Das Areal der ehemaligen Gießerei in der Oelsnitzer Straße wird jetzt durch einen Bauzaun gesichert.
Foto: A. Tannert
Lugau will Industriebrache "Alte Gießerei Moritz Walther" abreißen
Aus Schandfleck soll Grünfläche werden
Lugau. Ein verschlossenes Tor und ein Bauzaun verhindern den Zugang zum Grundstück an der Oelsnitzer Straße 64, zudem warnen Schilder der Ortspolizeibehörde: "Betreten verboten, Einsturzgefahr!" Man kann allerdings deutlich sehen, dass in der Vergangenheit ganz offenbar mit Fahrzeugen Müll herangefahren wurde. Auf dem Grundstück liegen Altreifen, Schutt und Altkleider herum. "Die Stadt musste handeln", erklärte Bauamtsleiter Jan Jacob in dieser Woche vor dem Stadtrat.
Der desolate Zustand des ehemaligen Fabrikgebäudes, die Müllablagerungen in den vergangenen Jahren und ganz verstärkt in den zurückliegenden Monaten sowie die Tatsache, dass Kinder das Grundstück als Abenteuerspielplatz nutzten, hätten die Stadt dazu gezwungen, mögliche Gefahren abzuwehren. So wurde das Areal mit einem Bauzaun gesichert und dafür gesorgt, dasseine Zufahrt nicht mehr möglich ist.
Die Stadt möchte die Brache gern abreißen und eine Grünfläche anlegen, hat aber ein Problem: Sie ist nicht der Eigentümer. Die Gießerei gehört einer Gesellschaft, die bereits 1995 von Amts wegen gelöscht wurde. "Eine rechtlich komplizierte Situation", erklärt Hauptamtsleiter Wolfgang Frech. Denn normalerweise könne eine GmbH nicht gelöscht werden, wenn sie noch Eigentum habe. Fakt ist: Mehrere Zwangsversteigerungen sind seither ergebnislos verlaufen, das Gebäude verfällt und stellt eine Gefahr dar.
Auf der Suche nach einer Lösung hat sich Bürgermeister Thomas Weikert (Linke) jetzt mit der Landesdirektion Chemnitz verständigt, dass die Stadt trotz der noch ungeklärten Eigentumsverhältnisse einen Förderantrag für den Abriss stellen kann. Zugleich habe man einen Hinweis eines Ingenieurbüros bekommen, wie die Eigentumsverhältnisse geklärt beziehungsweise ein Liquidator bestellt werden könnten - es handle sich allerdings um ein langwieriges Verfahren, das beispielsweise bei den Auer Besteckwerken angewandt worden sei.
Bauamtsleiter Jacob nannte am Montagabend zudem weitere Möglichkeiten: Auch der Freistaat oder der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) könnten Grundstück und Abriss mit den von der Stadt beantragten Fördermitteln übernehmen. Gefördert werden könnte durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) und durch das Brachflächenrevitalisierungsprogramm.
"Die Mittel sind begrenzt, es ist wichtig, sich jetzt in das Förderprogramm aufnehmen zu lassen", erklärt Weikert, warum der Auftrag zur Erarbeitung des Fördermittelantrags so schnell wie möglich erteilt werden soll. Weil die Fördermittel bis 2013 schon vollständig gebunden seien, rechnet Weikert nicht vor 2014 mit einem Abriss. Um die Förderfähigkeit überhaupt herstellen zu können, musste der Stadtrat sein Einverständnis zur Beseitigung der Industriebrache erteilen. Das hat er einstimmig getan. Für die Erstellung des Fördermittelantrages und die Sicherungsmaßnahmen an der Brache wird in diesem Jahr mit 6700 Euro an Ausgaben gerechnet.

