Das Gebäude ist nur noch eine Ruine.
Foto: Andreas Tannert
Spinnmühle wird Thema einer Ausstellung
Klassizistisches Gebäude zunehmend dem Verfall preisgegeben
Lugau. Als Hobbyhistoriker und Hauptamtsleiter Wolfgang Frech 2008 in dem Buch "Ortstermin: Bilder aus dem Stollberger Land" einen Beitrag der Meinertschen Spinnmühle widmete, stellte er am Ende eine Frage: "Wie wird das Gebäude 200 Jahre nach seiner Erbauung aussehen?" In diesem Jahr steht das Gebäude, das eher an ein Herrenhaus als an eine Spinnerei erinnert, 200 Jahre. Wie es aussieht, lässt sich in zwei Worte fassen: Es verfällt. Und ob es eine Zukunft hat, ist ungewiss.
Wolfgang Frech sagt heute, er sei sich 2008 nicht einmal sicher gewesen, ob das Gebäude 2012 überhaupt noch steht. "Aber wenn schon die Zukunft nicht so rosig aussieht, so muss man zumindest wissen, welchen Schatz man hier hat", sagt er. Diesen zu dokumentieren und bekannt zu machen, hat sich die Stadt Lugau nun auf die Fahnen geschrieben. Gemeinsam mit einem Studenten der Europäischen Geschichte bereitet Frech eine Ausstellung vor, mit der Anfang Juni das Museum in der Villa Facius eröffnet werden soll.
Bei dem Studenten handle es sich um einen jungen Oelsnitzer, der durch die Berichterstattung in der "Freien Presse" auf die Problematik Spinnmühle aufmerksam wurde, erklärt Wolfgang Frech. Der Student werde nun sein Praktikum nutzen, um "zu erforschen, was es noch zu erforschen gibt", und an der Gestaltung der Ausstellung mitwirken.
Nicht nur reine Ortsgeschichte
Diese soll keine reine Ortsgeschichte widerspiegeln, sondern in einen größeren Zusammenhang gestellt werden, sagt Frech. Dass es in Folge der 1806 von Napoleon verfügten Kontinentalsperre - einer Wirtschaftsblockade der britischen Inseln - zum Aufschwung der Textilbetriebe und damit Spinnereien kam, weil das feine englische Tuch fehlte, sei klar. Aber warum gerade dort gebaut wurde oder wo die Unternehmerfamilie Meinert noch aktiv war, das soll erforscht und beschrieben werden. Ebenso die Arbeitsbedingungen in den Spinnereien dieser Zeit. Nicht zuletzt soll auf Johann Traugott Lohse, der als Architekt des klassizistischen Gebäudes zählt, eingegangen werden.
Und noch eine offene Frage hofft Frech beantworten zu können: Um die Spinnmaschinen der auf einem Berg errichteten Mühle antreiben zu können, wurde ein kleiner Graben vom aus Oelsnitz kommenden Hegebach abgezweigt. Das sei auf alten Zeichnungen gut zu erkennen. Frech: "Die spannende Frage ist: Wie konnte so ein kleiner Bach eine solche Kraft entfalten?"
Ein Abschnitt soll der Nutzung des Gebäudes nach seiner Zeit als Spinnerei gewidmet werden. Die endete in den 1860er-Jahren. Danach war es Messingwerk, Maschinenfabrik, Wohnheim und Wohnhaus.
In der jüngeren Vergangenheit gab es Versuche, das Gebäude zu erhalten. Denkmalschützer, Architekten und Vertreter der Stadt trafen sich, ohne eine tragfähige Lösung zu finden. Zum einen ist ein Italiener Eigentümer des Gebäudes, zum anderen fehlt es am Geld und einem tragfähigen Nutzungskonzept.
Zukunft liegt offenbar im Abriss
Das ist auch das Problem der Stadt. Kein Bedarf, keine Nutzung, kein Geld für Erhaltung - geschweige denn für Sanierung, fasst es Lugaus Bürgermeister Thomas Weikert (Linke) zusammen. "Bei uns liegt die Sicherungspflicht für die Umgebung, deshalb haben wir Zäune aufgestellt und kontrollieren diese."
Eine Chance zur Erhaltung sieht er demnach nicht, aber die Beseitigung des Schandflecks sei für die Stadt wichtig. Sollte man Wege finden, einen Abriss mit möglichst 100-prozentiger Förderung zu realisieren, könne er sich vorstellen, dem Eigentümer eine kostenfreie Übernahme anzubieten.
Gerade weil er im Abriss des Industriedenkmals die einzige Lösung sieht, hält Weikert dessen Dokumentation für wichtig. Das betont auch Frech: Die Forschungsergebnisse sollen nicht nur für die Ausstellung aufgearbeitet, sondern darüber hinaus Interessierten zur Verfügung gestellt werden können.


