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Der Tatort Parkplatz "Schöne Aussicht": Hier hat Dieter Thiers am 6. Februar herumgeschossen, so der Vorwurf. Die Tatwaffe ist eine Schreckschuss-Pistole Record 08 - das Bild oben zeigt in etwa das Modell. Es ist oft ein Nachbau der berühmten Ordonnanzwaffe, die Kaiser Wilhelm 1908 im Deutschen Reich eingeführt hat.

Foto: Jens Uhlig/Stephi/fotolia Bild 1 / 2

Tatort Parkplatz: 80-Jähriger als Pistolero

Ein Gornsdorfer gegen das deutsche Waffengesetz: Der Mann schießt unerlaubt und öffentlich mit seiner Schreckschuss-Pistole herum, will sich aber auf der anderen Seite als verantwortungsvollen Menschen - und eben nicht als Täter - verstanden wissen. Wird dies den Richter beeindrucken?

Von Jan Oechsner
erschienen am 21.04.2017

Meinersdorf. Dieter Thiers zählt alles auf, womit er als NVA-Soldat schon geschossen haben will: Ausgebildet an einer 57-Millimeter-Kanone, an einer 76-Millimeter-Kanone, dann an einer 120-Millimeter-Haubitze - alles sowjetische Bauart. "Meine Dienstpistole war die Tokarew TT 33, auf Wache war ich mit der Maschinenpistole PP Sch-41 mit 71 Schuss im Trommelmagazin unterwegs", so der Gornsdorfer. Wie oft er damals zu Übungszwecken geschossen hat? "Daran erinnere ich mich nicht mehr. Viel und oft."

Etliche Jahrzehnte später muss sich der heute 80-Jährige ausgerechnet wegen des Gebrauchs einer kleinen Schreckschuss-Pistole vor Gericht verantworten. Für den Senior ist das "kleinkariert". "Ich habe niemanden bedroht oder verletzt. Ich habe keinen Banküberfall begangen. Und jetzt werde ich hingestellt, als sei ich ein verantwortungsloser Spinner, der keine Ahnung von Waffen hat und eine Gefahr ist."

Die Staatsanwaltschaft sieht das ganz anders: Der betagte Gornsdorfer hat gegen das Deutsche Waffengesetz verstoßen, so die Anklage.

Tatort Parkplatz Eisenweg zwischen Meinersdorf und Jahnsdorf: Es ist sehr nebelig und kalt - am 6. Februar 2017 um 12.10 Uhr ist ein Mitarbeiter des Bauhofs dort unterwegs. "Laut seiner Zeugenaussage kontrolliert er die Gegend auf Glatteis. Da sieht er den Gornsdorfer mit der Waffe hantieren und Patronenhülsen aufsammeln", sagt Amtsgerichts-Sprecher Hartmut Meyer-Frey. Der Bauhof-Mitarbeiter habe Fotos gemacht, Thiers den Abfahrtsweg vom Parkplatz versperrt die Polizei gerufen, die dem Gornsdorfer dann die Waffe abgenommen habe.

"Ja, es war eine kleine Dummheit. Aber ich schoss da oben auf dem Parkplatz, wo nirgends ein Haus steht, nur in die Luft", so Thiers. Er sei der Versuchung erlegen, denn kurz zuvor hatte er seine viele Jahre kaputte Schreckschuss-Pistole vom Typ Record 08 endlich reparieren lassen können. "Ich wollte nur schauen, ob sie funktioniert."

Sie funktionierte. Nur: Auch solcherlei Aktionen sind verboten. Jens Knauf, Inhaber einer Firma für Jagd- und Sportwaffen in Affalter, sagte auf Nachfrage von "Freie Presse": "Generell gilt, eine Schreckschuss-Pistole kann jeder ab 18 Jahren erwerben. Diese darf aber nur auf dem eigenen befriedeten Grundstück eingesetzt werden. Wer sie in der Öffentlichkeit führt, braucht einen Kleinen Waffenschein oder muss sie außerhalb des Grundstücks sicher verpackt haben." Eine Schreckschuss-Pistole sei - etwa wie Pfefferspray - eine Waffe zur Selbstverteidigung. Sie ist meist eine Nachbildung einer echten Pistole, die aber keine Projektile verschießt, sondern verschiedene Arten von Reizgas- und Platzpatronen. Knauf: "Trotzdem können diese Waffen unter Umständen Menschen verletzen."

Besagten Kleinen Waffenschein hat Thiers nicht. "Umso verwunderter war ich, als ich am 20. Februar beim Polizeirevier Stollberg die Waffe wieder abholen durfte, um sie dann per Beschluss des Amtsgerichts wieder abgeben zu müssen."

Laut Amtsgerichtssprecher Hartmut Meyer-Frey kommt es nun bald zur Hauptverhandlung vor Gericht, weil der Beschuldigte einen Strafbefehl in Höhe von 600 Euro plus den Waffenentzug nicht akzeptiert hat. Thiers sei ansonsten aber ein unbescholtener Bürger, habe keine Vorstrafen im Bundeszentralregister.

Der Gornsdorfer will nun vor Gericht für seine Sichtweise kämpfen. Er spricht von einer juristischen Bagatelle. "Nur Paragrafen zählen für manche. Der Mensch ist unwichtig."

 
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Tatort Parkplatz: 80-Jähriger als Pistolero
Kleiner Waffenschein
 
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