Geburten im mittleren Erzgebirge 2011.Foto: Tilo Steiner
Babyboom in Börnichen - Ortschef zieht mit
Ort gilt als geburtenfreundlichster im Erzgebirge
Börnichen. Mit 13,7 Neugeborenen je 1000 Einwohner ist der kleine Ort Börnichen 2011 einsamer Spitzenreiter als geburtenfreundlichste Kommune im Erzgebirge und liegt an zweiter Stelle im Freistaat. Gudrun Müller suchte im Gespräch mit Bürgermeister Frank Lohr (32) nach möglichen Ursachen.
Freie Presse: Wussten Sie, dass Börnichen 2011 der geburtenfreundlichste Ort im Erzgebirgskreis ist und an zweiter Stelle im Freistaat liegt?
Frank Lohr: Nein, das ist mir neu.
Im Ort kamen 2011 auf 1000 Einwohner 13,7 Lebendgeborene. Der Durchschnitt im Kreis liegt bei 7,5 und im Freistaat bei 8,3.
Das ist überraschend. Damit hätte ich nicht gerechnet.
Vielleicht mag der Platz überraschen. Dass 2011 im Ort viele Kinder geboren wurden, dürfte aber bekannt sein. Denn der Gemeinderat hat sich wiederholt mit der Vergabe der Krippenplätze beschäftigen müssen.
Das stimmt. Wir mussten bisher noch keinen Antrag ablehnen. Leider müssen Eltern mitunter aber einen bis zwei Monate warten, bis sie den Krippenplatz bekommen. Dabei haben wir den Krippenbereich ja erst im Herbst 2009 geschaffen.
Aber was ist nun das Geheimnis, dass der Storch so oft in Börnichen landet? Begrüßungsgeld gibt es ja nicht.
Stimmt, das Begrüßungsgeld, das einige Gemeinden zahlen, ist eine schöne Geste. Aber bei der Finanzlage unserer Gemeinde nicht machbar. Ich bezweifle aber, dass das Begrüßungsgeld eine Erklärung für einen Zuwachs an Geburten wäre.
Eine neue Eigenheimsiedlung ist in der vergangenen Zeit in Börnichen auch nicht entstanden.
Ja, die Siedlung gibt es 15 Jahre. Es haben sich aber auch jüngst einige junge Menschen den Traum vom Eigenheim oder der eigenen Wohnung erfüllt. Ich denke, es liegt ein Stück weit an der sozialen Sicherheit, dass sich Frauen für das erste oder das zweite Kind entscheiden. So war es in unserer Familie. Wir haben uns erst für ein Kind entschlossen, als die Arbeitsstelle meiner Frau nicht mehr nur befristet war.
Sie sind auch Papa geworden?
Ja, vor acht Wochen hat unsere Tochter das Licht der Welt erblickt. Fiona gehört zu den sechs Mädchen und Jungen, die in Börnichen im ersten Halbjahr 2012 geboren wurden. Die gute Bilanz scheint sich fortzusetzen. Übrigens: 2011 waren zwei mal Zwillinge darunter. In sechs Jahren könnte es in der Grundschule Waldkirchen eine Klasse nur mit Börnichener Kindern geben.
Vor der Schule steht die Krippe. Die schwierige Situation bei den Plätzen schilderten Sie schon.
Bis jetzt haben wir immer noch Lösungen gefunden. Wir hatten auch Eltern im Ort, die wollten bereits vor dem Ablauf des ersten Jahres wieder arbeiten. Da bemühen wir uns, eine Tagesmutter aus Gornau in unseren Bedarfsplan aufnehmen zu können.
Bürgermeister Frank Lohr.Foto: Privat
2006 hatten sich Tagesmütter im Ort für die Betreuung angeboten, damals lehnte die Gemeinde ab. Eine falsche Entscheidung?
Aus heutiger Sicht: eindeutig ja.
2013 soll es einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz geben, dann können die Eltern auf den Platz pochen.
Dafür stehen der Freistaat und der Bund in der Pflicht. Irgendwas muss bis dahin geschehen. Zusätzliche Plätze erfordern zusätzliche Mittel.
Eine Frage an den jungen Papa und Bürgermeister: Sind Sie mit der Kita im Ort zufrieden?
Ja, da ist in den vergangenen Jahren schon viel investiert worden. Trotz klammer Kassen wird demnächst die Heizung saniert. Oft helfen Eltern über ihre Firmen, die Ausstattung weiter zu verbessern. Erst kürzlich hat sich ein Vater in der Bürgerfragestunde bereiterklärt, die Sanierung des Pools zu unterstützen. Als nächstes steht die Trockenlegung der nordöstlichen Fassade des Gebäudes an - die Feuchtigkeit darf nicht ins Innere dringen.
Wo können Kinder im Ort spielen?
Wir haben in der Ortsmitte einen Spielplatz, dort treffen sich auch die jungen Mütter. Die Spielgeräte sind in Ordnung, da achten wir drauf. Perspektivisch müssten wir aber auch neue Geräte anschaffen.
Ist Börnichen kinderfreundlich?
Ich denke schon. Wir haben auch einen Bolzplatz, einen rührigen Jugendklub und viele Angebote für Kinder - vom Klöppelkurs, über Fußball bis zur Kinderfeuerwehr.
Wo sehen Sie noch Nachholbedarf?
Wir schon gesagt, bei den Krippenplätzen und bei den Fußwegen. Straßen ohne Fußwege sind für die Mütter mit Kinderwagen gefährlich.

