Bernd Drummer aus Niederwürschnitz wird bei seiner 30. Spende von Schwester Christiane betreut.
Foto: Andreas Tannert
Weltblutspendertag: Acht Minuten, die Leben retten können
Freiwillige Spender gesucht - Sommerflaute, Fußball-EM und zu wenige Nachrücker für Ältere erschweren die Situation
Stollberg. Acht Minuten - so lange dauert eine Blutspende im Durchschnitt. Acht Minuten, die sich nur drei Prozent der Deutschen regelmäßig nehmen, um Leben zu retten. Bernd Drummer aus Niederwürschnitz ist einer von ihnen. Der 61-Jährige spendet seit seiner Studienzeit Blut. 15 Liter seines Lebenssaftes hat er sich bisher abzapfen lassen.
Für ihn ist das eine gesellschaftliche Pflicht. "Blutspenden ist eine Sache, durch die jeder gesunde Mensch seinen Teil dazu beitragen kann, der Gesellschaft etwas zurückzugeben." Vor allem die Geburt seines Sohnes habe ihn dahingehend beeinflusst. "Meine Frau hat damals viele Konserven Blut gebraucht, ohne die hätte sie es nicht geschafft. Dafür bin ich heute noch dankbar."
Das Blutspenden ist für ihn eine Chance, sich zu revanchieren. Die 500 Milliliter, die er sich jedes Mal abnehmen lässt, hat er schnell zurück. Bis zu 1,5 Liter Blutverlust kann der menschliche Körper kompensieren. Er produziert einfach neuen Lebenssaft.
So wie Bernd Drummer denken nicht viele. Laut Deutschem Roten Kreuzes (DRK) sind zwei von drei Deutschen mindestens einmal in ihrem Leben auf gespendetes Blut angewiesen, doch nur jeder 20. steuert etwas dazu bei. Tendenz fallend. "Das Problem ist, dass viele unserer langjährigen Spender langsam zu alt fürs Blutspenden sind", sagt Simone Bauer, Werbereferentin des DRK. Gleichzeitig fehle es an jungen Leuten, die nachrücken, um die entstehenden Lücken zu füllen.
Vor allem in den Sommermonaten und zu besonderen Zeiten, wie zum Beispiel gegenwärtig zur Fußball-EM, entstünden gefährliche Engpässe. "Wir beobachten dann einen Spendenrückgang von bis zu 30 Prozent", sagt Bauer.
Bisher ist es nicht gelungen, den lebensspendenden Saft künstlich herzustellen. Nach Angaben des DRK müssten rund sechs Prozent der Bevölkerung regelmäßig spenden, um den Bedarf an Blutkonserven in Deutschland zu decken. Bislang beteiligten sich aber gerade einmal die Hälfte davon. Rund 700 Konserven werden pro Tag in Sachsens Kliniken benötigt. Deshalb sollte es laut Bernd Drummer für jeden gesunden Menschen selbstverständlich sein, etwas von seinem Blut abzugeben. Schließlich erwarte auch jeder, der im Notfall auf Spenderblut angewiesen ist, dass er welches bekommt. "Wenn es Empfänger gibt, muss es auch Spender geben. Und Umfallen kann man nicht, man liegt ja schon", sagt Drummer schmunzelnd.
Noch einen weiteren Vorteil bietet das Blutspenden: Der regelmäßige Gang zum Aderlass hilft nicht nur anderen, sondern ist gleichzeitig eine kostenlose Gesundheitskontrolle. Das Blut wird auf Krankheiten untersucht. Wenn etwas nicht stimmt, erfährt das der Spender.
Besonders fleißige Spender werden einmal im Jahr extra gewürdigt. "Für die meisten Spender steht aber wirklich die gute Sache im Vordergrund", sagt Simone Bauer. Wer Blut spende, tue das nicht der Auszeichnungen wegen, sondern aus innerer Überzeugung heraus. Und dafür lohnen sich acht Minuten allemal, meint sie.www.blutspende-ost.de
Kostenlose Hotline: 0800 11 949 11

