Konzentriert bei ihrer Arbeit: Marion Bonitz, in Stollberg ansässige Porzellanmalermeisterin.
Foto: Andreas Tannert
Purpurnes auf weißem Grund
300 Jahre Porzellanmanufaktur Meißen: Die Stollbergerin Marion Bonitz hat dort ihre Berufung gefunden
Stollberg. Die Blumen und Gräser auf den Dresdener und Meißener Elbwiesen, Vögel und Hasen im Tharandter Wald - die Heimat von Marion Bonitz war für das naturverbundene Mädchen die Traumkulisse für ihre Mal- und Zeichenversuche. Pinsel und Farbkasten, weißer Zeichenkarton wurden zum ständigen Begleiter der heute 41-Jährigen. Sie hat ihren Lebensmittelpunkt inzwischen in Stollberg gefunden und statt auf weißem Papier malt sie Rosen oder Heilkräuter auf schneeweißes Porzellan. "Das habe ich schließlich gelernt. In der weltbekannten Porzellanmanufaktur Meißen", erzählt Marion Bonitz mit nicht verhehlendem Stolz. "Porzellan wird aus drei Bodenschätzen gefertigt, meist mit der Hand geformt und auf diesem Naturprodukt findet sich die Natur in ihrer Vielfalt, dank unserer Kreativität wieder", bringt sie ihr berufliches Credo auf einen Nenner.
Die Eltern hatten ihre steten Versuche zu malen, abzumalen und bis ins Detail zu kopieren, gefördert und ihre Besuche im Zeichenzirkel der Manufaktur unterstützt. "Es lag also nahe", so Bonitz, "dass ich in Meißen eine Lehre als Porzellanmalerin aufnahm und dort auch als Blumenmalerin arbeitete." Ihr Wissen und Können über nicht auslaufende Purpurrosen- oder Brombeerfarben auf Fingerhut, Wandteller, Bodenvase oder Teekanne oder über dicke und dünne Goldränder hat sie bis zu ihrer Kündigung wegen Konkurses der Manufaktur nach 1991 als Lehrfacharbeiterin weitergegeben. "Dort lehrte ich die künftigen Porzellanmaler nicht nur die richtige Pinselführung, sondern brachte ihnen auch ein Quäntchen Disziplin bei. Sie war und ist in Meißen ein wichtiger Bildungsfaktor. Ohne sie wäre mir der Schritt in die Selbstständigkeit nach der Geburt meiner Tochter Miriam und das damit verbundene Studium zur Meisterin schwerer gefallen. Und auch die Naturstudien, die ich betreibe, sind nicht ohne Selbstdisziplin zu machen", ist Bonitz überzeugt.
Ein wenig Umtriebigkeit eines Johann Friedrich Böttger, des Porzellanerfinders, scheint auch in der schwarzhaarigen Stollbergerin zu stecken. Ist sie doch ständig auf Achse, um Porzellan zu beschaffen, sich auf Handwerksmessen oder in Ausstellungen einen potenziellen Kundenkreis zu erschließen oder ihre Studienblätter über Pflanzen, Früchte in Öl oder Aquarell zu erweitern. "Meißener Porzellan wird ausschließlich in der Manufaktur mit Dekor versehen. Schon die Patentrechte verbieten es mir, hier tätig zu sein", kennt sie sich aus. "Das spornt mich an, nach neuen Motiven wie Früchte, Jagd- oder Porträtmalerei, auch Schriften zu suchen oder neue Farben, etwa Gold oder Platin, einzusetzen. Es ist für mich lebensnotwendig geworden, will ich meinen künstlerischen Ansprüchen genügen und als Handwerksmeisterin auch in Zukunft bestehen." Porzellan sei aber leider zum Massenprodukt geworden. Vorbei scheinen die Zeiten, als man bereit war, für das "weiße Gold" jeden Preis zu zahlen. Böttger sei am Ende seines 37-jährigen Lebens kein reicher Mann gewesen. Nach Gold strebe sie nicht. Wohl aber danach, Freude durch ihr Tun auszulösen. Da sei sie ganz beim Porzellanvater. "Wach durchs Leben gehen, mit Akribie und gegen Widerstände sein Ziel verfolgen", spricht Marion Bonitz und greift sich eine weiße Teekanne und ihren Pinsel.
Ausflugstipp:
Genau 300 Jahre nach der Gründung der Manufaktur wird am Samstag in Meißen die größte Sonderausstellung in der Manufakturgeschichte "Alle Nationen sind willkommen" eröffnet.


