hans-Ludwig Richter, dessen Stellvertreterin ist Kämmerin Angelika Hans. Außerdem gehört Dirk Vettermann zum Vorstand.
Dem Kuratorium gehören neben Jens Barnickel als Beigeordnetem die drei stellvertretenden Bürgermeister sowie Rolf Drechsler als Vertreter der WGO Wohnungsbaugesellschaft Oelsnitz an.


