Thomas Schulz in Lugau mit Fotos von Kater Charly und die Vermisstenanzeige.

Foto: Andreas Tannert/Montage: H. Leisterer

Nachts sind alle Katzen in Gefahr

Tierschützer vermuten, dass Fänger unterwegs sind

Stollberg. Das rätselhafte Verschwinden von Katzen beunruhigt Tierschützer und Katzenfreunde im Landkreis Stollberg. Darja Jattke vom Stollberger Tierschutzverein vermutet, dass professionelle Katzenfänger in der Region unterwegs sind, die es auf die Felle der Miezen abgesehen haben. Und sie glaubt, dass die Fänger Tipps von Einheimischen bekommen, wo sich die Jagd lohnt. "Wir hatten innerhalb einer Woche etwa ein Dutzend Vermisstenmeldungen", sagt sie. Normal seien etwa ein bis zwei vermisste Katzen pro Woche. Merkwürdig ist zudem, dass immer wieder Katzen im Doppelpack verschwinden.

Zum Beispiel bei Familie Franke in Erlbach-Kirchberg. Am Donnerstag nach Ostern verschwand Kater Helmut, etwa drei Jahre alt, schwarz mit weißem Latz und Pfoten. "Er war ja nachts immer draußen", berichtet Grieselde Franke. Drei Tage später verschwand auch noch Minki, eine ebenfalls drei Jahre alte, dreifarbige Katze. Seit Donnerstag ist Minki wieder da. "Aber sie ist total verstört und will überhaupt nicht mehr aus dem Haus", sagt Grieselde Franke. Kater Helmut indes bleibt verschwunden.

Auch Familie Franke in Lugau vermisst seit gut einer Woche ihren Kater Charly, ein Freigänger, der von einem nächtlichen Streifzug nicht zurückkehrte. Familie Gutschalk aus Thalheim hofft ebenfalls noch auf Hinweise zu ihren zwei Katzen. Seit 13. Januar ist Kater Sesam (weiß/braun getigert) verschwunden, Kater Rambamboli (schwarz-weiß) verschwand sechs Wochen später, in der Nacht zum 25. Februar spurlos.

Darja Jattke vom Tierschutzverein rät Katzenbesitzern, ihren Tieren nur noch tagsüber Freigang zu gewähren und die Augen offen zu halten. "Man sollte die Katze abends füttern und über Nacht im Haus lassen." Denn die professionellen Katzenfänger sind nachtaktiv - wie ihre Opfer. Abgesehen haben es die fiesen Katzendiebe auf die kuscheligen Felle, die angeblich Rheumabeschwerden lindern. Versandapotheken bieten im Internet Katzenfelle für um die 30 Euro an. Angepriesen wird die wärmende Wirkung, die wohltuend für schmerzende Gelenke und verspannte Muskeln sei. Auch kursieren immer wieder Gerüchte, dass die eingefangenen Katzen in Versuchslaboren enden.

Bei der Polizei liegen bislang keine Anzeigen vor. Aber das Thema Katzenfänger ist nicht neu. Pressesprecherin Heidi Hennig von der Polizeidirektion Chemnitz/Erzgebirge erinnert sich an einen Fall aus dem Raum Marienberg/Olbernhau, wo ein Katzenfänger auf frischer Tat ertappt wurde. Mit Pfeilen aus einem Blasrohr hatte er die Tiere betäubt und sie in seinen Kleintransporter gesteckt. Andere Katzenfänger arbeiten mit Lockmitteln und mancherorts sollen Behälter für Altschuhe- oder Kleidersammlungen aufgestellt worden seien, mit denen dann die Katzen verschwinden.

Wird ein Katzenfänger erwischt, muss er sich wegen Diebstahls verantworten, sagt Polizeisprecherin Heidi Hennig. Das Strafmaß reicht von einer Geldstrafe bis hin zu fünf Jahren Gefängnis. "Werden die Tiere gequält, kommt noch ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dazu."

 
erschienen am 04.04.2008 ( Von Matthias Behrend )
 
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