Die Herbstwanderung hatte sowohl das Erlbacher (Foto) als auch das Kirchberger Gotteshaus zum Ziel.
Foto: Andreas Tannert
Tour führt in luftige Höhe und unter Tage
Zur vierten geführten Wanderung durch Erlbach-Kirchberg haben die Kirchen im Mittelpunkt gestanden
Erlbach-Kirchberg. Die Wanderstrecke war überschaubar: Vom Lindeplatz zur Erlbacher Kirche und dann zur Kirchberger Kirche sollte es gehen. Danach war ein Imbiss geplant und der Rückweg über den Fürstenweg. "Wir sind zweieinhalb bis drei Stunden unterwegs", schätzte Wanderführer Hubert Finster, der gemeinsam mit Frank Leonhardt die Wanderung vorbereitet hatte, ein. Ein Irrtum, wie sich später erweisen sollte
Ein Pluspunkt, dass die Organisatoren auf das Wissen von Kennern zurückgegriffen hatten. So erzählte Hartmut Lehmann kenntnisreich von den Kirchen. Besonders spannend am Erlbacher Gotteshaus sind der mittelalterliche Flügelaltar und die Gotthilf-Bärmig-Orgel im neugotischen Stil. Gleich drei Spieler waren auf dem mechanischen Instrument zu hören: zunächst Kantor Wolfgang Kunz, danach dessen 15-jährige Tochter Johanna und schließlich die neunjährige Emily Seifert.
Während des Minikonzerts drängten die ersten Besucher schon zur Turmbesteigung. Und das war gut so. Denn nur in kleinen Fünfer-Gruppen führte Pfarrer Tobias Hanitzsch seine Besucher empor und informierte über interessante Details des 36 Meter hohen Turmes.
Da gibt es die nach innen geschlossene Luke, welche Turmfalken regelmäßig als Brutstätte dient, das alte Werk der Turmuhr ist zu sehen und über den drei stählernen Glocken ist ein handwerklich spannendes Gebälk der Hingucker.
Das wollte sich keiner der Gäste entgehen lassen und so hatte Hartmut Lehmann in der entstehenden Pause Gelegenheit, vor der Kirche Fragen zu beantworten. Ursprünglich stand an der Stelle eine Holzkirche. Der 1490 erbaute spätgotische Eingang ist der älteste noch erhaltene Teil der Kirche. Der Turm mit seiner barocken Haube ist 1750 gebaut worden, das Kirchenschiff erst mit dem Bevölkerungszuwachs durch den Bergbau.
Auch zum klassizistischen Bau der Kirchberger Kirche wusste Hartmut Lehmann viel zu berichten. Kein Wunder: Sein Schwiegervater war der Ortschronist Christian Schüler (1904-1986). Ab etwa 1920 hatte dieser sich mit der Historie beschäftigt und zu DDR-Zeiten eine kleine Chronik erstellt.
Wegen der Turmbesteigung hatte sich der Abmarsch Richtung Kirchberger Gotteshaus verzögert. Unterwegs bot sich vieles, was es ganz unmöglich machte, die Zeit wieder herauszuholen. Hubert Finster berichtete beispielsweise von der Legende, die sich mit dem inzwischen verlandeten Runzel-Teich verbindet: Dort soll einst ein Kalb hineingefallen sein. Jedes Mal, wenn nun böse Kinder am Teich vorbeilaufen, runzelt sich das Wasser und das Kalb zieht die Kinder hinein.
Durch einen spontanen Entschluss von Wolfgang Neubert wurde der Zeitplan der Organisatoren dann endgültig über den Haufen geworfen: Neubert erwarb 1963 das Haus und den Bierkeller gegenüber der ehemaligen Brauerei. Er brauchte damals ganz einfach eine Wohnung. Ohne wirklich erpicht darauf zu sein, kaufte er damit aber auch ein historisches Gemäuer.
Unter dem Hang befindet sich ein beeindruckendes, verzweigtes Kellergewölbe. Etwa ein Dutzend Wanderer nutzten die Gunst der Stunde und ließen sich durch die Gänge führen. Eine Überraschung sogar für Hubert Finster: "Ich war selbst zum ersten Mal in diesem Keller, und ich bin wirklich überrascht. Ich dachte, es geht 20 Meter hin und gut."
Weiter ging es vorbei an der Bauer-Schmiede, die einst als Kulisse für einen Karl-May-Film diente, und hinauf zur Kirchberger Kirche. Hier spielte Hartmut Lehmann die neue pneumatische Jehmlich-Orgel.
Nach drei Stunden war damit die Hälfte des Wegs geschafft und die Wanderer konnten sich am Imbiss laben, welchen die Wandergruppe Die Gipfelstürmer vorbereitet hatte. Dann aber wurde einhellig entschieden: Genug für heute! Das Abwandern des Fürstenweges wurde aufs nächste Mal vertagt.


