Spiel 77: Glückspilz gewinnt genau 1.177.777 Euro
Lottospieler aus dem Raum Aue-Schwarzenberg hat die richtige Zahlenreihe - Wie viele Millionäre im Erzgebirgskreis leben, ist unklar
Aue/Schwarzenberg/Stollberg. Diese Zahlen sind exakt 1,177777 Millionen Euro wert: 2 9 0 5 0 1 3. Sie bilden die Endziffer beim Spiel 77, einer Nummernlotterie. Und weil eine Person aus dem Raum Aue-Schwarzenberg genau diese Zahlenreihe auf dem Tippschein hatte, ist sie nun Millionär. Die Ziehung der Gewinnzahlen am vergangenen Samstag machte es möglich - einen Tag nach Freitag, dem 13...
Details zum Gewinner - oder der Gewinnerin - will und kann die Sächsische Lotto-GmbH in Leipzig nicht verraten. "Die Person hat ihren Spielschein noch im Dezember als Mehrwochenschein in einer Annahmestelle im Altkreis Aue-Schwarzenberg gespielt. Und zwar ohne Kundenkarte. Damit ist der Spieler für uns anonym. Das heißt: Wir wissen noch nicht mal, ob es eine Frau oder ein Mann ist. Der Spieler muss seinen Gewinn selber bei uns anmelden", so Lotto-Sprecherin Kerstin Waschke. Dafür hat der Glückspilz noch knapp 13 Wochen Zeit.
Damit ist der baldige Neu-Millionär der zehnte Supersieger aus dem Erzgebirge seit 1992, der einen siebenstelligen Betrag ertippt hat - DM-Millionäre inklusive. Den letzten spektakulären Gewinner gab es im Jahr 2007. Ein damals Mittvierziger aus dem Altkreis Stollberg holte sich satte 4,5 Millionen Euro ab. Die Cranzahlerin Petra Hunger hatte einst sogar fünf Millionen Euro eingeheimst. Sie kommt aber in der Lotto-Statistik nicht vor, da sie nicht tippte, sondern bei Günther Jauchs SKL-Show abräumte.
Die Glücklichen müssen sich übrigens beim Ausfüllen ihrer Einkommenssteuer keine Sorgen machen. Der Fiskus schaut nicht nach Lotto-Millionen, sagt das sächsische Finanzministerium. Daher tauchen die Glückspilze in keiner fiskalischen Statistik auf. "Wir erfassen nur Einkommensmillionäre", sagt Ministeriumssprecher Stephan Gößl. Hintergrund: 1997 hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass eine Vermögenssteuer nicht erhoben werden darf.
Als Einkommensmillionär wiederum bezeichnet man eine natürliche Person als Steuerpflichtigen, die in einem Kalenderjahr ein zu versteuerndes Einkommen von einer Million Euro - oder mehr - erzielt. Von diesen mit dem dicken Gehaltszettel gab es in Sachsen im Jahr 2009 insgesamt 137. In den Städten Dresden und Leipzig lebten sachsenweit die mit Abstand meisten Einkommensmillionäre. Im Erzgebirgskreis waren es zumindest sieben. Erhebungen für die Jahre 2010 oder gar 2011 liegen noch nicht vor.
Doch wer will das eigentlich wissen? Irgendwie vielleicht jeder - aber vor allem Dietmar Pellmann. Der Linke-Landtagsabgeordnete hatte kürzlich bei Finanzminister Georg Unland nach Einkommens- Millionären gefragt - und obige Zahlen als Antwort erhalten. "Als Sozialpolitiker befasse ich mich seit Jahren mit der Frage, welche Ursachen es für wachsende Armut in Sachsen gibt. Vielleicht der wesentliche Grund ist die ungerechte Verteilung. Armut ist deshalb der Gegenpol von Reichtum. Und eigentlich kann es keine ernsthafte Leistung geben, die pro Jahr eine Million und mehr wert ist", sagt der Politiker. Er selbst ist nach eigener Aussage übrigens kein Millionär. "Selbst als Abgeordneter des Sächsischen Landtages bräuchte man 16 Jahre, um eine Million Einkommen zu erhalten. Und die Bundeskanzlerin müsste für eine Million immerhin vier Jahre im Amt sein", sagt Pellmann.
Ob nun Vermögens-, Lotto- oder Einkommensmillionär: Am besten ist es in jedem Fall, nichts vom dicken Konto zu erzählen. Dann lebt man ruhiger, aber ganz reich vor sich hin. Das raten auch die Experten von der Lotto GmbH. Für die Verschleierung des Millionensegens sind gleichwohl ein paar Grundregeln einzuhalten. "Unter anderem sollte der Gewinner überlegen, wohin er sein Geld überweisen lässt", sagt Waschke. Arbeiten beim angestammten Kreditinstitut Verwandte oder Bekannte, wäre Vorsicht geboten. Sachsenlotto empfehle daher stets, über ein eventuell neues Konto in einer großen Stadt nachzudenken. Auch ein überstürzter Hausbau ohne Schulden erregt womöglich bei Nachbarn und falschen Freunden unerwünschte Neugier.
Der Stollberger Gewinner von 2007 hat das Geheimhalten seiner Identität sogar fast generalstabsmäßig geplant. Der Mann, so wurde es kolportiert, ist nicht etwa mit dem eigenen Auto und dem verräterischen Nummernschild bei der Lottozentrale in Leipzig vorgefahren, sondern parkte seinen Pkw irgendwo in der Stadt. Dann stieg er in ein unverdächtiges Taxi.


