So kommt regionale Hilfe bei den Kindern an

Die Geschichte einer kinderreichen Familie aus Lugau, die von Hartz IV lebt, hat für viel Nachhall gesorgt

Stollberg. Weihnachten ist vorbei. Was bleibt, ist die Armut in vielen Familien. Kaum ein Betroffener zeigt sein Los öffentlich. Bei vielen ist die Scham übers eigene Schicksal so groß, dass nicht einmal Hilfsangebote angenommen werden. Die Lugauerin Steffi Winkler und ihre sieben Kinder haben in "Freie Presse" erzählt, wie sie Weihnachten feiern. Der Bericht hat ein großes Echo ausgelöst. Viele Leser wollten den Kindern helfen. Und die Winklers sind kein Einzelfall.

"Wir haben viele Familien von Hohndorf bis Zwönitz, bei denen Not herrscht", sagt Annerose Aurich, Leiterin der Stollberger Tafel. Die gemeinnützige Organisation hilft Menschen vor allem durch die Warenausgabe an ihren vier Ausgabestellen in Stollberg, Oelsnitz, Thalheim und Zwönitz. Seit ihrer Gründung im Jahr 2005 hat die Stollberger Tafel deutlich an Akzeptanz gewonnen. Derzeit kommt das Angebot rund 1000 Personen zugute. Aurich: "Die Spendenfreudigkeit ist im Dezember stärker als übers Jahr. Wir haben zum Glück Händler als regelmäßige und zuverlässige Spender. Auch Privatpersonen spenden regelmäßig. Mein Wunsch wäre, dass sich Privatleute aber noch stärker engagieren."

Spender sind immer willkommen und können durchaus anonym bleiben. Auch die Hilfe für bestimmte Familien ist möglich. Aurich: "Es kann bei der Tafel auch zweckgebunden für ein Kind oder eine Familie gespendet werden. Auch die Verwendung kann festgelegt werden. Zum Beispiel, dass mit dem Geld ein Sparbuch für ein Kind angelegt wird oder ein bestimmtes Freizeitangebot genutzt werden soll."

Wenn beide Seiten es wünschen, können Geber und Empfänger auch einen persönlichen Kontakt aufbauen. "Dafür sollte es aber eine vorherige Absprache geben. Und es muss klar sein, ob es eine einmalige Sache ist oder zu einer nachhaltigen Hilfe aufgebaut werden soll", sagt Andreas Bernhardt, Vorsitzender der Bürgerinitiative Erzgebirge. Der in Gründung befindliche Verein hat sich die Bekämpfung von sozialer Ungerechtigkeit auf die Fahne geschrieben. Vor allem Kinder und Jugendliche sollen von der Hilfe profitieren. So arbeitet die Bürgerinitiative bereits mit den Glückauf-Fußballern in Oelsnitz und den Judoka in Stollberg zusammen und will durch Spendengelder Kindern ermöglichen, in den Vereinen zu trainieren.

"Neue Bälle oder Sportkleidung wäre etwas, wo Einmalspender helfen können", sagt Bernhardt. Der Vorteil: Es kommen mehrere Kinder und definitiv nur die Kinder in den Genuss der Spende. Auch für Andreas Bernhardt ist die zeitlich befristete Hilfe nur ein erster guter Ansatz: "Es ist schön, dass die Menschen zu Weihnachten ihr Herz weiten, wichtig ist aber die Regelmäßigkeit. Die Armut ist heute noch genauso präsent wie schon vor Jahren."

 
erschienen am 29.12.2011 ( Von Cristina Zehrfeld )
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