Charlotte Kricke, Leo Fischer und Max Richter (von links) stehen unter der Kettentransportanlage. Es läuft allerdings nur eine Verarbeitungslinie - im Gegensatz zur Nacht, in der die Samstagsausgabe gedruckt wird.
Foto: A. Tannert
Schüler erleben, wie die Zeitung entsteht
Mittelschule Niederwürschnitz beteiligt sich am medienpädagogischen Projekt "Zeitung im Unterricht"
Chemnitz/Niederwürschnitz. Mit unwahrscheinlich vielen Zahlen und beeindruckender Technik wurden die Siebtklässler der Internationalen Mittelschule Niederwürschnitz am Freitag konfrontiert. Nachdem die 19 Schülerinnen und Schüler seit Mitte Juni jeden Tag im Unterricht die "Freie Presse" studiert haben, erfuhren sie im Druckzentrum der "Freien Presse" am Chemnitzer Südring, wie "man die Farbe aufs Papier bringt". So formulierte es "Freie Presse"-Mitarbeiter Jörg Berthold, der die Schüler durch Druckplattenherstellung, Rotation, Papierlager und Weiterverarbeitung führte.
Die "Freie Presse" ist mit einer Gesamtauflage von knapp 280.000 Exemplaren und täglich 690.000 Leserinnen und Lesern nicht nur Sachsens auflagen- und reichweitenstärkste Tageszeitung, sondern auch die viertgrößte regionale Abo-Zeitung in ganz Deutschland. Dafür werden täglich rund 60 Tonnen Papier verarbeitet, erklärte Berthold. Im Papierlager wurde die Zahl dann greifbar: Berthold stellte sich vor eine 2,10 Meter hohe Rolle, eine der größten im Lager. "Die wiegt knapp drei Tonnen", sagte er. Und: "Ein VW Golf bringt es etwa auf eine Tonne."
Schnell stellten die Schüler fest, dass das Papier, vor dem sie stehen, aus Belgien und Holland kommt. Hauptlieferant sei die Papierfabrik in Eilenburg, erklärte Berthold, aber man habe mehrere Lieferanten - auch wegen der Preise, die ständig schwanken.
Im Erdgeschoss erklärte der Mitarbeiter den Papierwechsel an den hochmodernen und über mehrere Etagen reichenden Druckmaschinen der Firma Manroland, weiter oben konnten die Schüler von der Besucherplattform aus den gerade anlaufenden Druck des Anzeigenblattes "Blick" miterleben. Berthold erklärte ihnen, warum die ersten Zeitungen farblich noch nicht in Ordnung sind und dass es sich dabei um die sogenannte Makulatur handelt, die aussortiert wird. Sicht- und hörbar wurde die Maschine immer schneller. Die Schüler verfolgten den Weg des "Blicks" in die Weiterverarbeitung - dort laufen die Zeitungen "angeklammert" über Transportlinien. Noch ging es überall insgesamt relativ ruhig zu - im Vergleich zur am Abend anlaufenden Produktion der aktuellen Ausgabe. Und trotzdem staunte Linda Endig, wie man bei den vielen Klammern "noch durchblicken" könne.
Warum sind die kleinen Löcher unten auf der Zeitungsseite? Was passiert, wenn der Strom ausfällt? Was ist, wenn das Papier reißt? Jörg Berthold wusste auf jede Frage der Siebtklässler eine Antwort und beschrieb letztlich auch noch den Weg der Zeitungen, nachdem sie das Druckhaus verlassen haben. Der Versand der mehr als 11.000 handliche Pakete erfolgt über 160 Kleintransporter oder Lkws an die Abladestellen für etwa 3500 Zusteller im Verbreitungsgebiet. Und wieder hat er eine beeindruckende Zahl in petto: "Die Zusteller laufen zusammen insgesamt 20.000 Kilometer je Nacht."
Sie haben viel gelernt während des vierwöchigen Projektes, sind sich Schüler und Lehrerin Grit Vogel einig. Interessantes zu Aufbau und Geschichte der Zeitung und den Berufen der "Zeitungsmacher" beispielsweise. Die Materialien, die sich die Lehrerin zur Vorbereitung aus dem Internet laden konnte, seien "echt klasse" gewesen, sagte Grit Vogel am Freitag. Die tägliche Lektüre der "Freien Presse" habe man in den Unterricht integriert. Auch die Unterrichtsstunde eines Mitarbeiters des Energieunternehmens Envia M zu erneuerbaren Energien habe gut in den Geografie-Lehrplan gepasst.

