Ein Ausbau der Tourismusangebote würde auch mehr Gäste in die Restaurants und Hotels der Region locken. Davon ist Jörg Bahlke,Chef der Meinersdorfer "Waldperle" überzeugt.
Foto: Andreas Tannert
Hotelier plädiert für Vielfalt im Gewerbe
Die von der FDP favorisierte Förderpolitik für elitäre Hotels stößt auf heftige Kritik
Meinersdorf. Es geht ein Aufschrei durchs Erzgebirge. Es sind die Hoteliers, die sich wehren gegen einen ungleichen Sterne-Kampf. Grund ist die federführend von der FDP geformte Tourismusstrategie 2020 des Freistaats Sachsen. Nach der können künftig nur noch Vier- und Fünf-Sterne-Hotels eine Förderung für Investitionen beantragen.
Davon hält auch Jörg Bahlke überhaupt nichts. Er ist der Chef der Meinersdorfer "Waldperle" - ein Hotel, das über 19 Zimmer mit 40 Betten verfügt. Gegen eine Förderung von Hotels der höheren Klasse sprechen für ihn ganz konkrete Gründe. "Wir brauchen im Erzgebirge die Vielfalt statt noch mehr höherklassige Hotels. Denn im Gegensatz zum Beispiel zur Ostseeküste, wo etwa 60 Prozent der Hotels Vier- oder Fünf-Sterne-Häuser sind, fehlt dafür hierzulande einfach die Nachfrage."
Das weiß er aus eigener Erfahrung. "Die Gäste unseres Hauses sind in der Hauptsache Geschäftsreisende sowie Gäste, die bei uns Familienfeiern veranstalten und danach auch übernachten", erklärt der Hotelier. Klassische Urlauber kämen dagegen kaum in das Meinersdorfer Hotel. "In den vergangenen zwei Jahren haben wir die Fassade saniert und neue Küchengeräte angeschafft - beides ohne staatliche Fördermittel", sagt er. Dass Vier- oder Fünf-Sterne-Hotels, die über entsprechendes Kapital verfügen, künftig zusätzlich und allein gefördert werden, ist in seinen Augen eine Wettbewerbsverzerrung. Jörg Bahlke plädiert dagegen dafür, dass die staatliche Förderung einen ganz anderen Ansatz findet. "Man sollte nicht einzelne Häuser, sondern generell attraktive Tourismusangebote fördern, die mehr Leute ins Erzgebirge locken", denkt der Hotelier zum Beispiel an den Ausbau des Radwegenetzes in der Region. Von derartigen Projekten würden auch alle Hotels profitieren.
Das umstrittene Förderprogramm nennt sich "Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur", das vom Namen her die einstige GA-Förderung ablöst und ebenfalls bei der Sächsischen Aufbaubank angesiedelt ist. "Diese Neuregelung für Investitionszuschüsse wurde zum 1. Mai bereits beschlossen und gilt rückwirkend für alle Anträge, die ab Jahresbeginn gestellt wurden", erläutert Almut Beck, Leiterin der IHK-Geschäftsstelle in Annaberg-Buchholz. Auch sie kritisiert das Strategiepapier heftig. "Das läuft völlig konträr zur Gästestruktur und dem Image des Erzgebirges. Wer hier herkommt, sucht Gemütlichkeit und familiäres Umfeld. Wir hoffen, dass diese Festlegungen noch mal überarbeitet werden. Da bleiben wir dran, das geht so nicht."
Als "einfach nur peinlich", bezeichnet Dehoga-Geschäftsführer Dieter Heymann das vorgelegte Papier. "Von einer Strategie erwarte ich eine Orientierung, eine Vision. Doch das, was ich bislang kenne, ist einfach nur weltfremd", meint der Chefvertreter der Branche für das Hotel- und Gaststättengewerbe.
Und er nennt als ein Beispiel daraus die angestrebte Mindestanzahl von 6000 Qualitätsbetten im hohen Sterne-Segment für die Ausbildung einer "wettbewerbsfähigen Destination", wie Fachleute heute Tourismusregionen nennen. Das sei weder fürs Erzgebirge noch fürs Vogtland denkbar. Diese Förderrichtlinie sei ein Schlag ins Gesicht des hiesigen Mittelstands und unterstütze lediglich große Hotelketten. Denn gefördert werden Neu- oder Erweiterungsbauten, die 15 Prozent mehr Arbeitsplätze entstehen lassen; mit festgesetztem Monatsgehalt von 2591 Euro - das sind laut Dieter Heymann 1000 Euro über derzeit geltendem Tarif - und fixiert auf fünf Jahre.


