Rappelvoll war der Saal im Rathaus gewesen.
Foto: Andreas Tannert
Schulbezirke: Stadtrat macht aus zwei aus einem
Ab Schuljahr 2012/13 können im Raum Stollberg Grundschüler in weniger überfüllten Klassen lernen
Stollberg. Es kommt ganz selten vor, dass Stadträte nach einer ihrer Abstimmungen von Bürgern tosenden Applaus erhalten - meist entscheiden die Entscheider alleine und im kleinen Kreis. Weil halt kein Bürger vorbeikommt. Am Donnerstag war das anders: Um 19.33 Uhr zollten etwa 60 Leute den Stadträten lauten Beifall. Die Kommunalpolitiker hatten im Sinne dieser anwesenden Eltern entschieden - und deren Kinder. Sie hatten aus einem großen zwei kleine Schulbezirke gemacht. Es gab nur eine Gegenstimme.
Was nach dröger Verwaltungsarbeit klingt, ist in Wahrheit aus Sicht der Stadt ein großer Schritt für kleine Schulkinder in der Region. Denn ab kommendem Schuljahr wird es mehr Klassen an den Grundschulen geben - mehr Klassen mit weniger Schülern. Alle waren sich einig: So können die Kinder besser lernen.
Um den Beschluss zu verstehen, muss man aber dies wissen: Der Freistaat Sachsen, der für die Personalausstattung der Schulen zuständig ist, hat eine optimale Klassenstärke von 28 Schülern pro Klasse festgelegt. Dann finanziert er einen Lehrer pro Klasse. Mehr Schüler dürfen es nicht sein. Weniger möglichst auch nicht - die Untergrenze liegt aber hier bei komfortablen 15 Kindern. In dieser Spanne muss sich also eine Klasse bewegen, um als solche vom Freistaat anerkannt zu werden.
Der aufgehobene Schulbezirk Stollberg umfasste bislang die Stadt Stollberg, seine Ortsteile und Niederwürschnitz. Das Problem: Für das kommende Schuljahr sind in diesem Schulbezirk aktuell 108 Schüler angemeldet. Der Freistatt rechnet also: 108 Schüler können in vier Klassen zu maximal 28 Schülern unterrichtet werden.
Soweit die Theorie. In der Realität ist die Rechnung nicht ganz so einfach, denn nicht in jeder Grundschule gibt es die gleiche Zahl von Schülern: In Beutha wurden 21 Abc-Schützen angemeldet, in Niederwürschnitz 22, in Stollberg 65. Der Freistaat verlangt jetzt: Ein knappes Dutzend Erstklässler müsste ab kommendem Schuljahr nach Beutha oder Niederwürschnitz fahren, damit alle Schüler auf vier Klassen gleichmäßig verteilt sind.
Dagegen haben allerdings die Eltern protestiert. Keiner wollte freiwillig seinem Kind lange Schulwege zumuten, nur damit die Rechnung des Freistaates aufgeht. Die Lösung, die nun beschlossen wurde: Der Schulbezirk "Stollberg Stadt" mit der Dürer-Grundschule wird gegründet - ein weiterer Schulbezirk "Stollberg Land" mit den Grundschulen Beutha und Niederwürschnitz.
Erster Vorteil aus Sicht der Stadt: Nun können sogar, weil die Untergrenze 15 Schüler beträgt, drei Klassen in Stollberg, je eine Klasse in Beutha und Niederwürschnitz eröffnet werden. Zweiter Vorteil: Es sitzen in jeder Klasse nicht mehr etwa 28, sondern etwa 22 Abc-Schützen. Das sei für Lehrer und Schüler ein spürbar besseres Lernklima.
Aus Sicht von OB Marcel Schmidt ist der Beschluss zudem nicht vom Schulamt angreifbar. "Andere Gemeinden machen das auch. Und es ist uns als Schulträger, der mehr als eine Schule hat, gesetzlich möglich, die Zahl der eigenen Schulbezirke zu bestimmen."
Der Grund, warum sich die Stadt einst nur für einen Schulbezirk ausgesprochen hatte, lag unter anderem daran, so besser Fördermittel etwa für die Grundschule Beutha zu bekommen. Diese Gelder würden aus Sicht von Schmidt aber mit dem Beschluss nicht zurückgezahlt werden müssen. Dieser Fall trete nur ein, wenn die jeweilige Schule mangels Schülern nicht mehr betrieben werden könne. Dies sei derzeit nicht absehbar.

