Die TR 230 ist ein Reise- und Geschäftsflugzeug. Es gehört zur Echoklasse und darf ein Abfluggewicht von 1450 Kilo haben.
Foto: V-Plane
Hoffnung auf Flugzeugbau in Jahnsdorf
Schon zu Beginn der deutschen Fliegerei mischten Chemnitzer Flugpioniere mit - Ein Hamburger Hersteller will daran anknüpfen
Chemnitz/Hamburg. Nicht zufällig hat der Industrieverein Sachsen sein jüngstes Treffen an den Verkehrslandeplatz Chemnitz/Jahnsdorf verlegt. Hier gab Jens Liebig die Absicht des Hamburger Flugzeugentwicklers V-Plane bekannt, den neu konzipierten Viersitzer Traveler TR 230 an dem Standort zu produzieren. Geplant sind zunächst 25 Maschinen pro Jahr. Weitere Typen und sogar die Produktion eines zukunftsweisenden Flugzeugs mit Elektroantrieb seien bereits im Gespräch beziehungsweise in Planung. Firmenname steht schon fest
2007 habe das Schweizer Unternehmen High Wing den Prototyp für das Reise- und Geschäftsflugzeug TR 230 entwickelt. Wobei Liebig Wert auf den Hinweis legt, dass es kein Ultraleichtflugzeug ist, sondern ein Typ der sogenannten Echoklasse. Das sind Maschinen mit einem Abfluggewicht von maximal zwei Tonnen. Daraus erkläre sich auch der im Vergleich zu Leichtflugzeugen, bei denen nur eine Abflugmasse von rund 500 Kilo möglich ist, höhere Preis. Der soll, je nach Ausstattung, bei 330.000 Euro liegen. 2010 wurde das Flugzeug auf der Luftfahrt-Messe Aero vorgestellt. Nächste Woche soll der erste Start dieses Viersitzers in der Schweiz stattfinden. Der nächste Schritt wäre die Gründung einer Gesellschaft, die die Serienfertigung und den Vertrieb übernimmt. Der Name steht schon fest: Sachsen Wing GmbH.
Beim Vertrieb wolle man mit der Firma Extra Flugzeugbau Dinslaken zusammenarbeiten. Das ist eines der namhaften Unternehmen der Branche; es kann auf rund 30 Jahre Erfahrung im Sport- und Reiseflugzeugbau zurückblickten. Firmengründer Walter Extra war selbst ein weltweit bekannter Kunstflugpilot.
Zur Realisierung der Produktion sei, so Liebig, ein Aus- und auch ein Neubau einer Produktionshalle in Jahnsdorf nötig. Dass Chemnitz/Jahnsdorf überhaupt in die engere Wahl der Produktionsstandorte gekommen war, ist dabei auch dem Zufall zu verdanken. Liebig, selbst Privatpilot, hatte im "Aerokurier" eine Anzeige gelesen. In der wurde das Flugzeug vorgestellt und nach einer Produktionsstätte gesucht. "Seitdem ließ mich der Gedanke nicht mehr los, die Fertigung nach Jahnsdorf zu holen", sagte Liebig. Die Voraussetzungen schätzte er als günstig ein: ein geeigneter Landeplatz, eine gute Verkehrsanbindung mit der A72 und der Citybahn sowie eine ehemalige Flugzeughalle. Mit diesen Argumenten im Gepäck kontaktierte er Anfang 2010 die Projektleitung von V-Plane in Hamburg.
Jahnsdorf habe sich gegen andere kleine Landeplätze durchgesetzt, so gegen Aschersleben in Sachsen-Anhalt und Grimma in Nordsachsen. Der Zuschlag sei wegen der günstigen Fördermöglichkeiten, die in Sachsen gelten, für Jahnsdorf gefallen. Zudem auch, weil bereits eine Finanzierungszusage einer Bank als auch Förderzusagen vom Freistaat in Form von Absichtserklärungen vorliegen. Liebig selbst ist bewusst, dass das Vorhaben, eine Flugzeugproduktion in Chemnitz anzusiedeln, "nicht alltäglich" ist. Dennoch will er nichts unversucht lassen, noch die nötigen privaten Geldgeber zu gewinnen. Er hofft, dass die erforderlichen Bauarbeiten "kurzfristig" beginnen können. Angebote würden derzeit eingeholt.
Vielleicht gerade weil das Vorhaben noch visionären Anschein hat, stieß es auf Zustimmung und Wohlwollen bei den Mitgliedern des Industrievereins. "Es gibt immer wieder Pioniere, die etwas wagen. Nur das kann uns voranbringen", sagte Reinhard Erfurth, Sprecher des Kuratoriums des Industrievereins.
Dass die Produktion der TR 230 anknüpfen würde an eine intensive Tradition, verdeutlichte der Luftfahrthistoriker Karl-Dieter Seifert. Zu Beginn der deutschen Fliegerei, mischten Chemnitzer Luftfahrtpioniere kräftig mit. Seifert wies auf die Staatlichen Akademie für Technik, die heutige TU Chemnitz, an der ab 1910 Flugwesen fakultativ in Verbindung mit Konstruktion und Modellbau gelehrt wurde. Er erwähnte Konstrukteure wie Max Adelmann, Gotthard Gruner und Max Schüler sowie Piloten wie Felix Laitsch, Ludwig Kammer und Ernst Kunze.
Zudem erinnern die unter Denkmalschutz stehenden Türme an der Neefestraße, in denen Motorenprüfstände untergebracht waren, an die Vergangenheit von Chemnitz als Ort der Flugzeugindustrie: Hier fand ab 1955 die Produktion von Flugmotoren, Fahrwerken und Hydraulikaggregate für die Iljuschin 14 statt.


