Erzgebirgsbahn In Hopfgarten könnte neben dem Bahnübergang an der Grünauer Straße ein Haltepunkt für die Züge der Erzgebirgsbahn eingerichtet werden, die jetzt noch ohne Stopp durch den kleinen Ort rauschen. Doch Geld für das Vorhaben wird nicht bereitgestellt.

Foto: Thomas Fritzsch

Bahn hält nicht: Geld für Haltepunkt fehlt

Für den Bau eines Haltepunktes in Hopfgarten scheint der Zug abgefahren

Hopfgarten. Die Erzgebirgsbahn wird auch weiterhin keinen Stopp in Hopfgarten einlegen. Der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) könne aufgrund der Mittelkürzungen für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) "in absehbarer Zeit" keine neuen Projekte beginnen, teilte Sprecherin Silke Dinger "Freie Presse" auf Nachfrage mit. Auch aus dem sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr kam eine negative Stellungnahme.

Zu wenig Reisende

Knackpunkt sind die Fahrgastzahlen. Es würden zu wenige Reisende in Hopfgarten ein- oder aussteigen, argumentiert das Ministerium. "Der Grenzwert für eine Förderung des Vorhabens aus Bundesmitteln als auch der Grenzwert für eine Förderung aus Landesmitteln werden weiterhin deutlich unterschritten", teilte Sprecherin Martina Pirk mit. Als Grenzwert gilt die Zahl von 100 Ein- und Aussteigern, die an jedem einzelnen Werktag in dem Großolbersdorfer Ortsteil erreicht werden müsse. "Dies halte ich für unrealistisch", schrieb ein Mitarbeiter des Wirtschaftsministeriums 2011 an die Gemeinde. Und: Bei Unterschreitung des Grenzwertes würden Investitionskosten zurückgefordert. Doch das Ministerium hat einen Tipp für die Gemeinde Großolbersdorf bereit: für die Finanzierung einen Sponsor suchen.

Viele Ausflügler

Vergangenes Jahr lebten in Hopfgarten und dem benachbarten Grünau rund 280 Einwohner. Hinzu kommen jedoch vor allem an den Wochenenden Touristen, die mit dem Auto bis nach Hopfgarten fahren, um von dort Ausflugsziele in der Region per pedes anzusteuern. Zu beachten seien laut Bürgermeister Henry Freund (parteilos) auch viele Kleingärtner, die in Hopfgarten ihre Parzelle hätten und von denen mehr als die Hälfte aus Chemnitz kommen. "Sie werden älter und würden gern mit dem Zug anreisen", hat er in Erfahrung gebracht.

Die Gemeinde Großolbersdorf könne die Finanzierung des Haltepunktes, dessen Bau laut Ministerium rund 250.000 Euro kosten soll, jedenfalls nicht allein stemmen, stellt der Bürgermeister dar. Ein Finanzierungskonzept, das die Kommune laut Anregung des Ministeriumsmitarbeiters mit dem VMS erstellen sollte, gibt es nicht. Dem Verband liege kein Konzept vor, erklärte Silke Dinger.

Die Gemeinde, so Freund, sei derzeit dabei, sich Unterstützer zu suchen. Das könnten die Tourismusgemeinschaft und die Wirtschaftsförderung Erzgebirge sein. Auch der Kleingartenverein soll helfen. "Allein können wir nicht handeln. Wir wollen uns mit dem Ortschaftsrat zusammensetzen, einen Schlachtplan entwerfen", plant der Verwaltungsleiter noch in diesem Monat. Der Vorschlag des Ministeriums, sich einen Sponsor für Bau und Finanzierung des Haltepunktes ins Boot zu holen, etwa aus der Privatwirtschaft, könne nicht die Lösung sein, meint Freund.

Unternehmen will mithelfen

Auch die Erzgebirgsbahn will die Hauptfinanzierung des Haltepunktes nicht übernehmen, sagte Sprecher Lutz Mehlhorn. "Wir haben nicht die Eigenmittel." Er könne aber die Menschen verstehen, sei selbst zu einer Einwohnerversammlung in Hopfgarten gewesen. Deshalb könne er sich vorstellen, dass die Erzgebirgsbahn das Vorhaben doch teilweise finanziell unterstützt, "aber nur, wenn vor allem Fördermittel oder Geld von Dritten fließen." Die Erzgebirgsbahn würde den Haltepunkt auch betreiben. "Und auch das kostet Geld."

Hopfgarten ist der einzige Ort an der Bahnstrecke Chemnitz - Cranzahl ohne Haltepunkt (siehe Grafik; sie zeigt die Haltepunkte in der Region Zschopau) argumentiert der Ortschaftsrat. Zudem sei das Dorf schlecht mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Nach 17 Uhr und an Wochenenden ist Hopfgarten vom Öffentlichen Personennahverkehr abgeschnitten. Ein Fakt, der für den VMS nicht von Belang scheint.

Eine diesbezügliche Frage von "Freie Presse" wurde vom Verband nicht beantwortet. Ein Blick in den Fahrplan hilft aber weiter. 16.58 Uhr hält der letzte Bus des Regionalverkehrs Erzgebirge aus Richtung Marienberg in dem kleinen Ort, 16.28 Uhr aus Richtung Zschopau. Wer später oder samstags/sonntags Hopfgarten erreichen oder verlassen will, muss zu Fuß zu den nächsten Bahn-Haltepunkten nach Scharfenstein oder Warmbad laufen oder sich ein Taxi rufen.

 
erschienen am 18.01.2012 ( Von Sandra Häfner )
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