Wolfgang Petzold Wolfgang Petzold, gebürtiger Kühnhaider, ist sich sicher: Er hat die Familie seines leiblichen Vaters gefunden - in Serbien.

Foto: André Wirsig

Kühnhaider fühlt sich bei der Suche nach seinem Vater am Ziel

Altes Foto führt Wolfgang Petzold zu einer Familie in Serbien

Kühnhaide. Seit einigen Tagen herrscht bei Wolfgang Petzold und seiner Frau Ilse "Ausnahmezustand", wie der Dresdner es nennt. "Es geht um nichts anderes mehr", sagt der 67-Jährige. Der gebürtige Kühnhaider hat die Familie des Mannes gefunden, der - davon ist Petzold überzeugt - sein leiblicher Vater ist. In Serbien.

Es ist noch nicht mal ein Dreivierteljahr her, dass Wolfgang Petzolds Spurensuche begann. Bei Recherchen zu seinen Vorfahren in Kühnhaide bekommt Petzold ein Foto in die Hände. Es zeigt einen serbischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg, der - so ist zu diesem Zeitpunkt bekannt - "Zeppelin" genannt wurde und bei einem Bauern in Kühnhaide arbeitete. Die Augen auf dem Foto, sagt Wolfgang Petzold, ähneln seinen zu sehr, als dass es ein Zufall sein könnte. Er ist überzeugt: Nicht Rudolf Petzold (1905-1981) ist sein Vater, sondern der Mann auf dem Bild. Mit diesem Mann, glaubt Wolfgang Petzold, muss Mutter Frida (1908-1990) im Jahr 1943 eine Liaison gehabt haben.

Doch auf der Suche nach einem Namen des Serben hat Wolfgang Petzold kein Glück - zunächst. Bis der Kühnhaider Helmut Simon in einem Beitrag der "Freien Presse" den Serben wiedererkennt. Simon sagt, er habe mit ihm von Januar 1945 bis Kriegsende in einer Schneiderei in Zwönitz gearbeitet. Und er nennt einen Namen: Radovica Milkovic. Das ist der Schlüssel.

Mit dem Namen wendet sich Wolfgang Petzold im Dezember an die Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht. Ein paar Wochen später erhält er einen Brief. In Kriegsgefangenenunterlagen, so heißt es, sei ein Radoica Milj-kovic (auch Radoica/Radijica Milkjovic), geboren am 1. November 1919 in Selevac, verzeichnet.

Er habe sich als Kriegsgefangener vom 11. November bis 2. Dezember 1943 im Kriegsgefangenen-Reserve-Lazarett Hohenstein-Ernstthal aufgehalten. Vielleicht hatte der Serbe damals zwischenzeitlich Tuberkulose, vermutet Petzold, denn darunter habe er als Kind auch zweimal gelitten. Er recherchiert zum Ort Selevac. "Er hat rund 4000 Einwohner und liegt etwa 70 Kilometer von Belgrad entfernt", sagt er. Nachdem er den Brief erhalten hat, geht alles ganz schnell. Im Telefonbuch für den Großraum Belgrad wird Petzold fündig. Darin steht der Name: Radojica Miljkovic.

Petzold legt sich ein paar Sätze auf Englisch zurecht. Dann wählt er die Nummer. Den Hörer nimmt ein junger Mann ab. Er sagt: Sein Großvater hieß Radojica Miljkovic. Der Kontakt ist hergestellt. "Mir standen schon fast die Tränen in den Augen", so Petzold. Die Dresdner und die serbische Familie schreiben sich E-Mails, ein serbischer Journalist hilft bei der Verständigung. Die Serben bestätigen, dass der Mann auf dem Foto Radojica Miljkovic ist. Er hat 1955 geheiratet, 1956 und 1963 gingen zwei Töchter aus der Ehe hervor. Die jüngere ist die Mutter des 18-Jährigen, mit dem Petzold telefoniert hat. Miljkovic ist bereits 1996 verstorben, seine Frau 2010.

Nur ein DNA-Test kann zweifelsfrei beweisen, dass Radojica Miljkovic der Vater von Wolfgang Petzold ist. Wenn die serbische Familie diesen wünscht, wäre Petzold bereit dazu. Aber für ihn steht das nicht im Vordergrund, er fühlt, dass er am Ziel angekommen ist. Nicht nur, weil eine Erbgutuntersuchung gezeigt hatte, dass er und seine ältere deutsche Schwester nicht den gleichen Vater haben. Sondern auch, weil sich beide Familien vor allem auf Kinderbildern ähnlich sehen.

"Ich würde gern wissen, wie die Kindheit meines Vaters war und wie es mit ihm nach dem Krieg weiterging", sagt Wolfgang Petzold. Der Kontakt zur Familie des Serben sei ein "zartes Pflänzchen", Petzold will es behutsam gießen. "Sie haben sich erstmal schockiert gezeigt, sich aber auch geöffnet und ganz wunderbar geschrieben." Sein Wunsch: Die Familie in Serbien zu besuchen. Schon in Kürze könnte es soweit sein.

 
erschienen am 30.01.2012 ( Von Franziska Muth )
 
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