Alltag im Cura Seniorenzentrum Meinersdorf: Schwester Nicole Warkus bei der gemeinsamen halbstündigen Zeitungsschau für die älteren Bewohner. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen bescheinigt der Einrichtung eine überdurchschnittliche Pflegequalität. )
Foto: Andreas Tannert
Kontrollen im hochsensiblen Bereich
Seniorenzentren in Meinersdorf und Oelsnitz schneiden beim Pflege-Tüv überdurchschnittlich gut ab - Erste Ergebnisse veröffentlicht
Oelsnitz/Meinersdorf. Oelsnitz/Meinersdorf. Bei der Beurteilung von Pflegeheimen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK), dem sogenannten Pflege-Tüv, haben das Awo-Seniorenzentrum Oelsnitz und das Cura Seniorencentrum Meinersdorf überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Die Prüfberichte dieser beiden Heime sind die ersten im Altkreis Stollberg, die im Internet auf der Seite www.pflegelotse.de veröffentlicht worden sind.
"Richtig und wichtig" findet Matthias Müller, Chef des Cura Seniorencentrums Meinersdorf, diese in der Branche umstrittenen Kontrollen. "Natürlich kann bei stichprobenhaften Prüfungen ein Detail das ganze Bild verzerren. Für die Bewohner und Mitarbeiter kommt es aber darauf an, dass es klare Qualitätskriterien gibt, die auch kontrolliert werden müssen." Genauso sieht es Grit Liebich vom Awo-Seniorenzentrum Oelsnitz: "Für uns kommt es nicht nur auf die Prüfungsergebnisse an. Der MDK hat fachlich hochqualifizierte Mitarbeiter, die uns viele gute Ratschläge gegeben haben, um unsere Arbeit weiter zu verbessern."
Die Oelsnitzer Einrichtung hat bei der stationären Pflege ein Gesamtergebnis von 1,3 (Schulnotenskala) erzielt. Der Landesdurchschnitt liegt bei 1,9. Das Cura Seniorencentrum erreichte bei der stationären Pflege die Note 1,1, sagte Leiter Matthias Müller am Freitag. Im Internet ist bislang nur das Ergebnis für die Kurzzeitpflege einsehbar: 1,5. Mit fünf Betten spielt dieser Bereich eine untergeordnete Rolle.
Das gute Abschneiden ihrer Häuser führen Müller und Liebich vor allem auf ein systematisches Qualitätsmanagement und den Einsatz ihrer Mitarbeiter zurück. Beide halten die MDK-Prüfung für einen guten Ansatzpunkt, empfehlen aber den Kunden, sich nicht allein auf die Noten zu verlassen. "Das ist wie in der Schule", sagt Grit Liebich, "da kann man einen schlechten Tag erwischen. Man sollte schon zu uns kommen und sich umschauen, um einen abgerundeten Eindruck zu bekommen."
Für "Zauberei" hält Matthias Müller die MDK-Prüfung nicht, auch wenn einige Pflegeeinrichtungen vor dem Sozialgericht gegen die Veröffentlichung ihrer Ergebnisse klagten: "Es gibt in unserer Branche und beim MDK ganz strikte Leitfäden, was zu machen und zu beachten ist. Daran kann und muss sich jeder messen lassen." Die Ergebnisse seien nicht nur ein Anhaltspunkt nach außen, sondern eine wichtige Rückmeldung nach innen, für die eigenen Mitarbeiter. Grit Liebich: "Kontrollen sind notwendig. Es gibt immer neue Erkenntnisse und Richtlinien. Die Pflege hilfsbedürftiger alter Menschen ist ein hochsensibler Bereich." Der MDK hat von 721 Pflegeheimen in Sachsen bislang 311 geprüft. Zwischen Prüfung und Veröffentlichung können mehrere Monate vergehen.
Awo Oelsnitz
Bewohner: 59
Betreiber: Awo Südsachsen
Gesamtnote: 1,3
Pflege/Med. Versorgung: 1,2
Umgang bei Demenz: 2,2
Soziale Betreuung/Alltag: 1,9
Wohnen, Verpflegung etc. : 1,0
Befragung der Bewohner: 1,1
Cura Meinersdorf
Bewohner (kurz/stationär): 4/59
Betreiber: Cura AG
Gesamtnote (Kurzzeit) 1,5
Pflege/Med. Versorgung: 1,8
Umgang bei Demenz: 1,6
Soziale Betreuung/Alltag: 1,3
Wohnen, Verpflegung etc. : 1,0
Befragung der Bewohner: 1,0
Gesamtnote (stationär):1,1
Qualitätskontrolle und Transparenzbericht
Beim "Pflege-Tüv" wird die Qualität von Pflegeeinrichtungen in mehr als 80 Kriterien nach dem Schulnotensystem bewertet. Grundlage sind unangemeldete Kontrollen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK).
Das Seniorenzentrum Oelsnitz wurde am 26. Oktober 2009, das Cura Seniorenzentrum Meinersdorf am 24. November 2009 kontrolliert. Schwerpunkte der Kontrollen waren neben der Pflege und medizinischen Versorgung der Bewohner der Umgang mit Demenzkranken, die soziale Betreuung und Alltagsgestaltung sowie der Bereich Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene. Zudem durften einige nach Zufallsprinzip ausgewählte Bewohner ihre Meinung sagen.
Den rechtlichen Rahmen bilden die Qualitätsprüfungs-Richtlinien, die nach Genehmigung durch das Bundesministerium für Gesundheit im Juli des vergangenen Jahres in Kraft getreten sind. Einige Trägerverbände haben eine Klage gegen die Gültigkeit der aktuellen Richtlinien angekündigt.
Über die Ergebnisse der Prüfungen können sich Verbraucher im Internet informieren. Dort sind ausführliche "Transparenzberichte" hinterlegt.
www.pflegelotse.de


