Bei der Suche nach seinem Vater, der ein serbischer Kriegsgefangener gewesen sein könnte, hat sich bei Wolfgang Petzold schon allerhand Recherchematerial angehäuft - unter anderem zwei dicke Aktenordner.
Bei der Suche nach seinem Vater, der ein serbischer Kriegsgefangener gewesen sein könnte, hat sich bei Wolfgang Petzold schon allerhand Recherchematerial angehäuft - unter anderem zwei dicke Aktenordner.

Foto: André Wirsig

Wolfgang Petzolds Suche nach seinem Vater geht weiter

Kühnhaider hat Familie eines einstigen serbischen Kriegsgefangenen besucht

Kühnhaide. Wolfgang Petzold wähnte sich bei der Suche nach seinem leiblichen Vater bereits am Ziel - und musste einen Rückschlag verkraften. Aber der 68-Jährige gibt nicht auf: "Ich habe einen langen Atem", sagt der gebürtige Kühnhaider, der heute in Dresden wohnt.

Rückblick: Vor einem Jahr erfährt Petzold bei Recherchen zu seinen Vorfahren in Kühnhaide, dass seine Mutter Frida (1908-1990) mit einem serbischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg ein Verhältnis gehabt haben soll, aus dem er hervorging. Petzolds Vater Rudolf (1905-1981) soll also nicht sein echter Vater gewesen sein. Petzold fühlt sich nach einem DNA-Test bestätigt. Der ergibt, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit einen anderen Vater hat als seine ältere Schwester.

Von besagtem Kriegsgefangenen gibt es aber zunächst nur ein Foto und den Spitznamen "Zeppelin". Doch der Kühnhaider Senior Helmut Simon erkennt in einem Beitrag der "Freien Presse" den Serben und erinnert sich an seinen richtigen Namen: Radojica Miljkovic.

Empfangen wie ein Bruder

Bei Recherchen kann Wolfgang Petzold die Familie von Radojica Miljkovic (1919-1996) in Serbien ausfindig machen. Er glaubt schon, seine zwei Halbschwestern - die Töchter des Serben - gefunden zu haben. Im Mai reist er nach Belgrad. "Ich bin dort aufgenommen worden wie ein Bruder", sagt er. Sogar das Grab von Miljkovic besucht er. Doch dann die Enttäuschung: Ein Erbgut-Abgleich mit seinen vermeintlichen Halbschwestern ergibt, dass eine Verwandtschaft unwahrscheinlich ist, auch ein Vergleich mit einem männlichen Verwandten des Serben fällt negativ aus. Hatte Petzolds Mutter noch mit einem anderen Gefangenen eine Liaison?

Petzold hält es für möglich. Er wendet sich an die serbische Presse. In der Zeitung "Blic" werden seine Geschichte und ein Foto veröffentlicht, das Petzold von Miljkovics Familie erhalten hat. Es zeigt neben Miljkovic 27 weitere Kriegsgefangene in Kühnhaide. Vielleicht erkennt jemand einen Verwandten auf dem Bild, hofft Petzold, vielleicht ist ein anderer Abgebildeter sein Vater.

Mehrere Familien melden sich. Einige suchen nach Informationen über ihre Vorfahren, die in Deutschland in Gefangenschaft waren - ihnen versucht Petzold zu helfen. Von anderen erhält er Informationen, die ihn selbst weiterbringen könnten: Ein Mann behauptet, er sei der Urenkel von Vlastimir Miloradovic, der auf dem Foto abgebildet ist und bei dem Petzold eine Ähnlichkeit mit sich erkennt. Ein anderer Serbe teilt mit, er sei der Sohn jenes Vlastimirs. Doch es gibt eine weitere Spur, die noch heißer erscheint.

"Ein Serbe aus der Stadt Niš behauptet, dass sein verstorbener Schwiegervater Jordan Jankovic während der Gefangenschaft mit einer Frau namens Frida einen Sohn hatte, der 1944 geboren wurde", berichtet Wolfgang Petzold. Der Serbe sagt, welchen Mann auf dem Bild er meint. Ein Senior, der früher in Kühnhaide lebte und viele der Gefangenen kannte, bestätigt Wolfgang Petzold, dass dieser Mann Jordan hieß. Jordan soll bei einem Bauern in Kühnhaide gearbeitet haben.

Kein Tag ohne Recherche

Der Enkel von Jordan Jankovic fragt Wolfgang Petzold per E-Mail, ob seine Mutter Schwestern namens Hilda und Lisa hatte. "Meine Mutter hatte Schwestern namens Hilde und Else", bestätigt Petzold. Die serbische Familie will ihm weitere Informationen schicken. Nun hofft Petzold auch, dass jemand aus Kühnhaide noch etwas weiß und sich bei ihm meldet, Informationen würden vertraulich behandelt, versichert er. "Es ist das Recht eines jeden Menschen, zu wissen, wo er herkommt", meint Petzold. In die Suche steckt er seine ganze Energie. "Das hat mein Leben umgekrempelt. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht recherchiere und überlege."

Und auch, wenn Wolfgang Petzold noch nicht am Ziel ist, blickt er bereits erfüllt zurück: "Du lernst Menschen und Dinge kennen, die hättest du sonst nie kennengelernt."

Wolfgang Petzold: 0351 8015637

 
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Wolfgang Petzolds Suche nach seinem Vater geht weiter
Vorfahren vom Balkan?
 
erschienen am 19.08.2012 ( Von Franziska Muth )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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