Saal Weniger Platz: der Saal ist jetzt durch eine neu eingezogene Wand - siehe links - stark verkleinert worden. Dadurch müssen die Mitarbeiter der Stollberger Tafel nun bei der Ausgabe der Lebensmittel unter aus ihrer Sicht unhaltbaren Zuständen arbeiten.

Foto: Andreas Tannert

Stollberger Tafel lehnt Stadt-Angebot ab

Nach Test steht fest: Streit zwischen Verein und Kommune ist noch nicht zu Ende

Stollberg. Der kleine Vorraum am Gärtnereiweg 12 war am Mittwoch voller Menschen. Die Stollberger Tafel hatte ihre erste Essensausgabe unter "erschwerten Bedingungen", wie ein Mitarbeiter sagte. Grund: Nur noch ein Drittel der etwa 180Quadratmeter konnte von dem Verein genutzt werden, um Kuchen, Brot, Gemüse und Obst den Tafel-Kunden zu geben. "Es ging so einigermaßen", sagte Tafelchefin Annerose Aurich. Doch der Platz sei definitiv zu klein. Und das, obwohl es am Mittwoch vergleichsweise wenige Waren zum Verteilen gegeben habe. Wenn die Stollberger aber in Dresden wieder neue Lebensmittel holen, reiche der jetzige Platz definitiv nicht. Aurich: "Als Dauerlösung kommt der Gärtnereiweg in dieser kleinen Variante schlicht nicht infrage. Auch nicht als Notlösung."

Tafel-Vorstand berät am Freitag

Damit steht fest: Der derzeitige Zoff zwischen Stadtverwaltung und Tafelverein ist vorerst nicht vom Tisch. "Wir werden am Freitag im Vorstand beraten, wie wir uns verhalten. Aber ich hatte am Mittwoch auch erwartet, dass Verantwortliche der Stadt nicht nur vorbeikommen und mir nett einen guten Tag wünschen, sondern über das von ihnen verursachte Problem reden."

Ausgangspunkt der jetzigen Situation waren plötzlich einsetzende Bauarbeiten in den Räumen des Gärtnereiwegs 12. Die Stadt hatte für alle Beteiligten vollkommen überraschend Eigenbedarf an den Räumlichkeiten angemeldet, weil die DGS Dienstleistungsgesellschaft Stollberg wiederum Räume im Schlachthof kurzfristig freiziehen musste. Neben der Tafel, die seit 2005 im Gärtnereiweg arbeitet, sollte auch der Behindertenverband plötzlich raus. Sofort hagelte es heftige Kritik in Richtung Rathaus.

Hauptamtsleiter Reiner Kunz und Carmen Weidauer, die Chefin der Liegenschaften der Stadtverwaltung, waren deshalb am Mittwoch auch am Ort des Geschehens. Sie räumten ein, dass die Kritik der Vereine richtig ist. "Die ganze Aktion war sehr kurzfristig", sagten beide. Und auch Linke-Stadträtin Reina Löchel stellte fest: "Ja, zu diesem Fehler müssen wir stehen als Stadt."

Stadt: kleinere Räume geeignet

Weitere Kritik aber - etwa, die Stadt lasse die Tafel einfach im Stich - wollte Kunz nicht stehen lassen. "Wir helfen auch weiterhin, dass es für die Tafel kostenlos bleibt. Wir finanzieren zudem eine Vollzeitkraft bei der Tafel über das Kommunalkombi-Projekt für drei Jahre bis zum August 2012 mit." Zudem habe er bei anderen Tafeln nachgefragt, etwa in Chemnitz. "Bei vielen sind die Räumlichkeiten auch nicht größer, zudem müssten etliche Tafeln sogar Geld, etwa für die Betriebskosten oder Miete, an die Kommunen entrichten."

Das Angebot stehe, den verkleinerten Raum auch weiter zu nutzen. Er sei zwar nicht mehr so komfortabel wie einst, aber auch im Vergleich zu anderen Tafeln weiterhin annehmbar. Doch das lehnte Tafelchefin Aurich bereits ab.

 
erschienen am 23.11.2011 ( Von Jan Oechsner )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
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  • 24.11.2011
    20:01 Uhr

    HammerP: Solange in Stollberg Prestigeobjekte ala Bürgergarten auf den Weg gebracht & schon über etwaige Zuschüsse spekuliert wird ist es einfach nur schäbig, wie mit Tafel & Behindertenverband umgegangen wird.
    Sclimm genug, das es in Deutschland Menschen geben muss, die auf derartige Einrichtungen angewiesen sind, das ein Her Kunz sich dann damit brüstet die Stadt Stollberg stelle die Räume unentgeltlich zur Verfügung ist schon ein starkes Stück.
    Man ist versucht dem werten Herrn Hauptamtsleiter zu wünschen, er möge eines Tages selbst einmal auf die Tafel angewiesen sein...

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