Zu den Gästen des Erzgebirgsbades gehören auch die Schüler der Grund- und Mittelschule Thalheims. Sie nutzen die Einrichtung im Rahmen des Ganztagsangebots Schwimmen. Dennoch verzeichnet der Betreiber Oewa einen sukzessiven Rückgang der Bad-Besucher.
Foto: Andreas Tannert
Umsatzrückgang: Thalheim muss für Erzgebirgsbad draufzahlen
176.000 Euro zahlt die Stadt als Sonderzuschuss an den Betreiber
Thalheim. Die Oewa Wasser und Abwasser GmbH hat in ihren ersten beiden Geschäftsjahren beim Betrieb des Erzgebirgsbades in Thalheim über 790.000 Euro Verlust eingefahren. Dies sagte Wolfram Scholl, Leiter Betrieb, zur jüngsten Stadtratssitzung und sprach zugleich von einem "großen Problem". Oewa betreibt das Bad seit August 2009. Bis Ende Juli 2010 verzeichnete die GmbH 385.500 Euro Verlust, im Folgejahr sogar 408.400 Euro.
Seit Beginn ihres Engagements im Erzgebirgsbad erhält die Oewa jedes Jahr von der Stadt ein festes Betreiberentgelt in Höhe von 149.000 Euro. Dieser Zuschuss reicht aber anhand der vorliegenden Zahlen längst nicht aus. Deshalb laufen hinter den Kulissen inzwischen Gespräche mit dem Bürgermeister, Vertretern der Stadtverwaltung sowie des Stadtrates in Sachen Vertragsanpassung, teilte Oewa-Sprecherin Tina Stroisch mit.
Schon jetzt muss die Kommune für ihr Bad mehr Geld ausgeben als erwartet. Im zweiten Geschäftsjahr des Betreibers Oewa waren es 19,5 Prozent weniger Einnahmen als die geplanten 1,03 Millionen Euro. Diese Umsatzsumme ist im Betreibervertrag festgeschrieben. In diesem Papier steht ferner, dass die Stadt für den Umsatzverlust aufkommen muss, der über vier Prozent hinausgeht. Für das Wirtschaftsjahr 2010/2011 ist dieser Fall eingetreten, was für Thalheim bedeutet, weitere knapp 176.000 Euro für das Bad bereitzustellen. Diese Ausgabe hat der Stadtrat inzwischen beschlossen. Laut Vertrag hat die Kommune mittlerweile auch die Möglichkeit, den Vertrag mit Oewa zu kündigen. Grund: Der Umsatzrückgang hat mehr als sechs Prozent betragen. Dass das gesteckte Umsatzziel nicht erreicht wurde, liege laut Oewa am Besucherrückgang. Waren es von August 2009 bis Juli 2010 rund 162.000 Gäste, lockte das Bad im gleichen Zeitraum 2010/2011 nur noch 147.000 an.
Welche Prognose gibt es für den Umsatz in den nächsten Jahren, wollte Stadträtin Cornelia Schricker (Freie Wähler) zur jüngsten Ratssitzung wissen. Dies abzuschätzen, sei schwierig, antwortete Wolfram Scholl. Dennoch rechne er mit einem weiteren Besucherrückgang. "Wir hoffen aber, dass die zum 1. Dezember erfolgte Preisanpassung das kompensiert."
"Das Bad wird immer ein Zuschussgeschäft sein", betonte Bürgermeister René Kühn (parteilos) zur Sitzung. Jetzt gehe es darum, dass Oewa ihr Marketingkonzept umsetze. Mehr Besucher anlocken will der Betreiber unter anderem durch preiswertere Tageskarten, spezielle Veranstaltungen wie Saunatage für Babys, einen Senioren-Vital-Tag, eine Piratenparty für Kinder. Angeboten werden zudem zwei neue Fitnesskurse. Auch als Ort für Firmenveranstaltungen will sich die Einrichtung präsentieren.


