BUND fordert Baustopp der Fischtreppe

Vorwurf: Envia Therm verstoße im Flora-Fauna-Habitat an der Flöha gegen Naturschutzgesetze

Borstendorf. Borstendorf. Den sofortigen Baustopp der Fischaufstiegshilfe an der Wasserkraftanlage der Flöha bei Borstendorf hat BUND-Landesgeschäftsführer Wolfgang Riether in einem Brief an Landrat Frank Vogel (CDU) gefordert.

Zudem beantragte Riether die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens gegen Envia Therm als Betreiber des Wehrs. Grund: Bei den von der Firma in Auftrag gegebenen Arbeiten sei am 2. Juli das Wasser im Anstaubereich des Wehrs nahezu entfernt worden. Dadurch seien mehrere per Gesetz geschützte Fische wie Groppe und Schmerle getötet worden. Riether erhielt von Naturschützern Fotos von dort gefundenen toten Fischen beider Arten.

Bei dem vom Aussterben bedrohten und besonders geschützten Bachneunauge werde vermutet, dass einige umgekommen sind. Laut Riether sei ihr Lebensraum bei den Bauarbeiten zerstört worden. Der BUND-Chef in Sachsen verweist darauf, dass diese Fische im als Fauna-Flora-Habitat (FFH) ausgewiesenen Gebiet Flöhatal besonderen Schutz genießen. Damit habe der Betreiber der Wasserkraftanlage Envia Therm beziehungsweise die beauftragte Baufirma gegen Naturschutzgesetze verstoßen. Aus seiner Sicht widerspreche die Wehranlage den Schutzbedingungen in einem FFH-Gebiet.

Die Geschäftsleitung von Envia Therm hatte am 2. Juli abgestritten, dass Fische bei den Arbeiten getötet worden sind. Auch das Landratsamt wollte bisher nicht bestätigen, dass bei diesen Bauarbeiten Fische umgekommen sind. Allerdings hatten Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde, die von den Naturschützern alarmiert worden waren, am 2. Juli noch vor Ort festgestellt, dass die Wasserführung zu gering gewesen ist.

Auch am Montag war von Envia Therm erneut zu erfahren, dass die Geschäftsführung keine Kenntnis von toten, geschützten Fischen habe. Für den Bau der Fischtreppe liege eine Genehmigung des Landratsamtes vor. Alle Auflagen würden eingehalten, bekräftigte nochmals Envia-Sprecherin Evelyn Zaruba: "Ein Baustopp schadet der ökologischen Durchgängigkeit der Anlage beziehungsweise verzögert den Bau." In die 50 Meter lange Fischtreppe will das Unternehmen Envia Therm, eine Tochter von Envia M, rund 200.000 Euro investieren.

Allerdings wird Riether auf eine Antwort auf seine in der vergangenen Woche im Landratsamt abgegebenen Anzeige noch mindestens eine Woche warten müssen. Landrat Vogel befindet sich bis 25. Juli im Urlaub. Und die als "persönlich gekennzeichnete Post darf dem Empfänger nur ungeöffnet zugeleitet werden", heißt es dazu aus der Pressestelle des Landratsamtes.

 
erschienen am 19.07.2010 ( Von Gudrun Müller )
 
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