Für den Erhalt des Goethehains engagieren sich auch Günter Volk (r.) und Eberhard Lenk, Vorsitzender des Erzgebirgszweigvereins.
Für den Erhalt des Goethehains engagieren sich auch Günter Volk (r.) und Eberhard Lenk, Vorsitzender des Erzgebirgszweigvereins.

Foto: Andreas Tannert

Kahler Berg hat sich in 80 Jahren in ein Juwel im Wald verwandelt

Zum 100. Todestag des Dichters entstand 1932 der Goethehain in Gornsdorf

Gornsdorf. Mal eben mit dem Auto vorbeirutschen, geht beim Goethehain in Gornsdorf nicht. Denn um zu diesem Fleckchen Erde zu gelangen, muss der Wanderer am Skihang vorbei und dann in Serpentinen und förmlich über Stock und Stein schier endlos den steilen Berg hinauf. Dennoch: Mitglieder des Erzgebirgszweigvereins Gornsdorf, Wanderer aus umliegenden Orten, aber auch Gäste aus Breitenbrunn und Hohenstein haben den Weg am Samstag auf sich genommen. Denn es wurde das 80-jährige Bestehen des Goethehains gefeiert.

Ein freier Blick auf das idyllische Fleckchen mit Pavillon und Bänken, Gedenksteinen und einer Anton-Günther-Gedenkecke bietet sich erst, wenn man direkt davor steht. Der Rastplatz ist heute eine von hohen Fichten umgebene Lichtung. In diesem Erscheinungsbild würde Otto Hesky, einstiger Vereinsvorsitzende des Erzgebirgsvereins, den von ihm und den Vereinsmitgliedern erbauten Rastplatz kaum wiedererkennen. Obwohl kaum Unterlagen über die Vereinsgeschichte vorhanden sind, ist der Goethehain unter anderem mit Fotos recht gut dokumentiert. Eberhard Lenk, heutiger Vereinschef, berichtet über die Anfänge: "Als der Goethehain 1932 angelegt wurde, war das ein völlig kahler Berg, der eine Aussicht auf Gornsdorf, Meinersdorf, Hormersdorf und Auerbach bot. Die Bauern wollten Erdäpfel hier anbauen, aber da wurden letztlich weniger herausgeholt, als in die Erde kamen."

Anlass für die Errichtung des Goethehains war der 100. Todestag von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832). Eine einfache Hütte wurde gebaut, Sitzplätze geschaffen und Bäume gepflanzt. "Schon um 1938 waren die Fichten so hoch gewachsen, dass keiner mehr drüber hinweggucken konnte", sagt Eberhard Lenk. Nach dem Krieg verschwand die schlichte Hütte, weil sie als Feuerholz genutzt wurde. Noch immer aber war das Fleckchen ein beliebtes Ausflugsziel. Eberhard Lenk: "Als Kinder kannten wir es gar nicht anders: Am Sonntag gingen wir auf den Goethehain."

In der DDR löste sich der Erzgebirgsverein auf, der Goethehain begann zu verwildern. Doch die Erinnerung blieb, und so wurde die Wiedererrichtung des Traditionspunktes das erste große Ziel des 1990 wiedergegründeten Erzgebirgszweigvereins. Ein neuer Pavillon und Bänke wurden aufgestellt. Bereits 1991 konnte der Goethehain wieder genutzt werden. Zwei Verkaufshäuschen ermöglichen die Versorgung der Wanderer zu Festen. Vor allem das Pfingstfest etablierte sich schnell als besucherstarke Veranstaltung, aber auch die runden Jubiläen werden groß gefeiert.

Günter Volk hat den Hut auf, wenn es um die Pflege des Goethehains geht: Vier- bis fünfmal jährlich werden die Beete gepflegt und Rasen gemäht. Der Aufwand lohnt sich, denn längst ist der Goethehain wieder das beliebte Ausflugsziel, das es schon früher war. Allerdings wurde 1990 auch der ausgedünnte Wald rund um die Lichtung wieder mit jungen Fichten bepflanzt, und so ist der Goethehain heute kein Aussichtspunkt mehr, sondern ein im Wald verstecktes Juwel.

 
erschienen am 05.08.2012 ( Von Cristina Zehrfeld )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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