Herbert und Birgit Heinrich aus Zschopau besuchten am Wochenende die Schnitzausstellung in Krumhermersdorf. 
Herbert und Birgit Heinrich aus Zschopau besuchten am Wochenende die Schnitzausstellung in Krumhermersdorf.

Foto: Fabian Mattern

Besucher betrachten länger als üblich die Ausstellungsstücke

Schnitzausstellung präsentierte Moderne und Tradition

Krumhermersdorf. "Bei unseren Besuchern kommt die Vielseitigkeit der diesjährigen Ausstellung besonders gut an." Dieses Fazit konnte Vereinsmitglied Claudia Richter nach dem ersten Wochenende ziehen. Am Freitag eröffnet, hat die Schnitzausstellung schon zahlreiche begeisterte Besucher verbucht. Bereits am Freitag kamen zur Eröffnung auch zehn Gäste aus der noch inoffiziellen Partnergemeinde Unterschneidheim und waren offenbar sofort in die Exponate verliebt. "In Unterschneidheim gibt es zwar einige Schnitzer, aber keine richtigen Ausstellungen", klärte Vereinsvorsitzender Matthias Rochlitzer auf. So dürfte der Besuch in Krumhermersdorf für die zehn Gäste ein kleines Wunder gewesen sein.

"Mich hat besonders der extrem detailverliebte Schwibbogen von Horst Uhlmann fasziniert", sagte Besucherin Gabi Renner aus Gelenau. Jener Schwibbogen begeistert auch wegen der hölzernen Mechanik in seinem Inneren. Viele kleine Zahnrädchen aus Holz und mehrere Gummibänder bringen eine Spieldose in Gang. Zu deren sanfter Musik dreht sich in der Mitte des Schwibbogens eine Pyramide. Nebenan schnurrt eine Modelleisenbahn ihre Runden. Der lodernde Kamin sorgt für gemütliche Stimmung. All diese Details finden im Halbrund des Schwibbogens Platz.

Gerhard Petzold aus Scharfenstein konnte seine Augen hingegen nicht von der ergreifenden Schnitzerei "Der versiegte Brunnen", ebenfalls von Horst Uhlmann, lassen. Das Werk zeigt eine kleine Geschichte mehrerer Wüstennomaden, deren letzte Hoffnung in einer menschenfeindlichen Umgebung ein kleiner Brunnen ist. An den detailliert geschnitzten Gesichtern lässt sich erahnen, dass so etwas wie Hoffnungslosigkeit ausbricht, da der Brunnen versiegt ist.

Herbert und Birgit Heinrich aus Zschopau waren wohl wie die meisten Besucher von der Synthese traditioneller und moderner Schnitzkunst begeistert: "Uns gefallen besonders die Verbindungen der verschiedenen Werkstoffe." Gemeint waren die Exponate von Matthias Rochlitzer. Hier ergänzt zum Beispiel Edelstahl kunstvoll geschnitzte Holzskulpturen und formt einen Kerzenständer. Direkt daneben ein Werk aus gemasertem, italienischem Olivenholz. Gegenüber ein ästhetisches Gebilde aus brasilianischem Holz. "Wir versuchen das Niveau der Ausstellung dem aktuellen Zeitgeist anzupassen", sagte Matthias Rochlitzer und fügte hinzu: "Junge Menschen aus einem hoch technisierten Umfeld kann man heutzutage eben nicht mehr mit einem Bergmann vom Hocker reißen."

Deshalb ist der Blick nach vorn für die Krumhermersdorfer Ausstellung wichtiger Bestandteil. Neue Zielgruppen sollen angesprochen werden, ohne den Blick für das Traditionelle aus den Augen zu verlieren. Dies sei laut Matthias Rochlitzer in diesem Jahr gut gelungen. Viele der Besucher seien bisher länger als sonst da gewesen, hätten sich intensiver mit den ausgestellten Stücken beschäftigt. Barbara Hohner aus Chemnitz kam ebenfalls, um sich die Ausstellung anzusehen. Von einer Freundin hatte sie davon erfahren. "Ich habe mit Schnitzen eigentlich überhaupt nichts am Hut, aber was ich hier gesehen habe, hat mich wirklich begeistert", sagte sie. Von den moderneren Werken hätte sie sich gerne eins für das eigene Wohnzimmer mitgenommen. Dennoch fand sie es schön, auch die traditionellen Motive kennenzulernen.

 
erschienen am 15.01.2012 ( Von Fabian Mattern )
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