Christoph Hillig war 33 Jahre lang als Wanderwegewart von Thalheim tätig. In dieser Zeit hat er 10.376 Stunden ehrenamtliche Arbeit dokumentiert. Eine Karte braucht der 75-Jährige nicht mehr.
Foto: Andreas Tannert
Wanderwegewart gibt sein Hobby ab - aber noch nicht ganz
Thalheimer Christoph Hillig will weiter Schilder fertigen
Thalheim. Ein bisschen Wehmut fühlt er schon, bekennt Christoph Hillig. Wohl auch kein Wunder nach 33 Jahren. So lange kümmert sich der Thalheimer schon darum, dass sich Wanderer in Thalheim nicht verlaufen. Nun aber kann der 75-Jährige den Außendienst als Wanderwegewart der Stadt der Gesundheit wegen nicht mehr leisten.
Die Wanderwege und ihre Beschilderung: dafür schlägt Hilligs Herz seit 1979. "Ein Hobby ohne Grenzen", meint der Senior. Dazu kam er per Zufall. Der Feinstrumpffacharbeiter, zu dieser Zeit tätig bei Esda, hat seine Mutter immer zum Frisör gefahren. Dieser Frisör, Heinz Reiland, war damals Thalheimer Wanderwegewart. "Er hat mich gefragt und ich habe gesagt, ich versuche es." So ging es 1979 los. "Am Anfang waren wir Allrounder." Mit "wir" meint Hillig auch die anderen Heimatfreunde im Kulturbund, bei denen er sich gut aufgehoben fühlte. Sie stellten nicht nur Schilder auf, sondern bauten auch Bänke.
Im Wandel der Natur und der Jahreszeiten im Zwönitztal zu arbeiten - "das hat mich damals fasziniert", sagt Christoph Hillig. Er hatte sich auf die Fahnen geschrieben, das Wegenetz, das schon der 1904 gegründete Thalheimer Erzgebirgszweigverein beschildert hatte, weiter zu pflegen und Lücken zu füllen. Ab 1984 war er alleiniger Wegewart der Stadt. Bis 2008 übernahm er auch Aufgaben im Kreis Stollberg, betreute etwa ein Stück Eisenweg.
In der DDR gab es noch Holzschilder, in die die Heimatfreude die Buchstaben mit dem Lötkolben brannten. Seit 1995 sind die grünen Farbschilder mit weißer Schrift Standard. Deren Maße, 65 mal 2 mal 12 Zentimeter, seien Hilligs "Handschrift". Er fertigt sie mithilfe von Buchstabenschablonen. Dennoch ist alles filigrane Handarbeit.
Geändert hat sich einiges über die Jahre: Wurden früher Formen wie Kreise und Dreiecke zur Kennzeichnung der Wege eingesetzt, setzt man heute auf Farben: Grün steht für die Ortswege, rot für den Eisenweg. Christoph Hillig hat die Schutzhütten mit Namen versehen, bei den Wegweisern einheitliche Schrauben eingeführt. Er hat Wege mit dem Moped und dem Fahrrad kontrolliert und neu ausgemessen - "bei den Fahrrädern hatte ich einen ganz schönen Verschleiß." Jede Woche sei er draußen gewesen. Auch wenn er das jetzt nicht mehr kann, will Hillig weiter die Schilder gestalten und der Stadt als Berater dienen.
Wer sein Nachfolger wird, weiß der 75-Jährige noch nicht. Im gleichen Stil müsse dieser die Tätigkeit nicht machen, sagt er. "Hauptsache, das Wandergebiet bleibt erhalten. Das ist für den Tourismus gut und trägt zum Flair der Stadt bei."


