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Private Arbeitsvermittler fürchten eigene Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosenzahlen sinken, die Wirtschaft brummt. Der Bund streicht daher Mittel für das Jobcenter. Das bringt andere in Schwierigkeiten.

Von Beate Kindt-Matuschek
erschienen am 20.03.2017

Stollberg. Seit dem Jahresbeginn reicht das Jobcenter Erzgebirge nur noch ganz selten Vermittlungsgutscheine aus. "Das aber bringt uns private Arbeitsmittler in Existenznot", so Frank Müller aus Breitenbrunn, der seit 15 Jahren als privater Arbeitsvermittler tätig ist. Andere aus der Branche pflichten ihm bei.

Die Gutscheine würden auch nicht verlängert. Auf seine Nachfragen im Amt, "gibt es nur Ausreden", sagt Müller. Dabei hätte er etwa für eine 59-Jährige aus Annaberg einen guten Job in Aussicht. Genau das, was die Frau, die derzeit von Hartz-IV lebt, möchte. Die gelernte Krankenschwester will wieder arbeiten, sei aber aus diesem Beruf zu lange raus. Sie hat in einer Wäscherei gearbeitet, dann war sie lange krank.

"Was mir das Amt bisher angeboten hat, ist zu weit weg. Da bräuchten wir zwei Autos. Das geht finanziell nicht. Das Angebot von Herrn Müller wäre ein Job im Ort", sagt sie. Doch ihr Vermittlungsgutschein, den sie hatte, lief Anfang März aus. Einen neuen erhalte sie nicht.

Das Jobcenter Erzgebirge hat 2016 insgesamt 649 Vermittlungsgutscheine ausgestellt. Ein solcher wird nach entsprechender Einzelfallprüfung und ist nur drei Monate gültig. Dieses Jahr wurden tatsächlich erst zwölf solcher Scheine ausgereicht, 15 Anträge abgelehnt. "Das ist für uns das letzte Mittel der Vermittlung für Menschen, die Leistungen nach dem SGB II erhalten", so Behördenchef Frank Reißmann. Während Bezieher von Arbeitslosengeld I einen Rechtsanspruch auf einen Vermittlungsgutschein haben, ist es für Hartz-IV-Empfänger eine Kann-Bestimmung, liegt im Ermessen des Jobcenters.

Die momentane Situation - einerseits der guten wirtschaftlichen Lage und andererseits die Kürzung der Mittel durch den Bund - zwinge das Amt zum Sparen. Schließlich handle es sich um Steuergeld. Im Erfolgsfall fließen an den privaten Arbeitsvermittler immerhin bis zu 2000 Euro Vermittlungsprämie. Jedoch in zwei Raten: Die erste nach mindestens sechswöchiger Beschäftigungsdauer, die zweite nach sechs Monaten. 2016 seien zudem in 60 Fällen eine erste Rate und nur in 28 Fällen beide Raten gezahlt worden. "Gemessen an der Gesamtzahl von mehr als 4000 Vermittlungen 2016 durch die Behörde wird deutlich, dass dieses Förderinstrument für Bürger aus dem Rechtskreis SGB II wenig Erfolg bringt", so Reißmann.

Ergo versuche man eher, vorwiegend über die Vermittlungskräfte im Jobcenter Menschen in Arbeit zu bringen. Genau darin sehe man die Hauptarbeit. Was aber nicht heiße, dass es gar keine mehr gebe. Allerdings nur nach Einzelfallprüfung. Vermittlungsgutscheine werden im Jobcenter Erzgebirge als "nachrangige Eingliederungsleistung" gesehen.

"Von meinen Bewerbern hat dieses Jahr noch nicht einer einen solchen Gutschein erhalten. Damit ist keine Vermittlung möglich. Das handhabt nur das Jobcenter Erzgebirge so rigide", so ein anderer Vermittler, der anonym bleibt. Hingegen würden Jobcenter und Arbeitsämter aus anderen Regionen dieses Mittel durchaus nutzen, betont er.

Das werde die Existenzen der privaten Arbeitsvermittler auf Dauer nicht retten. Und viele Arbeitsvermittler scheuen sich noch, von den Jobsuchenden selbst eine Vermittlungsprämien zu verlangen. "Auch die meisten Firmen sind bislang nicht bereit, für die Vermittlung von Arbeitskräften zu bezahlen", lautet die Erfahrung eines privaten Arbeitsvermittlers aus Schwarzenberg. Wenngleich sich einige Vertreter der Branche mittlerweile auch speziell auf die Vermittlung von Jobs ins Ausland - etwa Saisonjobs in der Schweiz - spezialisiert haben.

Ob die Arbeitsvermittler selbst bald arbeitslos werden? Die Antwort darauf: "Wenn das so bleibt ..."

 
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